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08.03.2019
Ex-Bremer Basler im Interview

„Ich bereue nichts“

© dpa (Archiv)


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Herr Basler, der Untertitel Ihres Programms lautet: „Mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache, ich spiele!“ Wie kam es zu diesem Ausspruch?

Mario Basler: In meinem zweiten Jahr bei den Bayern hat Uli Hoeneß zu mir gesagt, dass er jetzt den einen oder anderen Spieler für die rechte Seite kauft. Ich müsste mich anstrengen, sonst säße ich nur auf der Bank. Da habe ich geantwortet, dass es mir egal ist, wen er kauft, ich würde sowieso spielen. So ist es auch gekommen.

Was erwartet Ihre Zuschauer?

Ein bissel Comedy, ein bissel Geschichten aus dem Leben und das, was ich vor, während und nach den Spielen getrieben habe. Und wenn jemand im Publikum sitzt, der mir gefällt, lass ich mich auch gern auf ein Späßchen mit ihm ein.

Sind Sie nervös, wenn Sie jetzt vor Publikum allein auf der Bühne stehen – und nicht wie einst als einer von 22 Spielern auf dem Platz?

Beim ersten Auftritt war es schon so, dass ich angespannt und aufgeregt war, weil ich nicht wusste, wie das Publikum reagiert. Wenn da 300 Menschen vor dir sitzen, könnten ja einige aufstehen und „Langweilig!“ rufen, buhen oder nach Hause gehen. Es war aber immer so, dass alle begeistert waren. Das Publikum hat es mir leicht gemacht.

Brauchen Sie ein Navi, um zum Bürgerhaus Vegesack zu kommen?

Grundsätzlich finde ich in Deutschland nichts ohne Navigation. Ich weiß nicht, wie man das früher gemacht hat. Vegesack und Bremen-Nord – das sagt mir natürlich etwas. Aber während meiner Zeit bei Werder war ich hauptsächlich in der Stadt unterwegs.

Sie hatten bei Ihren bisherigen Auftritten Gäste dabei. Wer begleitet Sie in Vegesack?

Geplant ist, dass Tim Wiese kommt. Der Veranstalter und ich sind in Gesprächen mit ihm. Wenn er Zeit und Lust hat, wird er das machen.

Sie sind 1993 von Hertha BSC zu Werder gewechselt, haben vorher für Essen und Kaiserslautern gespielt. War es schwierig für Sie, im Norden Fuß zu fassen?

Grundsätzlich nicht. Aber vor allem am Anfang war es schwierig, mit dem Wetter klarzukommen. Im ersten Jahr hat es neun Monate lang nur geregnet, dazu dann auch noch der Wind. Das war eine große Umstellung. Mit den Menschen kam ich – egal wo ich war, aber vor allem in Bremen – super klar.

Stehen Sie noch in Kontakt mit Mitspielern oder Verantwortlichen aus Ihrer Bremer Zeit?

Nee, die Traditionself braucht mich nicht, die haben ja eine gute Truppe. Von daher habe ich keinen Kontakt zu den Leuten von früher.

Werder zeigt in diesem Jahr eine positive Entwicklung. Reicht das für die Europa League?

Der Verein hat einen tollen Trainer und sich nach den letzten drei, vier Jahren, in denen er eher im unteren Bereich der Tabelle herumkrebste, sehr gut entwickelt. Ich glaube schon, dass Werder gute Chancen hat, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren.

1996 sind Sie Europameister geworden, haben aber wegen einer Verletzung nicht gespielt. Fühlen Sie sich denn wie ein Europameister?

Es ist mir wurscht, ob ich mich Europameister nennen darf und ob man mich so nennt. Andere Spieler sind Weltmeister, obwohl sie nicht gespielt haben. So wie Matthias Ginter, der bei zwei Turnieren keine Sekunde auf dem Platz stand und anscheinend Weltmeister ist. Ob ich Europameister bin oder nicht, kann sich jeder selbst aussuchen.

Sie haben in einem der dramatischsten Spiele der Fußballgeschichte, dem 1:2 der Bayern gegen Manchester United im Champions-League-Finale 1999, das 1:0 erzielt. Was ging in Ihnen vor, als zwei Ecken in der Nachspielzeit zur Niederlage führten?

Nach dem 1:1 wusste ich, dass wir das Spiel nicht mehr gewinnen. Das hast du dann einfach im Gefühl. Eigentlich hast du den Pokal in der Hand, dann kriegst du so ein Tor …

Kürzlich erklärte der ehemalige Fußballer Andreas Möller, er könne sich nicht erinnern, den ihm zugeschriebenen Satz „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!“ gesagt zu haben. Gibt es ein Zitat, das Ihnen fälschlicherweise zugeschrieben wird?

Es gibt sicherlich den ein oder anderen Spruch, den man so nicht getätigt hat und angedichtet bekommt. Die Leute sollen das so in Erinnerung behalten, wenn sie wollen. Auch von mir ist bestimmt der eine oder andere Spruch im Umlauf, den ich nicht gesagt habe. Da stehen ja auch einige zur Auswahl.

Was antworten Sie Kritikern, die behaupten, dass Sie großes Talent hatten, aber zu wenig daraus gemacht haben?

Es hätte ja auch schlechter laufen können. Viele vergessen, dass ich erst mit 24 Jahren in die Bundesliga gekommen bin und nicht mit 18, so wie es heute oft der Fall ist. Ich bin einer der wenigen, der nach einem halben Jahr in der ersten Liga schon Nationalspieler geworden und nur ein weiteres halbes Jahr später mit zur Weltmeisterschaft gefahren ist. Ich glaube, das ist erst mal nicht so schlecht. Es hätte besser laufen können, klar, aber es hätte auch schlechter laufen können.

Gibt es eine Aktion, die Sie im Nachhinein bereut haben?

Ich bereue nichts in meinem Leben. Wirklich nichts.

Welche Entwicklung im Fußballgeschäft treibt Sie zur Weißglut?

Dass man nach jedem Spiel, nach jedem Interview die gleichen Sätze hört, auch wenn es unterschiedliche Spieler sind. Man hat das Gefühl, dass von den Pressesprechern vorgegeben wird, was zu sagen ist. In dieser Hinsicht sind die Spieler nicht mehr selbstständig genug. Ich höre mir diese Interviews schon gar nicht mehr an, weil ich genau weiß, was kommt.

Planen Sie, als Trainer, Manager oder in anderer Funktion noch einmal im Fußball tätig zu sein?

Alles ist denkbar. Ich glaube nur, dass das nicht gewollt ist. Ich habe das von mir weit weggeschoben, weil ich weiß, dass ich in Deutschland sowieso nichts mehr bekomme. Wir ehemaligen Spieler, die ihren eigenen Kopf und ihre eigene Meinung hatten, wozu ich etwa Stefan Effenberg zähle, sind einfach nicht mehr gewollt. Es sei denn, der Fußball entwickelt sich noch mal in eine andere Richtung – wenn nicht mehr alles vorgeschrieben wird und man auch mal jemanden holt, der ein bissel unangenehmer ist.

Eine Bühnenlaufbahn, bei der Sie von Ihren Eskapaden erzählen, fördert das nicht unbedingt, oder?

Ja, aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich erzähle ja nur von dem, was ich früher gemacht habe. Man kann darüber streiten, ob der Fußball gut oder schlecht war, den ich gespielt habe. Es muss jedenfalls nicht unbedingt schaden, wenn man das ein oder andere Bier oder einen Wodka Lemon trinkt oder die eine oder andere Zigarette raucht.

Gab es früher mehr rauchende Fußballer?

Ich kann versichern, dass es in der heutigen Bundesliga auch viele Raucher gibt, nur tun die das nicht in der Öffentlichkeit. Es weiß ja auch jeder, dass Jogi Löw Raucher ist. Also darf man als Spieler nicht rauchen, der Bundestrainer aber schon. Wenn die Qualifikation darin besteht, dass man Nichtraucher ist und noch nie im Leben Alkohol getrunken hat, dann werde ich wahrscheinlich nie mehr als Trainer oder Manager arbeiten.

Das Interview führte Helge Hommers.

Mario Basler (51)

früherer Profifußballer, ist den Fans mit Sololäufen, Standards und Sprüchen in Erinnerung. Nun tritt er mit einem Programm „Basler ballert“ am 27. März in Vegesack auf. Als Spieler hatte der gebürtige Pfälzer seine erfolgreichste Zeit bei Werder Bremen, wo ihn Otto Rehhagel zum Nationalspieler und Torschützenkönig formte, und beim FC Bayern München, mit dem er Deutscher Meister wurde und den DFB-Pokal gewann. Nach seiner Spielerkarriere hat sich Basler unter anderem als Fußballexperte für Sport 1 und als Trainer probiert.

Auftritt in Vegesack

Die aktuelle Show „Basler ballert“ am Mittwoch, 27. März, im Bürgerhaus Vegesack ist ausverkauft. Informationen über weitere Auftritte von Mario Basler gibt es auf der Internetseite www.baslerballert.de.

am 08.03.2019, 12:11
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