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26.05.2019
Möhwald im Mein-Werder-Interview

„Ich bin da, wo ich immer hinwollte“

© nordphoto


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Herr Möhwald, Ihr Werdegang ist ungewöhnlich für die heutige Zeit. Sie stammen nicht aus dem Nachwuchsleistungszentrum eines Topklubs, sondern spielten bis vor vier Jahren noch für Rot-Weiß Erfurt in der dritten Liga. Haben Sie damals als ganz normaler Fan vor dem Fernseher gesessen und die Bundesliga-Spiele geschaut?

Kevin Möhwald: Ich habe in meiner Freizeit immer Fußball geschaut, egal was. Natürlich die Bundesliga, aber auch die englische Liga. Ich bin ein Fußballverrückter.

Wenn die Bundesliga im Fernsehen lief, hatten Sie dann den Gedanken: Da will ich auch mal hin?

Dieser Gedanke war immer da, seitdem ich nicht mehr nur aus Spaß Fußball gespielt habe und realisiert habe, dass ich echt was erreichen kann. Es war immer mein Traum, vor so vielen Fans zu spielen. Der Fußball in der Bundesliga ist etwas Besonderes und wird auf der ganzen Welt gesehen.

Haben Sie sich früher Werders Ehrenspielführer Clemens Fritz zum Vorbild genommen? Er stammt ebenfalls aus Erfurt und hat es bis zum Nationalspieler gebracht.

Man guckt natürlich immer, welche Spieler aus dem Heimatverein es in die Bundesliga geschafft haben. Das waren Marco Engelhardt und Clemens Fritz zum Beispiel. Jetzt spiele ich für den Verein, bei dem Clemens sehr große Fußstapfen hinterlassen hat. Das ist nicht so schlecht.

Clemens Fritz ist jetzt Management-Trainee bei Werder. Haben Sie viel Kontakt?

Wir schreiben uns nach Spielen. Wenn wir uns sehen, unterhalten wir uns. Es ist aber nicht so, dass ich jeden Tag bei Clemens klingele oder ihn anrufe. (lacht) Wir verstehen uns sehr gut. Nach Spielen kommt mal ein Glückwunsch oder auch mal ein Verbesserungshinweis. Ich bin über jeden Rat von ihm sehr froh.

Nach Startschwierigkeiten haben Sie sich bei Werder auch gut eingewöhnt. Wie fällt Ihre persönliche Saisonbilanz aus?

Wenn man die Entwicklung sieht, bin ich schon zufrieden. Dass ich am Anfang nicht im Kader stand, war schwer für mich, weil ich es einfach nicht gewohnt war. Natürlich wurde ich in der Vorbereitung auch durch eine Verletzung zurückgeworfen. Dann habe ich aber gemerkt, dass der Trainer was in mir sieht und mit mir arbeiten will. Das war das Wichtigste. Das gibt dir als Spieler das Gefühl, dass du irgendwann für deine Arbeit belohnt wirst. Ich habe mir immer gesagt: Du darfst den Kopf nicht hängen lassen. Wenn die Chance kommt, musst du sie nutzen.

Gab es nie einen Moment, in dem Sie richtig niedergeschlagen waren?

Nein, man musste es auch realistisch betrachten: Ich kam aus der zweiten Liga und war in der entscheidenden Phase der Vorbereitung verletzt. Da war es klar, dass ich mich erst einmal hinten anstellen musste. Dazu sind wir sehr gut in die Saison gestartet und es gab keinen Grund, etwas zu ändern. Ich bin keiner, der dann darauf hofft, dass die Mannschaft verliert. Ich habe immer alles getan, damit die Jungs erfolgreich sind. Als meine Chance kam, habe ich sie dann ganz gut genutzt.

Anschließend haben Sie in Ihrer ersten Bundesliga-Saison regelmäßig gespielt. Welche Ziele haben Sie nun für die neue Spielzeit?

Ich will noch mehr spielen. Dafür muss ich die Schritte gehen, die mir der Trainer vorgibt. Ich lerne gerne und höre gerne zu. Darauf wird es ankommen, damit ich noch einen Schritt nach vorne gehen und zu einem unverzichtbaren Teil der Mannschaft werden kann.

Außerhalb des Platzes sind Sie allem Anschein nach sehr schnell ein Teil der Mannschaft geworden. Eingewöhnungsprobleme gab es gar keine, oder?

Ich bin ein Typ, der schnell ankommt und offen ist. Die Mannschaft hat es mir auch sehr leicht gemacht. Es sind keine Stinker dabei, die Stress machen. Es ist eine super Truppe mit einer guten Mischung aus ruhigen Typen und Spaßvögeln. Es macht einfach Spaß, Teil der Mannschaft zu sein

Sie gehören eher zu den Spaßvögeln. In den „Nürnberger Nachrichten“ stand einmal, Sie seien der Klassenkasper beim Club gewesen. Nehmen Sie diese Rolle auch bei Werder ein?

Ich mache eben öfter mal meine Späßchen, nehme auch mal ein paar Kollegen auf den Arm, kann aber genauso über mich selbst lachen. Ich finde da einen guten Mix. Auf dem Platz bin ich anders, da gibt es einen anderen „Mö“ zu sehen. Da will ich einfach gewinnen.

Wer so ehrgeizig ist, strebt auch mit der Mannschaft hohe Ziele an. Die Europa League hat Werder knapp verpasst, soll es nun in der kommenden Saison klappen?

Im Sommer werden wir uns über Ziele unterhalten. Aber es muss für uns darum gehen, die Entwicklung, die wir begonnen haben, fortzusetzen. Wir dürfen nicht stehen bleiben und sagen: Wir waren im Pokal-Halbfinale und haben in der Liga viele Punkte geholt. Dann machen wir einen Schritt zurück. Wir müssen den Weg weitergehen.

Sie persönlich dürften Ihren Weg auch weiterhin mit Werder gehen, oder?

Die Frage stellt sich für mich gar nicht.

Ihre Karriere wirkt genau geplant – als hätten Sie bewusst einen Schritt nach dem anderen gemacht. Sie spielten erst mit Erfurt in der dritten Liga und dann mit Nürnberg in der zweiten Liga. Jetzt sind Sie in der Bundesliga angekommen. Ist Ihr Plan also aufgegangen?

Ich habe auf eine stetige Weiterentwicklung gesetzt, weil ich mich sehr gut einschätzen kann. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, mit 17, 18 Jahren zu einem Bundesligisten zu wechseln, aber ich war noch nicht weit genug, um diesen Schritt zu gehen. In Erfurt wurde mir garantiert, dass ich Einsatzzeiten im Profifußball bekomme. Viele junge Talente scheitern, weil sie den Sprung von der Jugend in den Männerbereich nicht schaffen. Ich konnte mich an den Männerfußball gewöhnen. Der nächste Schritt führte mich nach Nürnberg, zu einem ambitionierten Zweitligisten. Im dritten Jahr sind wir aufgestiegen, auch dieser Plan ist also sehr gut aufgegangen. Jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte.

Aktuell wird viel über mögliche Zugänge diskutiert. Braucht Werder Verstärkungen für die neue Spielzeit?

Über neue Spieler mit Qualität ist man immer froh. Das müssen aber andere entscheiden. Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, die wir jetzt haben. Über Zugänge mache ich mir keine Gedanken.

Ein Zugang steht bereits fest: Niclas Füllkrug. Sie haben mit ihm in Nürnberg und in der U 20-Nationalmannschaft zusammengespielt. Kann er Werder weiterbringen?

Ich glaube schon. Er bringt sehr viel mit. In dieser Saison hatte er Pech mit seiner Verletzung, aber in der Vorsaison hat er 14 Bundesliga-Tore erzielt. Das ist ein Qualitätsmerkmal. Er weiß, wo das Tor steht, und hat ein gutes Kopfballspiel. Er ist ein Stürmer, der uns sehr gut zu Gesicht stehen wird.

Zur Person

Kevin Möhwald (25) wechselte im Sommer 2018 ablösefrei vom 1. FC Nürnberg zu Werder. In der abgelaufenen Saison kam der Mittelfeldspieler auf 23 Bundesliga-Einsätze, drei Treffer und eine Torvorlage. Im DFB-Pokal absolvierte der gebürtige Erfurter vier Partien.

Deltator1 am 26.05.2019, 16:59
Was will die Mannschaft und der SVW noch mehr wenn alle so denken kann doch nichts schiefgehen ODER????
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vpcn am 26.05.2019, 18:35
Andere Frage, passt nicht zum Thema hier. (Möhwald ist dennoch ein feiner Kerl, und ich finde schon, dass er uns weiterbringt.)
Also, ich habe bei meiner Frau zwei Tage Aufenthalt in Grassau erbetteln können. Wisst Ihr, wann und wo man am besten mal beim Training zuschauen kann? Mein Sohn träumt von einem Autogramm von Claudio (okay, eigentlich träume ich davon, aber der Kleine auch). Trifft man die Mannschaft am besten vor dem Training oder nachher? Meine Frau hat nämlich zur Bedingung gemacht, auf dem Chiemsee mal Bötchen zu fahren. Vielen Dank für Eure Hilfe vorab
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B3nNii am 26.05.2019, 18:41
Ich denke nach dem Training sind die Chancen auf Autogramme und Bilder am größten. Davor werden die Spieler zu sehr auf die bevorstehende Einheit fixiert sein.
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vpcn am 26.05.2019, 18:55
Vielen Dank, ja, das macht Sinn. Wieviel Uhr wäre das denn ungefähr so?
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B3nNii am 26.05.2019, 19:38
Ich kann dir keine Uhrzeiten sagen, aber das wird bestimmt auf der Website nach zu vollziehen sein, in dem Zeitraum des Trainingslager (:
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