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Life und Style
08.01.2019
Kritik an Werders Besuch im Löwengehege

"Ein völlig falsches Verständnis von Natur“

© nordphoto


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Der Löwe ist ein schönes und exotisches Tier, das ein hervorragendes Fotomotiv hergibt. Die Wildkatze steht für Stärke und Dominanz – und kleine Löwenbabys sind obendrein noch ziemlich süß. Deshalb und weil Anfassen manchmal noch viel schöner als Angucken ist, ließ es sich der eine oder andere Werderaner am Montag nicht nehmen, die kleinen Raubtiere zu streicheln und mit ihnen zu posieren. Die Fotos machten natürlich die Runde und so gesellt sich zu dem sportlich wackeligen Start in die Wintervorbereitung noch ein kleines PR-Desaster.

Das sogenannte Cub Petting, also das Streicheln von jungen Wildtieren, wird sehr kritisch gesehen. So kann es für die Jungtiere einen erheblichen Stress bedeuten, von ihrer Mutter getrennt zu und ständig von Fremden berührt zu werden – sofern sie nicht von Geburt an daran gewöhnt werden.

Mindestens genauso problematisch ist aber, dass das Cub Petting oft nur ein Nebenerwerb für die Tierparks ist. „Wir lehnen das rundherum ab“, sagt deshalb Immo Fischer von der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Es komme vor, dass die Löwen extra gezüchtet werden, um sie später, wenn sie ausgewachsen und nicht mehr ganz so süß sind, für organisierte Jagden in Gehegen zu verkaufen, so der Naturschützer. „Häufig werden die Tiere auch gezüchtet, um ihre Körperteile nach Asien zu verkaufen, wo sie für medizinische Zwecke verwendet werden“, erklärt Fischer.

„Südafrika exportiert so mehrere hundert Löwenskelette vor allem nach Taiwan, Vietnam und China. Dort werden die Knochen als Tigerknochen verkauft, die dann zu Tigerwein und sogenannten Tigerkuchen verarbeitet werden“, führt der Raubtier-Experte Doktor Philipp Henschel von der amerikanischen Naturschutzorganisation Panthera aus. Ein Skelett könne für bis zu 20.000 Euro verkauft werden. „Viele Touristen sind immer noch schlecht über diese Mechanismen informiert, und die südafrikanische Regierung toleriert die Praxis nach wie vor“, sagt Henschel.

 

Der „Lion & Safari Park“, den Werder besuchte, macht zwar in einem öffentlichen Statement deutlich, dass man keinen seiner Löwen an Jäger oder Farmen verkaufe, doch auch die Südafrikaner sind sich offenbar bewusst, dass ihr Angebot nicht völlig lupenrein ist. So habe der Park das Streicheln zwischenzeitlich verbieten lassen, in der Folge aber einen erheblichen Besucherrückgang hinnehmen müssen. Die Betreiber sahen sich also genötigt, das Verbot zurückzunehmen und wirtschaftliche Interessen vor moralische Bedenken zu stellen. Immerhin versprachen sie aber, sich auf politischer Ebene für ein Verbot des Streichelns von Wildtieren in ganz Südafrika einzusetzen.

Selbst wenn es den Löwen in besagtem Park besser als anderswo gehen sollte, warnt Fischer vor der medialen Wirkung, die Fotos von Fußballprofis und Wildtieren entfalten können. „Man stärkt die Nachfrage nach solchen Angeboten.“ Und es gebe sehr viele undurchsichtige Anbieter, bei denen die Überprüfbarkeit nicht immer gegeben sei, sagt der WWF-Mitarbeiter. Auch die Naivität, mit der sich Afrika-Reisende wie die Bremer den Raubkatzen nähern, stört Fischer: „Das ist einfach ein völlig falsches Verständnis von Natur. Das sind Wildtiere, die sind nicht zum Streicheln da.“

Bei Werder hingegen mag man an der Streicheleinheit nichts Verwerfliches finden. „Wir haben uns im Vorfeld über den Park informiert, der überwiegend positive Bewertungen bekommt. Selbstverständlich haben wir uns von der Agentur versichern lassen, dass der Park die gesetzlichen und tierschutzrechtlichen Bestimmungen einhält“, teilte der Verein mit. Und: „Jeder konnte selbst entscheiden, ob er diese Fotomöglichkeit wahrnimmt. Die Mehrheit der Spieler hat sich dagegen entschieden."

Zu dieser Mehrheit gehörte auch Martin Harnik: „Ich bin nicht sicher, ob die kleinen Löwen es mögen, wenn ich sie streichele“, sagte er und verzichtete darauf.

andreasacalo am 08.01.2019, 18:06
Ja , ich bin traurig darüber und Frage mich , warum Südafrika und wann beginnt der Ernst der Bundesliga in den Köpfen unserer Verantwortlichen? Bin enttäuscht!
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Eddie290388 am 08.01.2019, 18:21
Die Spieler müssen auch mal den Kopf frei kriegen um in der Bundesliga weiter kämpfen zu können.Also lass sie doch ihren Spaß haben.
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Kurt_Gripsholm am 08.01.2019, 18:24
Für eine Gesellschaft, in der Kälber für den Milcherwerb von ihren Mütten losgerissen werden, riecht mir die Kritik oben doch ein wenig nach Doppelmoral. Das Trinken von Babynahrung einer anderen Spezies (Milch) ist mindestens genauso sinnvoll wie Lowenbabys streicheln.
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Guinefort am 08.01.2019, 21:47
What about... ist kein Argument. das sollte sich langsam mal herumgesprochen haben. Man kann durchaus die Haltung von Kälber wie auch Cub Petting kritisieren. Und zwar zu recht.

Leider fügt sich diese Aktion in das negative Bild, das Werder seit dem Wiesenhof-Deal in der Öffentlichkeit abgibt. Schade.
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susanneundjens am 08.01.2019, 19:15
Harnik hat es kapiert, andere wohl nicht so. Läuft unglücklich das Trainingslager.
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adagiobarber am 08.01.2019, 19:22
geht es auch noch eine nummer kleiner ...
es wird gerade so getan, als wenn es bei uns keine 'streichelzoos' gebe.
wo eltern und ihre allerjüngsten kleine wildtiere begaffen und anfassen dürfen.
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Johnny_Lawrence am 08.01.2019, 20:29
In welch einem Tempo hier der Bogen gespannt wird ist mMn atemberaubend. Vom Jungtier streicheln, zum Körperteileverkauf für medizinische Zwecke. Und Löwenskelette als Tigerwein und Tigerkuchen. Hammer ich dachte echt da kommt jetzt gleich noch mehr.
Wir müssen echt mal die Kirche im Dorf lassen. Wenn sich Werder informiert hat, dann weiß ich nicht wo das Problem ist. Man mag zum Streicheln von Jungtieren stehen wie man will aber diese Szenarien auf Werder zu projizieren halte ich für falsch.
Da stellen sich Leute hin und verurteilen dies, gleichzeitig kaufen sie ihre Kleidung bei Kik, Primark etc. die alle unter erbärmlichsten Bedingungen, man könnte sogar sagen moderne Arbeitssklaverei, produziert werden. Echauffieren sich dann aber über andere. Wer die Moralkeule schwingt sollte mal bei sich anfangen!
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vigot am 09.01.2019, 08:30
Und nächstes Jahr bitte Elefantenreiten in Thailand... Ziemlich schwach Werder.
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chrijunge am 09.01.2019, 09:52
Finde ich jetzt ein wenig überspannt. Das Streicheln der Löwen ist nicht cool. Aber dass Werder Wiesenhof mit seinen Legebattterien und Kükenschreddern unterstützt, finde ich viel schlimmer. Ich kann jeden Fan verstehen, der sich deswegen von Werder abwendet.

Und ansonsten werden mir hier zu viel schlechte Nachrichten über das Trainingslager konstruiert. Warten wir mal ab wie die ersten Spiele laufen. Die letzten 10 Spiele fand ich teilweise echt gruselig, aber Kohfeldt hat es ziemlich gut analysiert am Ende.
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Netzaroth am 09.01.2019, 12:30
Das Trainigslager läuft komplett aus dem Ruder, überhaupt viel zu viel Unruhe und Nebengeräusche mit wenig Fokus auf Fussball. Das lässt für den Rückrundenstart nicht gutes erwarten...
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