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22.02.2019
Was macht die „Grün-Weiße Hilfe“?

Ein Rettungsring für Fans

© nordphoto


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Das Logo der „Grün-Weißen Hilfe“ zeigt einen Rettungsring, die Symbolik ist nicht nur aufgrund der Bremer Verbundenheit mit dem Wasser naheliegend: Fußballfans geraten zwar weniger in Seenot, bestimmte Gruppierungen dafür aber ab und an ins Blickfeld der Polizei oder der Justiz. „Häufig enden diese Konfrontationen zum Nachteil für uns Fans“, schreibt die „Grün-Weiße Hilfe“, die vor kurzem ins Vereinsregister eingetragen wurde, auf ihrer Webseite. Wer ein Problem hat, kann die Nummer 0176/32644533 wählen, oder in den Buchstaben ausgedrückt, die unter den Ziffern auf dem Telefon stehen: 0176/FANHILFE.

Das Konzept der Fanhilfen ist nicht neu, die Werder-Szene verhältnismäßig fast schon spät dran. „Im Herbst letzten Jahres haben sich alle möglichen Fans, Ultras, Allesfahrer zusammengesetzt und überlegt, ob wir etwas Ähnliches nicht hier in Bremen ins Leben rufen wollen“, erzählt Mitgründer Benedikt Kaneko. „Da waren wir uns schnell einig, dass das eine super Idee ist.“

Die „Grün-Weiße Hilfe“ sieht sich aber nicht nur als Beratungsstelle in kritischen Situationen, sondern will auch präventiv arbeiten und informieren. „Alle Interessierten sollen zum Beispiel erfahren, welche rechtsstaatlichen Mittel ihnen für Verfügung stehen und was Befugnisse der Polizei sind“, sagt Kaneko. Auf der Webseite des Vereins gibt es deshalb bereits zahlreiche Artikel zu Stichwörtern wie: Gedächtnisprotokoll, Strafbefehl, Erkennungsdienstliche Behandlung, Identitätsfeststellung.

Austausch mit Herthas Fanhilfe

Die „Grün-Weiße Hilfe“ arbeitet unabhängig vom SV Werder und dessen Fanprojekt, es gibt auch keine finanzielle Förderung von dieser Seite. „Sie dürfen aber unsere Räumlichkeiten nutzen, um sich zu treffen oder Veranstaltungen zu machen“, sagt Fanprojekt-Mitarbeiter Daniel Behm, der überzeugt ist vom Konzept der Fanhilfe: „Wenn sich Jugendliche auf demokratischem Wege organisieren, um ihre eigenen Rechte zu wahren, können wir das nur gutheißen. Der Klientel wird ja oft vorgeworfen, dass sie sich rechtsfreie Räume schafft oder Gewalt anwendet, anstatt zu reden.“ Das Fanprojekt selbst könne nur Sozialarbeit leisten und keine Rechtsberatung anbieten, so wie es bei der „Grün-Weißen Hilfe“ Anwälte – auf Honorarbasis – tun, die sich seit Jahren mit Fanthemen befassen.

Am vergangenen Wochenende in Berlin hat es einen Austausch mit Herthas Fanhilfe gegeben. Generell sei das Thema Vernetzung gerade ein großes in der Szene. „Alle merken, dass dort riesige Synergieeffekte drinstecken“, sagt Kaneko. Beim Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Freitag wird es einen Infostand hinter der Ostkurve geben. Aktuell hat die „Grün-Weiße Hilfe“ 300 Mitglieder, der Verein finanziert sich durch Monatsbeiträge und Spenden. Die ersten Fans hätten schon Kontakt aufgenommen. Doch ist der Bedarf wirklich so groß? „In Bremen habe ich bei Polizei und Justiz in der Vergangenheit doch häufiger das Gefühl, dass sie mit Kanonen auf Spatzen schießen“, sagt Kaneko. Die organisierte Fanszene fühlt sich oftmals als Wahlkampfthema missbraucht.

Kostenrisiken sollen übernommen werden

Ein beispielhafter Fall aus der Vergangenheit, in dem die „Grün-Weiße Hilfe“ künftig unterstützen will, hat sich Anfang 2017 ereignet. Ein Bus mit Werder-Fans war auf dem Weg zum Auswärtsspiel bei VfL Wolfsburg gestoppt worden, die Mitreisenden kontrolliert und schließlich – ohne das Spiel sehen zu dürfen – zurück nach Bremen eskortiert. Sie waren verdächtigt worden, Schmierereien an einer Raststätte hinterlassen zu haben. Ein Betroffener klagte gegen die Maßnahme und bekam in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Braunschweig Recht: Die Fans in Gewahrsam zu nehmen und ein Betretungsverbot für die Stadt Wolfsburg war illegal.

„Auf Feststellung einer Rechtswidrigkeit zu klagen, ist für die Person, die das tut, mit einem vierstelligen Kostenrisiko verbunden. Unsere Hoffnung beziehungsweise unser Anspruch ist, in Zukunft die Verfahrenskosten teilweise oder komplett übernehmen zu können“, erklärt Kaneko von der „Grün-Weißen Hilfe“. „Es ist gut, dass wir den Rechtsstaat haben. Aber gerade bei verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten muss man ihn sich auch leisten können.“

Mehr Infos zur „Grün-Weißen Hilfe“ gibt es auf deren Webseite.

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