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22.11.2018
U23-Spieler Ronstadt vor dem Nordderby

Ein grün-weißer Hamburger

© nordphoto


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Der Hamburger Stadtteil Horn liegt im Osten der Stadt. Er gilt als grün und multikulturell. Gerade junge Leute wohnen gerne dort, weil es nicht weit ist bis ins Stadtzentrum. Bis zum Volksparkstadion ist es dagegen ein ganzes Stück, mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man fast eine Stunde. Der Hamburger SV ist also weit weg und daher auch nicht besonders präsent in Horn, wenn man Frank Ronstadt glauben kann. Der 21-Jährige spielt seit Saisonbeginn für Werders U23, ist in Hamburg geboren und im Stadtteil Horn aufgewachsen. HSV-Fan war er trotzdem nie. „Ich war natürlich mal im Stadion, sowohl im Volksparkstadion als auch am Millerntor, aber ich habe eher den FC Barcelona und die englische Premier League verfolgt“, erzählt Ronstadt im Gespräch mit Mein Werder.

Vor diesem Hintergrund betrachtet er seine fußballerische Vita ganz nüchtern, nichts Besonderes eben. So manch ein Fan dürfte das anders sehen. Ronstadt begann seine Laufbahn im Alter von fünf Jahren beim FC St. Pauli, wechselte neun Jahre später zum großen Stadtrivalen Hamburger SV und dann im vergangenen Sommer zu Werder, dem Erzrivalen des HSV. Ein bemerkenswerter Werdegang. Es scheint so, als hätte sich Ronstadt stets den größten Konkurrenten seines aktuellen Klubs ausgesucht und wäre dann dorthin gegangen. Natürlich war das nicht geplant, er sieht das ganz pragmatisch. „Bei Werder hat alles gestimmt, das Umfeld, das Team, der Trainer. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich in Bremen die nächsten Schritte machen kann. Und Werder ist ein sehr großer Verein“, erklärt Ronstadt seinen Wechsel im Sommer.

Also spielt er nun am Sonntag in seiner Heimat Hamburg, trägt dabei aber das grün-weiße Trikot, wenn die Bremer U23 zum Nordderby bei der U21 des HSV antritt (15 Uhr). „Bei mir herrscht absolute Vorfreude darauf, wieder auf meine alten Kollegen zu treffen. Man spürt im ganzen Team, dass wir sehr heiß darauf sind, dort die drei Punkte zu holen“, fasst Ronstadt die Stimmung zusammen.

Keine Angst vorm Pfeifkonzert

Der 21-Jährige gibt sich ganz entspannt, und das kann er wohl auch sein. Würde er in der Bundesliga im Volksparkstadion gegen den HSV für Werder auflaufen, wäre ihm ein Pfeifkonzert gewiss. Beim Spiel der Hamburger U21 auf dem Wolfgang-Meyer-Sportplatz dürfte es am Sonntag etwas beschaulicher zugehen. Ein Regionalliga-Spiel wie jedes andere sei die Partie trotzdem nicht, betont Ronstadt. „Natürlich ist es ein etwas anderes Spiel. Es ist ein Nordderby. Wir spielen gegen den HSV, das gibt es nicht so oft, in der ersten Liga zurzeit gar nicht.“

Für ihn kommt dazu, dass er die gegnerische Mannschaft sehr gut kennt. „Mit den meisten Spielern habe ich noch zusammengespielt. Ich kenne alle, kenne ihre Schwächen und Stärken“, sagt Ronstadt und lacht. Zuletzt hatte er viel Kontakt mit den alten Kollegen. „Wir reden einfach über das Spiel. Es geht darum, die anderen ein bisschen anzuspornen, und dann lässt man es auf dem Platz krachen“, schildert der Ex-Hamburger.

Als Kampfansage will Ronstadt das aber nicht verstanden wissen, er versteht sich gut mit den Ex-Mitspielern. „Die sind natürlich heiß, genauso wie wir“, sagt der Bremer. Tabellarisch sind die Verhältnisse eindeutig: Werders U23 ist Tabellenfünfter, die U21 des HSV kämpft als Tabellen-13. gegen den Abstieg. Im Hinspiel fertigten die Bremer den Erzrivalen mit 4:0 ab. Dieses Ergebnis nutze er aber nicht, um seine alten Freunde aufzuziehen, versichert Frank Ronstadt. „Wir wollen das nicht an die große Glocke hängen. Wir schauen auf das nächste Spiel und wollen wieder die drei Punkte holen.“

Verletzungsfrei bis in die Bundesliga?

Damit das klappt, bekommt Ronstadt am Sonntag besondere Unterstützung. Viele Freunde und Verwandte aus Hamburg kommen als Zuschauer. „Ich wurde jetzt schon mehrmals nach Tickets gefragt“, erzählt er. In einen Gewissenskonflikt geraten die Ronstadt-Unterstützer nicht, sie können ohne Bedenken Werder anfeuern. „In meiner Familie gibt es keine HSV-Fans. Mein großer Bruder ist Fan des FC Barcelona“, sagt Ronstadt, der sich davon als Kind anstecken ließ. Heute ist sein großes Ziel natürlich trotzdem die Bundesliga. Beim HSV war Ronstadt schon einmal recht nahe dran am Profi-Kader, als der Trainer noch Bruno Labbadia hieß. Er durfte im Sommer 2016 mit ins Trainingslager im schweizerischen Graubünden, trainierte danach regelmäßig mit den Profis, den Sprung in die Bundesliga schaffte er aber nicht.

Natürlich hofft Ronstadt, dass ihm dies nun bei Werder gelingt. „Für jeden jungen Spieler bei uns ist es ein Ansporn, irgendwann im Weserstadion zu spielen.“ Im Testspiel der Profis gegen den VfL Osnabrück (2:1) durfte Ronstadt schon eine Halbzeit lang mitmischen. „Man hat sehr viele gute Spieler neben sich. Da ist es nicht schwer, hineinzufinden. Die nehmen einen halt mit, und dann muss man selbst mutig sein“, sagt er.

Was seine Ambitionen angeht, ist der 21-Jährige allerdings vorsichtig geworden. Beim HSV warfen ihn einige Verletzungspausen aus der Bahn. Für seine Zeit bei Werder hat sich Ronstadt daher erst einmal bescheidene Ziele gesteckt. „Ich möchte eine Saison stabil durchspielen, ohne verletzt zu sein. Ich kann ja nicht sagen, dass ich unbedingt oben spielen will. Das lässt sich schwer planen“, sagt er. „Natürlich ist es ein etwas anderes Spiel. Es ist ein Nordderby. Wir spielen gegen den HSV, das gibt es nicht so oft, in der ersten Liga zurzeit gar nicht.“

Bislang hat er die Saison verletzungsfrei überstanden. 17 Einsätze und vier Torvorlagen stehen in Ronstadts Statistik. In Werders U23 ist er somit Stammspieler und profitiert dabei von seiner Vielseitigkeit. Er kann Rechtsverteidiger, im Mittelfeld oder wie beim jüngsten Sieg gegen Norderstedt auch im Sturm spielen. Eine Wunschposition habe er nicht, sagt Ronstadt. Gut möglich, dass er gegen den HSV wieder als Angreifer aufläuft. Ronstadt wartet auch noch auf seinen ersten Treffer für Werder, am Sonntag wäre ein guter Zeitpunkt dafür.

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