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Rasenreport
13.06.2019
Standpunkt zum Verkauf des Stadionnamens

Ein guter Deal - ganz nüchtern betrachtet

© nordphoto


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Innovativer Vorreiter ist der Hamburger SV schon lange nicht mehr – egal welchen Bereich man betrachtet. Früher, im Jahr 2001, war das noch anders. Damals sicherte sich erstmals ein Unternehmen die kommerziellen Namensrechte an einem Bundesliga-Stadion. Werders Erzrivale aus Hamburg spielte fortan in der AOL-Arena und brachte damit einen Trend aus dem US-Sport nach Deutschland. Mit der Zeit wurde der Trend zur Normalität. Von den 18 Bundesligisten der vergangenen Saison hatten 15 ihren Stadionnamen an ein Unternehmen abgetreten. Werder gehörte nicht dazu, hielt dem Vermarktungsdruck lange Stand, aber zieht jetzt nach und spielt in den kommenden zehn Jahren im „Wohninvest Weserstadion“.

Der Deal zwischen der Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS), die zu je 50 Prozent Werder und der Stadt Bremen gehört, und dem Immobilienunternehmen aus Baden-Württemberg ist offiziell. Rund 500 Werder-Fans demonstrierten einige Tage vor der Vertragsunterzeichnung gegen den Verkauf der Namensrechte. Verhindern konnten sie ihn nicht mehr. Die Proteste waren von Vornherein einkalkuliert.

Werder nimmt sie in Kauf – aus finanzieller Notwendigkeit. Die BWS muss für die Kredite der zwei großen Stadionumbauten aufkommen. Die Einnahmen aus den Heimspielen reichen dafür längst nicht mehr aus. Man bräuchte mehr als 17 Heimspiele pro Saison, doch zu lange schon laufen Europapokalpartien in Bremen eben nur im Fernsehen. Im vergangenen Jahr musste Werder bereits einspringen und eine Millionensumme zuschießen. Zusätzlich gewährte die Stadt der BWS ein Darlehen.

Künftig kommt das fehlende Geld von der Wohninvest Holding GmbH. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Namensrechte fließen somit zwar nicht direkt, aber immerhin indirekt in den Bundesliga-Kader und damit in die sportliche Konkurrenzfähigkeit. Wenn Werder weiterhin jährlich an die BWS überweisen müsste, würde dieses Geld schließlich an anderer Stelle fehlen.

Ein schwieriges Feld

Dennoch kann der Deal auch kritisch gesehen werden. Zum einen besitzen Immobilienfirmen in Zeiten von Wohnungsnot und Mietwucher nun einmal nicht den besten Ruf. Zum anderen gibt es regionale Firmen, die zweifellos besser zu Werder passen würden. Das Problem dabei: Keines dieser Unternehmen hatte Interesse am Kauf der Namensrechte. Ein Partner wie das Oldenburger Versorgungsunternehmen EWE, das die Rechte von 2008 bis 2018 besaß, ohne davon Gebrauch zu machen, besitzt eben Seltenheitswert.

Nachdem der Vertrag mit EWE ausgelaufen war, standen die Interessenten nicht Schlange. Der Verkauf der Namensrechte ist ein schwieriges Feld. Man bringt womöglich Fans gegen sich auf, und der Werbewert ist schwierig zu ermitteln. Bis sich der neue Name durchsetzt, dauert es sehr lange. Oft passiert das sogar nie. Im Sprachgebrauch heißt das Dortmunder Westfalenstadion schließlich immer noch Westfalenstadion – und nicht Signal Iduna Park. Auch das Weserstadion wird für die Bremer immer das Weserstadion bleiben.

Letztlich gab es nur diesen einen Interessenten. Und Werder stand vor der Frage, die drei Millionen Euro pro Jahr von Wohninvest zu nehmen oder auf die Einnahmen zu verzichten. Die Antwort war klar und folgerichtig. Werder ist in manchen Bereichen zwar etwas anders als die anderen Profiklubs, doch wenn es ums Geld und damit um die Konkurrenzfähigkeit geht, ist Werder ein Bundesligist wie jeder andere.

Eine kreative Idee

Für so manchen Fan ist das schwer zu akzeptieren. Die Bremer Ultra-Gruppen verweisen in einer gemeinsamen Erklärung darauf, dass es kreative Fanideen gegeben habe, um den Verkauf der Namensrechte zu verhindern. Es sollten Karten für ein fiktives Spiel verkauft werden, um Geld zu sammeln. Beim Drittliga-Absteiger FC Energie Cottbus läuft derzeit solch eine Aktion. 440.000 Euro hofft der Klub dadurch einzunehmen. Selbst wenn in Bremen mehr möglich wäre, hätte diese durchaus ehrenwerte Idee wohl kaum genügend Einnahmen gebracht.

Bei aller Emotionalität, die solch ein symbolhafter Ort wie das Weserstadion mit sich bringt, empfiehlt es sich, den Deal zwischen der BWS und Wohninvest nüchtern zu betrachten. Mit dem Erlös von drei Millionen Euro pro Jahr liegt Werder beim Verkauf der Stadion-Namensrechte im Ligavergleich im oberen Mittelfeld, das ist angemessen. Zudem verschwindet der Name Weserstadion nicht ganz. Es ist ein Zweckbündnis, das Werder finanziell weiterhilft und Wohninvest bekannter macht. Die meisten Fans werden damit leben können.

zentner530 am 13.06.2019, 19:16
Jetzt bitte nicht mehr heulen. Ich bin davon auch kein Fan, aber ändern geht auch nicht. Am meisten ärgert mich das die 30 Millionen nicht an den Verein gehen! Der Name Weserstadion bleibt ja für uns! Seht euch die anderen Stadions an die nicht soviel Glück hatten. Wir sind mehr Tradition als alle anderen......
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sefinho am 14.06.2019, 02:04
Das Geld geht schon in den Verein, bzw. stattdessen bleibt "anderes Geld" im Verein, das sonst vom Verein ins Stadion geflossen wäre...
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Shorty1899 am 14.06.2019, 09:14
Man muss sich halt im Klaren sein, dass das Geld bei uns nicht so locker sitzt, wie bei anderen Vereinen.
Ich halte die Lösung für sehr akzeptabel.
Und wie schon erwähnt wurde: Für uns wird es ja das Weserstadion bleiben. 👍🏻😉
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zentner530 am 18.06.2019, 19:09
Genau! Der Stadionname ist auch viel größer. Daran sieht man das den Verantwortlichen es wichtig war den Namen Weserstadion hervorzuheben. Andere Vereine haben da weniger Glück gehabt. Siehe Bayern, Dortmund usw. Die haben ihren alten ganzen Stadionname verloren! Wir sind Weserstadion.... Und Werder Bremen for ever👊
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