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14.12.2018
Möhwald im Mein-Werder-Interview

„Ich bin ein besserer Spieler geworden“

© nordphoto


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Mal angenommen, Sie wären Florian Kohfeldt, würden Sie Kevin Möhwald gegen Dortmund in die Startelf stellen?

Kevin Möhwald: Das Gute ist, ich bin nicht der Trainer. (lacht) Ich muss es also nicht entscheiden. Natürlich würde ich gerne spielen, aber davon unabhängig wird sich der Trainer Gedanken machen, wie es am Wochenende am besten passt. Ein Spieler muss jede Entscheidung des Trainers akzeptieren. Ich versuche mich, in welcher Rolle auch immer, am Spieltag bestmöglich einzubringen.

Womit rechnen Sie gegen Dortmund?

Mit gar nichts. Ich versuche, mich im Training zu empfehlen.

Gegen Düsseldorf standen Sie zum ersten Mal von Beginn auf dem Platz, zugleich haben Sie Ihr erstes Tor in der Bundesliga erzielt. Verändert sich dadurch etwas für Sie?

Grundlegend nichts. Reingekommen bin ich ja schon häufiger, der Mannschaft geholfen habe ich da auch. Es ist aber schon anders, diese Verantwortung von Beginn an zu tragen. Und das Spiel gegen Düsseldorf hat mir gezeigt, dass das geht, dass ich das kann. Im gewissen Sinne war es schon ein weiterer Schritt und damit wichtig für mich.

Sehen Sie für sich die Chance, kurzfristig Stammspieler werden zu können, oder sehen Sie sich eher als Ergänzungsspieler?

Dass ich die Qualitäten habe, dauerhaft von Beginn an zu spielen, davon bin ich überzeugt. Manchmal dauert es etwas länger, manchmal geht es schneller. Ob es also in zwei Wochen so weit ist oder in einem halben Jahr, kann ich nicht sagen.

Welchen Stellenwert haben Sie aktuell in der Mannschaft?

Ich denke, dass ich als Typ ganz gut ankomme und auch meine Qualitäten als Fußballer geschätzt werden. Das muss nicht automatisch mit dem Status als Stammspieler verbunden sein. Trainer-Team und Mannschaft wissen, dass sie auf meine Qualitäten zählen können, sobald ich auf dem Platz stehe.

Es ist Ihre erste Saison in der Bundesliga, zuvor haben Sie mit Nürnberg in der 2. Liga gespielt. Sind Sie mit Ihren bisher sieben Einsätzen zufrieden?

Ich habe lange nachgedacht, ob ich den Schritt aus Nürnberg und der Wohlfühloase dort gehen soll. Der zentrale Punkt für mich war die Möglichkeit, mich weiterentwickeln zu können. Das kann ich bei Werder, weil die Qualität der Mannschaft höher ist, besonders in der Spitze. In dem knappen halben Jahr, das ich jetzt hier bin, bin ich definitiv ein besserer Spieler geworden. Beim taktischen Verständnis, den individuellen Fähigkeiten, das bekomme ich auch als Rückmeldung von den Trainern zu hören. Das war mein Ziel, deshalb bin ich in dieser Hinsicht zufrieden. Aber natürlich hätte ich gerne mehr gespielt. Die Verantwortung, das zu ändern, liegt bei mir.

Sie waren in Nürnberg Stammspieler und Leistungsträger, in Bremen nehmen Sie eine andere Rolle ein. Wie gehen Sie damit um?

Es ist anders, keine Frage. Die Fehler oder die Verantwortung dafür sehe ich aber bei mir, bei niemand anderem. Deshalb schiebe ich keinen Groll, sondern versuche, in die Offensive zu gehen und meine Leistung zu verbessern. Ich bleibe positiv, ganz egal, wie meine persönliche Lage ist. Zu Beginn der Vorbereitung habe ich mich verletzt, dann lief es für die Mannschaft gut. Dadurch wurde es schwieriger, andere Spieler zu integrieren. Man hält gerne an dem fest, was erfolgreich ist, was gut und legitim ist.

Das klingt sehr vernunftgesteuert. Braucht es im Fußball nicht ein gesundes Ego, um sich gegen die Konkurrenten durchsetzen zu
können?

Jeder beansprucht für sich, spielen zu wollen. Das tue ich ja auch. Wenn man gesagt bekommt, dass man nicht im Kader steht, ist man enttäuscht. Dann braucht man vielleicht mal einen Tag für sich selbst. Hätte ich mich deshalb zurückgezogen und wäre beleidigt gewesen, weil der spielt und ich nicht, hätte ich gegen Düsseldorf vielleicht nicht die Chance bekommen, von Beginn an zu spielen. Ich habe die Situation angenommen, auf die Hinweise der Trainer gehört und versucht, an mir zu arbeiten. Wenn die Chance dann kommt, muss man sie nutzen.

Bisher ging Ihre Karriere immer bergauf. Ist jetzt zum ersten Mal ein Punkt, an dem es nicht so gut läuft?

Das sehe ich überhaupt nicht so. Als ich 2015 von Erfurt nach Nürnberg gewechselt bin, war ich auch nicht direkt unangefochtener Stammspieler. Da saß ich zu Beginn mal fünf Spiele auf der Bank, ohne berücksichtigt zu werden. Da habe ich begriffen, dass ich noch etwas mehr tun muss, damit es klappt. Jetzt in Bremen ist das wieder so gewesen. Nun hat der Trainer im Kopf, dass ich eine Option für die Startelf bin.

Florian Kohfeldt sagte mal, man könne Sie in jeder Situation einwechseln, und Sie würden sofort funktionieren. Sind Sie ein cooler Typ?

Ob man das als cool bezeichnen kann, weiß ich nicht. Ich versuche, egal wie lange ich spiele, mein Bestes zu geben. Mal funktioniert das, mal nicht.

Anders ausgedrückt: Verfügen Sie über eine große mentale Stärke?

Das ganz sicher. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht, das ist ein Traum. Deshalb schiebe ich auch keinen Groll, wenn es mal nicht so läuft. Fußballer zu sein ist eine sehr privilegierte Situation, da gibt es wenig Gründe, negativ zu denken. Mein Beruf ist Beruf und Hobby, das ist die beste Mischung, die es gibt. Über allem steht sowieso die Familie.

Was meinen Sie damit?

Meine Familie ist für mich das Wichtigste. Mein Vater ist früh gestorben, ich musste entsprechend schnell lernen, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht bin ich deshalb ein Mensch, der viel reflektiert. Meine Mutter versucht, bei jedem Heimspiel da zu sein. In Nürnberg war sie auch oft, sie ist sehr fußballinteressiert. Und wenn es die Zeit erlaubt, fahre ich in die Heimat. Das brauche ich. Fußball ist eine sehr ernste Geschichte, weil es um viel geht. Man sollte sich aber immer bewusst machen, dass es deutlich wichtigere Sachen im Leben gibt.

RosiB. am 14.12.2018, 20:09
Spitzentyp! Ich wünsche ihm nur das Beste 💚❤️💚
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Lebenslang am 14.12.2018, 20:53
Hammer typ... Finde ihn echt klasse, dickes Lob dafür, dass er sich selber für den wohl der Mannschaft hinten anstellt und merkt, daß er selber an sich arbeiten muss:) Könnten sich viele andere Profis mal ne Scheibe von abschneiden...
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