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16.03.2019
Nachwuchs-Chef Schierenbeck im Interview

„Es geht um die Gier“

© Christina Kuhaupt


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Herr Schierenbeck, in dieser Woche wurde bekannt, dass Preußen Münster Interesse an Trainer Sven Hübscher hat. Gibt es einen neuen Stand?

Björn Schierenbeck: Bislang wissen wir nur, dass dieses Interesse besteht und Sven sich mit der Möglichkeit eines Wechsels beschäftigt.

Sie ließen bereits durchblicken, dass Sie dem Trainer keine Steine in den Weg legen würden. Was würde er für das Ausbildungskonzept bedeuten?

Unter anderen beinhaltet unser Ausbildungskonzept auch die Weiterentwicklung von Trainern. Insofern ist das Interesse anderer Vereine ein normaler Vorgang. Ebenso, dass wir bei einem Wechsel von Sven Hübscher einen neuen Kandidaten präsentieren, der unsere Spielphilosophie umsetzt.

Wie sieht der Plan B aus?

Noch ist Sven Hübscher ja nicht weg. Sollte er gehen, werden wir alle Möglichkeiten prüfen, intern wie extern.

Die Mannschaft spielt bislang eine eher mäßige Rückrunde mit drei Unentschieden in drei Spielen. Sie werden vermutlich nicht zufrieden sein mit der sportlichen Situation.

Die Mannschaft ist bislang nicht konstant angetreten. Leider sind die Leistungen sehr schwankend, aber das gehört zur Ausbildung dazu. Daher machen wir uns keine Sorgen.

Weil die Meisterschaft angesichts des Rückstandes sowieso längst kein Thema mehr ist?

Unser Auftrag ist nicht die Meisterschaft, sondern Spieler für unseren Bundesligakader zu entwickeln. Und hier haben wir einige interessante Kandidaten, denen wir diesen Weg zutrauen.

In jedem Fall fällt auf, dass eine ganze Reihe der U23-Kicker eher selten an ihre Leistungsgrenze geht. Hat das vielleicht etwas mit der Regionalliga und ihrer vergleichsweise geringeren Anforderung zu tun?

Es wäre unheimlich schade, wenn es so wäre. Das Erreichen persönlicher Ziele kann nicht von der Liga abhängig sein. Die Spieler müssen lernen, egal gegen wen sie spielen, an ihre Leistungsgrenze zu gehen. Wenn ich später auf höchsten Niveau spielen will, dann muss ich auch in der Lage sein, am Mittwoch in der Champions League zu spielen und dann in der Bundesliga beim Tabellenletzten.

Und diese Erkenntnis wird nun auch mit den Spielern diskutiert?

Ja, selbstverständlich sind wir mit unseren Spielern zu diesem Thema im ständigen Austausch. Das ist auch das Herausfordernde an unserem Job, unseren Beitrag in dieser Hinsicht zu leisten.

Sven Hübscher sagt, Wolfsburg als Tabellenführer würde im Vergleich zu seiner Mannschaft auf die Meisterschaft spielen. Ist Werder mehr auf die Ausbildung und weniger auf den sportlichen Erfolg ausgerichtet?

Das ist für mich kein Gegensatz. Unser Technischer Direktor Thomas Schaaf spricht immer von der Erfüllung unserer Aufgaben. Wenn wir unsere Aufgaben häufiger erfüllen würden, wären wir definitiv näher dran an Wolfsburg und hätten nicht diesen Rückstand.

Das würde bedeuten, dass sich die Ausrichtung von Wolfsburg und Werder nicht wesentlich unterscheidet?

Das kann ich für Wolfsburg nicht beantworten. Aber unser Maßstab ist auch nicht ein anderer Klub. Wir könnten die Wahrscheinlichkeit auf den Titel mit einer anderen Altersstruktur deutlich erhöhen. Wir setzen allerdings auf unsere jungen Talente. Unter anderem standen bei uns vier Akteure in der Anfangself, die noch in unserer U19 hätten spielen können.

Aber ist die Rückkehr in die 3. Liga angesichts der Erfahrungen in der Regionalliga nicht noch wichtiger?

Nein. Das ist von der Liga unabhängig, und Josh Sargent ist auch über die Regionalliga zum Bundesligaspieler geworden. Es wäre auch zu einfach, das als Alibi zu nutzen. Dass ich als Spieler die Motivation darüber beziehe, in welcher Liga ich spiele. Ich muss immer den eigenen Anspruch haben, meine Leistung unabhängig davon zu bringen. Das ist immer das gleiche Thema.

So gesehen lernt man in der Regionalliga natürlich mehr.

Ich würde mir einfach viel mehr wünschen, dass die Jungs selber ausdrücken wollen, dass diese Liga sie unterfordert. Dass sie zeigen: Seht her, ich bin zu gut für diese Liga. Dieser Anspruch, diese positive Arroganz, zeigt sich nicht, wenn ich verliere oder unentschieden spiele. Aber die Basis ist immer die volle Leistungsbereitschaft. Es geht dabei auch um die Gier, also nicht zufrieden zu sein mit einem 1:0. Diese Konsequenz muss man lernen. Da sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen.

Junge Spieler neigen im Fall des Misserfolgs manchmal dazu, die Schuld bei den Nebenleuten zu suchen. Spielt dieser Ausbildungsschritt derzeit auch eine Rolle?

Das ist ganz wichtig: Zu erkennen, dass ich in erster Linie auf mich schauen sollte. Da muss ich mir gar keine Gedanken machen über die Kollegen oder den Trainer. Wenn ich auf dem Platz stehe, muss ich bei mir sein. Wenn ich das gut mache, kann ich vielleicht auch mal etwas zu anderen Dingen sagen. Diese Selbstreflexion muss man erst mal lernen. Das ist eine normale Phase in der Entwicklung eines jungen Spielers. Sie gehört dazu.

Also wird die Selbstreflexion derzeit noch nicht in besonders großem Maße betrieben?

Aber das ist auch der Grund für eine U23. Weil es nicht immer selbstverständlich ist, so zu denken. Da kann man sich selbst aber auch immer mal überprüfen und fragen: Habe ich mich vielleicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen?

Zur Person:

Björn Schierenbeck (44) ist seit 2013 der Direktor von Werders Leistungszentrum und fungiert zudem als Leiter der U23. Diese Mannschaft stieg im vergangenen Sommer aus der 3. Liga ab und belegt nun den dritten Rang in der Regionalliga Nord.

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