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24.04.2019
Neuer-Ersatz Sven Ulreich

Eiserne Reserve?

© nordphoto


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Etwas spöttisch wird ja gerne behauptet, die Stelle als Ersatztorhüter beim FC Bayern wäre der schönste Job im Profifußball: Ein Vertrag beim größten und erfolgreichsten Klub des Landes, jede Menge Titel und dabei nahezu keine Verantwortung, plus aufregende Auswärtsreisen in die schönsten Städte und Stadien der Welt und ein üppiges Salär.

In diesen Momenten muss dann immer wieder Bernd Dreher als Paradebeispiel herhalten. Dreher kam einst im zarten Alter von 29 Jahren zu den Bayern und brachte das einmalige Kunststück fertig, mehr Trophäen gesammelt als Spiele für die Bayern absolviert zu haben. Dreher stand nur 15 Mal für die Bayern im Tor, holte in zwölf Jahren in München aber sagenhafte 18 Titel. Drehers legitimer Nachfolger war Tom Starke, zwölf Spiele, zwölf Titel.

Starke letzte Saison von Ulreich

Und dann kam Sven Ulreich. Der ging im Sommer 2015 den Schritt von Stuttgart nach München und erntete dafür eine seltsame Mischung aus Bewunderung und Spott. Beim VfB wurde Ulreich zum Stammtorhüter in der Bundesliga und im letzten Spiel für seinen Heimatklub zum Retter im Abstiegskampf. Der Wechsel nach München war für die einen ein Fortschritt und für die anderen ein Rückschritt, vielleicht sogar eine Selbstaufgabe: Mit Manuel Neuer als Überfigur war Ulreichs Platz auf der Ersatzbank zementiert.

Und doch ist seitdem einiges ganz anders gekommen als erwartet. Was in erster Linie mit Neuers Verletzungsgeschichte zu tun hat. Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da sollte die beste Nummer zwei des Landes mit der deutschen Nationalmannschaft nach Russland reisen. Ulreich verrichtete nicht nur einen sehr ordentlichen Dienst als Neuer-Vertreter, sondern wurde auch im Dunstkreis des amtierenden Weltmeisters gehandelt - ganz so, als wäre die Torhüterposition das einzige Problemchen in Joachim Löws Auswahl gewesen.

Das war wohl ein wenig übertrieben, aber für manchen Experten und natürlich auch die Verantwortlichen und Fans des Rekordmeisters war Ulreich durchaus eine Option, wenn der Mittelfuß der Nation nicht rechtzeitig fit geworden wäre. Für Uli Hoeneß war er „mein Mann des Jahres“, bei der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres schaffte es Ulreich auf Rang sechs - als bester Torhüter und das vor Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona.

Kovac: „Ich habe keine Bauchschmerzen“

Den Bayern ebnete Ulreich damals den Weg zum sechsten Titel in Folge in der Liga und in einem lange Zeit umkämpften Halbfinale im Pokal in Leverkusen den Weg ins Endspiel. In 46 Pflichtspielen stand Ulreich in der letzten Saison für die Bayern im Tor und hielt dabei sehr gut. Im Gedächtnis hängen geblieben sind aber nicht die vielen überzeugenden Auftritte, sondern sein Fehler im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid.

Auch das Aus ein Jahr zuvor im Pokal gegen Borussia Dortmund wurde von mancher Stelle Ulreich angelastet, obwohl ihm bei der Niederlage gegen Borussia Dortmund keine groben Schnitzer angeheftet werden konnten - trotzdem galt der allgemeine Tenor: Ulreich kann keine großen Spiele. Nun steht wieder ein großes Spiel an und die Bayern tun alles, um ihren Torhüter im Vorfeld zu schützen.

„Das Vertrauen ist absolut bei Sven. Das hat er sich nicht nur dieses Jahr verdient, sondern auch schon letztes Jahr“, sagte Trainer Niko Kovac schon vor dem Bundesligaspiel gegen Werder. „Ich habe keine Bauchschmerzen. Im Gegenteil, ich bin sehr, sehr optimistisch.“ Ulreich spielte zu Null, bekam dabei von den Bremern aber auch keinen einzigen Ball auf sein Tor. Nicht mal einen Versuch aus der so genannten zweiten Reihe - dabei steht der 30-Jährige hartnäckig im Verdacht, bei Fernschüssen eine latente Schwäche zu offenbaren. Das war schon zu seiner Zeit in Stuttgart so und gipfelte bei den Bayern im Anfang vom Ende von Trainer Carlo Ancelotti: Ulreichs Patzer gegen Wolfsburg in einem seiner ersten Spiele leitete die letzten Tage von Ancelotti als Bayern-Trainer ein.

Das Flutlicht und die Werder-Fans

Neulich in der Allianz Arena wurde dieser angebliche Makel von Werders Spielern erst gar nicht überprüft, dafür aber eine andere Sache, die weit mehr als nur ein Gerücht oder eine Vermutung ist: Mit Ulreich im Tor sind die Bayern im tiefen Spielaufbau eine andere Mannschaft. Ulreich nimmt kaum Risiko bei Rückspielen, ist mit dem Ball am Fuß allenfalls Bundesligadurchschnitt auf seiner Position und kein Freund von kurzen Zuspielen auf seine Vorderleute. Kurzum: Kein elfter Feldspieler wie es Neuer sein kann.

Werder hatte diese Schwäche erkannt und gerade in der Anfangsphase der Partie im eigenen Pressing versucht zu attackieren. Aber nicht mit der nötigen Penetranz und Intensität, um daraus Kapital zu schlagen. Die wenigen brenzligen Momente löste Ulreich gerade noch rechtzeitig, was angesichts der späteren Dominanz des Rekordmeisters und weil Ulreich schließlich vor seinem eigenen Publikum spielte, kaum noch Erwähnung fand.

Am Mittwoch wird die Gemengelage aber eine ganz andere sein. Da sind die Werder-Fans nicht ganz oben irgendwo unterm Dach untergebracht, sondern direkt hinter Ulreichs Tor. Das Flutlicht als natürlicher Feind eines jeden Torhüters wird hell leuchten und jede noch so kleine Unachtsamkeit von den Rängen registriert und beantwortet werden. Es könnte ein ungemütlicher Abend werden für Bayerns Nummer zwei, die in der Schlussphase der Saison schon wieder zu Bayerns Nummer eins wird.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier: 


RSchneider am 24.04.2019, 13:38
Ulreich wird sich definitiv nach einem neuen Verein umschauen können, da aller Wahrscheinlichkeit Nübel an die Säbener Str. wechseln wird.
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