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Rasenreport
09.03.2019
Denkwürdiges Bartels-Comeback

Gänsehaut-Gefühl mit Beigeschmack

© nordphoto


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Nein, Fin Bartels lachte nicht einfach nur, er strahlte. Endlich, nach quälend langen 454 Tagen durfte er wieder für Werders Profis Fußball spielen. Es waren nur ein paar Minuten, doch dem 32-Jährigen dürften sie ein Leben lang in Erinnerung bleiben. „Es war aufregend. Ich glaube, ich habe selten einen emotionaleren Moment im Fußball gehabt“, sagte Bartels nach dem Schlusspfiff.

Es waren nicht nur die ersten Schritte auf dem Rasen des Weserstadions, die ihn derart glücklich machten. Es war der Jubel der ­Zuschauer. Normalerweise gehörten solche Augenblicke bislang meist Claudio Pizarro, doch nun erhob sich das Publikum auch für ihn. „Ich kann für diesen Empfang nur einen riesigen Dank an die Fans richten“, sagte der Angreifer. „Das war Gänsehaut pur. Es ist ein Traum, wieder zurück zu sein.“

Im Dezember 2017 war es, als die Fußballwelt für Fin Bartels zusammenbrach. Werder kämpfte sich gerade in Dortmund zum Sieg, als ihm die Achillessehne riss. Schon kurz nach seiner Auswechslungen versteckte Bartels sein Gesicht hinter den Händen, der Schreck saß tief. Er hatte eine ungefähre Ahnung davon, was nun kommen würde. Doch es kam viel schlimmer.

Normalerweise sollen Profis nach einer derartigen Verletzung nach sechs bis neun Monaten Pause wieder einsatzbereit sein, doch Bartels brauchte deutlich mehr Geduld. Immer dann, wenn er glaubte, wieder am Comeback zu schnuppern, tauchten neue Schmerzen auf und er musste zurück in die Reha. „Diese Rückschläge haben Nerven und Kraft gekostet“, gibt er heute zu.

Umso mehr kostete er nun den Freitagabend aus. Bartels ließ sich feiern, kletterte in der Ostkurve zu den Fans auf den Zaun, stimmte Gesänge an und ließ sich fotografieren. „Deswegen habe ich den ganzen Mist zwischendurch gemacht, um wieder hier zu ­stehen“, sagte er. „Frei­tagabend, Flutlicht, zu Hause, vor dieser Kulisse.“

Bartels verletzt Caligiuri

Es lief aber nicht alles rund an diesem Abend. Bartels hatte gerade den Platz betreten, da traf Schalke zum 2:3. Sollten die Bremer tatsächlich noch ihren sicher geglaubten Sieg aus der Hand geben? „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir egal war“, sagte Bartels mit Blick auf den Treffer. „Ich hatte schon ein bisschen Bammel, denn das wäre natürlich ein sch… Einstand gewesen.“ Doch Werder knickte bekanntlich nicht mehr ein, die Sorgen waren letztlich unbegründet.

Und doch endete das Bartels-Comeback mit einer traurigen Randnotiz. „Bei der ersten Aktion habe ich gleich über den Ball gesäbelt“, sagte der 32-Jährige mit einem Schmunzeln. Als er diese Worte sprach, wusste er noch nicht, welche Folgen das gehabt hatte. Kurz nach seinem Fauxpas traf Bartels nämlich unbeabsichtigt Schalkes Daniel Caligiuri, bei dem zwischenzeitlich gar der Verdacht auf einen Wadenbeinbruch bestand. „Mit meiner ersten Aktion einen anderen Spieler zu verletzen, ist natürlich nicht das, was man sich vorstellt“, sagte Bartels. „Ich hoffe, dass er schnell wieder fit wird.“ Das Daumendrücken half. Wie die Gelsenkirchener am Sonnabend mitteilten, wird Caligiuri „nur“ wegen eines „Risses der vorderen Syndesmose“ vier bis sechs Wochen ausfallen.

Es sollte der einzige Dämpfer für Fin Bartels bleiben, der nach seinen vielen Interviews direkt in die Gäste-Kabine marschiert war, um sich bei Caligiuri zu entschuldigen. Dieser Zwischenfall trübte die Stimmung, großartig feiern hätte Bartels aber sowieso nicht können „Ich gehe gleich ins Bett“, sagte er lachend. Der Grund leuchtete ein, bei der U 23 setzte Bartels am Sonnabend seine Comeback-Reise fort.

„Ich muss weiter an meiner Fitness arbeiten und Praxis sammeln. Das geht am besten in Spielen, das kannst du nirgendwo simulieren“, sagte Bartels. „Es gilt jetzt, weiter zu arbeiten, um dann auch wieder bei 100 Prozent zu sein, um auch wieder länger zu spielen.“ Denn nur das will er. Gewartet hat Fin Bartels schließlich lange genug.

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