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Rasenreport
05.06.2019
Werder baut den Kabinentrakt um

Ein neues Zuhause für die Profis

© nordphoto


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Für Florian Kohfeldt ist das Weserstadion fast schon ein heiliger Ort. Ganz gleich, ob an einem Spieltag oder unter der Woche: Er mag die Atmosphäre und genießt es spürbar, dort arbeiten zu dürfen. Die Umkleidekabine nennt er liebevoll „unser Zuhause“. In diesem Gebäudetrakt am Stadioneingang „Tor 2“ hält sich die Mannschaft auch an den Trainingstagen während der Woche auf. Doch genau hier wurde aus der schönen Fußball-Romantik im Alltag zuletzt oft ein Problem: Vieles ist zu eng, und weil ein Fußballstadion räumlich begrenzt ist, lässt sich das auch nicht so einfach ändern.

Für Kohfeldt ein Dilemma – aber kein Hindernis bei seinem Bestreben, Werder fit für die Zukunft zu machen. Die Infrastruktur rund um die Kabine gehört für den Trainer zu den „vielen kleinen Dingen, wo der Verein noch besser werden kann“. Deshalb geben sich in diesen Tagen die Handwerker an „Tor 2“ die Klinke in die Hand. „Im Inneren des Stadions wird in diesem Sommer schon einiges umgesetzt“, verrät Kohfeldt.

Moderner Besprechungsraum

Dabei wird nicht angebaut, sondern umgebaut. Die Baupläne sehen vor, den Kraftraum zu erweitern und einen modernen Besprechungsraum für die Mannschaft zu errichten, in dem das Trainerteam Sitzungen und Videoanalysen mit den Spielern abhalten kann. „Bisher haben wir für die Mannschaftssitzung den Raum der Pressekonferenz genommen“, sagt Kohfeldt, der damit nie zufrieden war: „In so einen Raum Atmosphäre hineinzubekommen, war schon schwierig. Mir schweben einige Dinge vor, die wir nun besser machen wollen.“

Für Einzelgespräche mit den Profis nutzte er bisher das Trainerbüro. Ein modern ausgestatteter Sitzungsraum bietet jedoch viel bessere Möglichkeiten für eine Individualanalyse oder eine auf den Spieler zugeschnittene Trainingsauswertung, um etwa gemeinsam Videosequenzen anzusehen oder bessere Laufwege aufzuzeigen. Zudem können die bei den Spielern beliebten Tischtennisplatten oder Dartscheiben nun im Kabinentrakt besser zu Geltung kommen, um die Freizeitgestaltung der Profis in den Wartezeiten zwischen den Trainingseinheiten, dem Essen oder einer Behandlung abwechslungsreicher zu gestalten.

Trainingsraum für Kognition

Eine optimale Lösung werde es für all das im Stadion aber nie geben, weiß Kohfeldt, „denn dafür sind wir hier räumlich einfach zu begrenzt“. Im Zusammenspiel mit Sportchef Frank Baumann wolle man „trotzdem versuchen, das Bestmögliche zu erreichen“. Dazu gehört auch ein Teilumbau in einem oberen Geschoss. Zwei Stockwerke über der Kabine entsteht gerade ein Trainingsraum für Kognition. Natürlich weiß auch Werders Chefcoach, dass Veränderungen im Kader oder bei der Spielweise für Fans und Medien viel offensichtlicher sind, ihm ist aber dennoch wichtig, dass auch im neuen Kabinentrakt ein Rädchen ins andere greift: „Verbesserungen in diesen Bereichen bringen uns sehr schnell weiter. Es geht darum, ein paar grundsätzliche Ideen weiter zu denken und die kleinen Details zu verbessern, um die Entwicklung der Mannschaft voran zu bringen.“ So wie im vergangenen Jahr, als Werder einen fest angestellten Koch für die Profis engagierte.

Mit den Maßnahmen in diesem Sommer sind die Pläne noch keineswegs abgearbeitet. Auch außerhalb des Stadions würde Kohfeldt gerne Veränderungen anstoßen, hier hinterfragt er vor allem die Lage und die Beschaffenheit der Trainingsplätze. Bisher verfügt Werders wichtigster Trainingsplatz nämlich gar nicht über die Maße eines richtigen Fußballfeldes. Eine Lösung wäre, zwei nebeneinander liegende Plätze zusammenzulegen. Das ist aber schwierig bis unmöglich, weil auf dem einen derzeit Hybridrasen liegt, während nebenan Naturrasen wächst. Die zweite und bessere Möglichkeit wäre deshalb, den Trainingsplatz zu verlängern. Doch das wäre eine bauliche Herausforderung größeren Ausmaßes. Kohfeldt schwebt ein Kompromiss vor: zwei Plätze mit Hybridrasen. Derlei lässt sich jedoch nicht binnen weniger Wochen realisieren, nicht mal in einem Sommer. Deshalb genoss nun der Kabinentrakt Priorität, die Neustrukturierung der Trainingsplätze soll in den nächsten Jahren folgen.

Weiter Verbesserungspotential

Werders Trainer möchte trotz aller Ideen und Umbaupläne jedoch nicht den Eindruck erwecken, mit den Begebenheiten in Bremen unzufrieden zu sein. Mit Blick auf die Konkurrenten in der Bundesliga, die in den vergangenen Jahren teils in Millionenhöhe in ihre Infrastruktur investiert haben, betont er jedoch: „Wir haben noch Verbesserungspotential, auch wenn wir schon sehr ordentlich aufgestellt sind.“ Nur zeitlichen Druck, den habe Werder nicht: „Wir können es der Reihe nach so umsetzen, wie wir es für wichtig halten.“

Vielleicht sind die Bremer sogar im Vorteil gegenüber vielen Teams, die unter der Woche in Trainingszentren fernab der Stadien ihre Tage verbringen - emotional im Vorteil. „Ich bin ein großer Verfechter davon, im Stadion zu sein“, sagt Kohfeldt, „und auch unter der Woche die Kabine zu nutzen, die wir bei Heimspielen haben.“ Auch wenn die Räumlichkeiten und Möglichkeiten hier begrenzt seien, will Werders Cheftrainer „diesen Vorteil einer Kabine im Stadion um keinen Preis aufgeben“. Ein Zuhause ist eben ein Zuhause. Man kann es modernisieren oder umbauen. Aber den vertrauten Standortvorteil aufgeben, das braucht man nicht.

Frank1969 am 07.06.2019, 19:33
Das ist Werder pur!!! Man kann nachfühlen was Kohfeldt ausdrücken will, wenn man Werderfan ist und schon die Atmosphäre im und rund ums Weserstadion genießen durfte. Man fühlt sich sofort zuhause
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Altobelli am 07.06.2019, 20:29
Dem kann ich mich absolut anschließen!

In dieser Saison konnte ich Werder auch bei vielen Auswärtsspielen begleiten und wir haben in Deutschland bzw in der Bundesliga viele tolle Stadien.
Aber das Weserstadion hat einen ganz besonderen Charme. Alleine durch die Lage an der Weser und die Möglichkeit mit der Fähre anzureisen ist ein Besuch des Weserstadions ein Highlight.
Das höre ich auch immer wieder von Gästefans.
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