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Rasenreport Life und Style
29.01.2019
Werder-Präsident Hess-Grunewald im Interview

„Fußball ist nicht weniger authentisch als Handball“

© nordphoto


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Herr Hess-Grunewald, als Präsident von Werder Bremen tragen Sie sowohl für die Fußballer wie auch die Handball-Abteilung die Verantwortung. Wie weit hat Sie die Euphorie-Welle der WM denn getragen?

Hubertus Hess-Grunewald: Ich war ein paar Tage im Urlaub und konnte deshalb nicht alle Spiele der deutschen Mannschaft live im Fernsehen sehen. Aber das, was ich gesehen habe, war sehr, sehr stark.

Wie groß ist denn Ihre Handball-Affinität?

Die ist schon groß, unsere Damen spielen ja in der Zweiten Bundesliga und ich bin häufig bei den Spielen in der Halle. Beim Handball gibt es kein Mittelfeldgeplänkel wie beim Fußball, sondern nur Offensive und Defensive. Da macht das Zuschauen wirklich enormen Spaß.

Hält der Handball-Boom an?

Da bin ich gespannt. Sport braucht Stars, da wäre ein WM-Sieg natürlich großartig ge­wesen. Mit dem vierten Platz ist der ganz große Wurf nicht gelungen. Und bei aller Wertschätzung: ein Fußball-Sommermärchen wie 2006 hat dann doch noch mal andere Qualität. Aber ich lade alle Handball-Fans ein, am kommenden Sonnabend unsere Frauen im Heimspiel in der Zweiten Bundesliga zu unterstützen.

Während der WM wurde diskutiert, ob Handball nicht ehrlicher ist als Fußball. 

Diese Diskussion habe ich verfolgt. Es wurde auch gesagt, Handball sei authentischer als Fußball.

Sehen Sie das auch so?

Mir hat das nicht gefallen, das muss ich ganz ehrlich sagen. Den Fußballern tut man mit solch einem Urteil unrecht. Natürlich ist Handball sehr populär, es gibt ja auch nicht diese Megagehälter wie beim Fußball. Und trotzdem wird Enormes geleistet, das deutsche Team hat ja gefühlt zehn Spiele in zwölf Tagen gehabt. Das wäre beim Fußball nicht möglich und das respektiere ich auch.

Aber?

Fußball ist doch deshalb nicht weniger authentisch. Ich war jetzt bei unserem Trainingslager in Südafrika jeden Tag mit der Mannschaft unterwegs, saß mit den Spielern im Bus und habe sie zu sozialen Projekten begleitet. Ich fand das sehr beachtlich, wie sie sich eingebracht haben, und habe ihre Auftritte für sehr authentisch gehalten. Nein, in dieser Diskussion muss ich mich schützend vor die Werder-Spieler stellen. 

In der Öffentlichkeit kamen die Handballer trotzdem besser weg als die Fußballer.

Ein Uwe Gensheimer zum Beispiel ist ja auch ein total sympathischer Sportler, der dazu noch mit seiner zurückhaltenden Art punktet. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Handballer weit weniger im Fokus stehen als Fußballer.

Viele Fans nervt, dass Fußballer sich so oft mit dem Schiedsrichter anlegen. Ein Handballer akzeptiert den Pfiff und geht einfach.

Das Regelwerk im Handball ist viel, viel strenger als im Fußball. Und der Schiedsrichter ahndet Vergehen rigoroser als im Fußball, das wissen alle Beteiligten.

Muss beim Fußball immer so viel mit dem Schiedsrichter gequatscht werden?

Ich glaube, das stellt sich von außen etwas anders dar als auf dem Spielfeld. Auch wenn es mal etwas lauter zugeht, heißt das ja nicht, dass alle den Schiedsrichter anschreien. Natürlich wird viel diskutiert und versucht, Einfluss zu nehmen. Aber das ist oft ein sehr vernünftiger Austausch.

Dann reden wir über Theatralik. Gibt’s im Handball so gut wie gar nicht.

Die ist doch im Fußball aber auch total verpönt. Schauen Sie sich doch einen Neymar an. Was er auf dem Platz macht, wird doch nicht akzeptiert, ganz im Gegenteil. Bei der WM haben sich alle darüber aufgeregt.

Kann der Handball eigentlich was vom Fußball lernen?

Ja, er sollte die Spieler aus dem Zwang befreien, jeden Januar ein großes Turnier spielen zu müssen. Das ist mir fast zu inflationär. Ich finde, dass alle zwei Jahre wie im Fußball eine EM oder WM reichen würde. Das geht doch auch auf Kosten der Spieler.

Das Gespräch führte Mathias Sonnenberg.

Zur Person

Hubertus  Hess-Grunewald (58) ist seit 2014 Werder-­Präsident, Mitglied der Geschäftsführung und verantwortlich für die Amateur-Abteilungen, zu denen auch Handball gehört.

alanya_fuchs am 29.01.2019, 08:30
Herr Grunewald, viele Ihrer Antworten überzeugen nicht und Sie haben sich da nur rausgewunden.
Zur Schauspielerei und dem Vehalten zum Schiedsrichter hätte ich gerne deutlichere Worte gehört. Gelbe Karten wegen Reklamieren sind die unnötigsten Karten überhaupt.
Ich war 25 Jahre Handballschiedsrichter, das hätte ich mir im Fußball nicht angetan. Respekt, Disziplin und Fairness muss von oben vorgelebt werden. Deutlich erkennbar ist das durch das Verhalten beider Mannschaften nach dem Schlußpfiff. Freundschaftliches Shake hands, das stelle man sich einmal nach dem Pokalfinale in Berlin vor ...
Herr Sonnenberg hat leider vergessen zu fragen, warum Handball und Fußball offensichtlich ein völlig unterschiedliches Zuschauerverhalten erzeugen. Keine Randale und keine Übergriffe, absolut friedlich
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delles.wiki am 29.01.2019, 16:32
An den Handballer schätze ich, dass sie, obwohl sie ordentlich was einstecken müssen, dabei kaum rumjammern und lamentieren.
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