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Rasenreport
07.02.2019
Kohfeldt winkt Luxusproblem im Sturm

Ein Fall für Sechs

© nordphoto


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Dass eine Mannschaft mit so vielen Rückkehrern auf dem Platz Comeback-Qualitäten zeigt, klingt logisch. Schon vor 20 beziehungsweise zwölf Jahren spielten Claudio Pizarro und Martin Harnik für Werder im DFB-Pokal. Pizarro debütierte mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen den 1. FC Kaiserslautern, Harnik schoss Werders zweite Mannschaft, die damals noch an der Hauptrunde teilnehmen durfte, nach einem Rückstand gegen den 1. FC Köln in die Verlängerung. Dass die beiden Routiniers am Dienstag im Dortmunder Westfalenstadion gleich zweimal noch den Ausgleich schafften, war aber fast schon kitschig.

Während Pizarro seinen fünften Platz in der ewigen Torschützenliste des Pokals festigte, rückte Harnik mit seinem 21. Treffer im 26. Einsatz in die Top 20 vor – eine Leistung, die sein Trainer so nicht auf dem Schirm hatte. Gegen Wormatia Worms in der ersten Runde hatte Harnik gefehlt, gegen Weiche Flensburg in der zweiten Runde hatte er zweimal nach seiner Einwechslung getroffen und nun eben einmal in der 119. Minute gegen Borussia Dortmund. „Dann wird das nichts mit der Startelf im Pokal“, scherzte Florian Kohfeldt angesichts der starken Joker-Bilanz Harniks, der in den ersten drei Bundesligaspielen der Rückrunde noch zur Startelf gezählt hatte. Auch das zwischenzeitliche 1:0 besorgte ein Stürmer, Milot Rashica hielt erfolgreich die Fußspitze in Max Kruses Freistoß. Noch immer hat Werder nicht den alles überragenden Knipser und wird ihn in dieser Saison auch nicht mehr bekommen. Doch die Vielseitigkeit und vor allem Vielgesichtigkeit des Bremer Angriffs wird immer mehr zu einem wichtigen Faktor. In Josh Sargent und Yuya Osako standen zwei Spieler, die in dieser Saison schon Eindruck hinterlassen haben, nicht einmal im Kader. Während Osako gegen den FC Augsburg am Sonntag sein Kader-Comeback nach der Asien-Cup-Reise feiern dürfte, hatte sich Kohfeldt die Entscheidung bei Sargent am Dienstag nicht leicht gemacht.

Kohfeldt will Sargent nicht verbrennen

Der US-Amerikaner war als 19. Mann mit nach Dortmund gereist und war nach dem letzten Elfmeter mit seinen roten Locken in der Bremer Jubeltraube nicht zu übersehen. „Er war einer der Ersten, die mir um den Hals gefallen sind“, sagte Kohfeldt. „Josh hat die Entscheidung überragend mitgetragen, für einen 18-Jährigen ist das nicht so leicht.“ Ursprünglich sollte Sargent gar nicht mitkommen, er hatte leichte Probleme an der Hüfte, aber Rashica war ebenfalls nicht zu 100 Prozent fit gewesen. Also ging Kohfeldt auf Nummer sicher. „Es ist bei Josh ja nicht nur die Spielzeit, sondern auch der mentale Stress. Das kennt er noch nicht so“, sagte der Trainer, der seinen Jüngsten auf keinen Fall verbrennen will.

Im bisherigen Verlauf der Rückrunde schien Sargent, der in zwei Wochen seinen 19. Geburtstag feiert, in der Stürmer-Hierarchie am 40-jährigen Pizarro vorbeigezogen zu sein. Vor Weihnachten hatte Sargent drei Kurzeinsätze mit zwei Toren gekrönt und einen Hype ausgelöst. Nach der Winterpause bekam Sargent 76 Minuten als Joker, während Pizarro nahezu leer ausging. Doch der wahnsinnige Pokalabend in Dortmund rief wieder mal in Erinnerung, dass jeder Tag, an dem Pizarro abgeschrieben wird, einen Tag zu früh kommt.

„Ich hatte das Gefühl, dass wir ständig in den Strafraum kommen. Da ist er trotz seines Alters immer noch eine Granate“, sagte Kohfeldt über die Einwechslung des Peruaners zu Beginn der Verlängerung, verbunden mit der mutigen Herausnahme des Sechsers Philipp Bargfrede. Vorne sollte eine Kombination aus Schnelligkeit (Harnik) und Ballsicherheit her. „Ich glaube, viel ballsicherer als Claudio geht es nicht“, sagte Kohfeldt, was Pizarro mit einem geschmeidigen Lauf, in dem er Neuner, Zehner, Sechser zugleich war, sofort unter Beweis stellte. Wie er dann in der 108. Minute den abgefälschten Pass von Kevin Möhwald in einer Bewegung annahm und über die Linie drückte, glich einem Gemälde. Oder wie Kohfeldt sagte: „Weltklasse kannst du nicht weglügen.“ Mehr als sieben Millionen Zuschauer haben Pizarros Tor gesehen, was die Zahl der Huldigungen in den sozialen Netzwerken zusätzlich explodieren ließ.

Beinahe hätte es trotzdem nicht fürs Elfmeterschießen gereicht. Werder regte sich über ein Dortmunder Handspiel vor dem 3:2 so sehr auf, dass Schiedsrichter Felix Brych gut und gerne eine Gelbe Team-Karte hätte verteilen können. „Aber Hanno hat das Ding mit seinem komisch geformten Kopf noch reingemacht, dann war alles gut“, resümierte Kohfeldt. Die 53 Einsatzminuten zuvor waren weitgehend an Harnik vorbeigelaufen. „Er konnte die Sprints nicht richtig anziehen“, sagte Kohfeldt. Nun müsse man schauen, wie es sich bis zum Wochenende entwickle.

Sechs Stürmer-Tore in vier Spielen

Die Kehrseite der Bremer Stürmer-Vielfalt ist eben auch, dass fast keiner von ihnen Woche für Woche durchspielen kann. Aber neben Harnik, Pizarro, Rashica, Sargent und Osako hat Werder ja noch Johannes Eggestein, der nach seiner Einwechslung in der 114. Minute diesmal nur eine Nebenrolle übernahm. Als es kurz vor Schluss endgültig auf ein Elfmeterschießen hinauszulaufen schien, kam jedoch auch Eggestein noch einmal gefährlich an den Ball. Der 20-Jährige hatte zuletzt in Nürnberg nach seiner Einwechslung getroffen. Sechs der sieben Werder-Tore in diesem Jahr haben Stürmer erzielt: zweimal Rashica, zweimal Harnik, einmal Pizarro, einmal Eggestein. Allen Wehwehchen und Einschränkungen zum Trotz kann sich Florian Kohfeldt derzeit nicht über seine Auswahl beklagen.

Nomolas am 07.02.2019, 20:46
Mal abgesehen davon, dass ich glaube jeder der offensiven Spieler hat seine ganz speziellen Fähigkeiten - und damit passt auch zu jedem Gegner eine andere Formation im Sturm - bin ich froh, dass wir einen kompetenten Trainer haben, der schon die richtigen aufstellen wird. 😉
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Trooper am 07.02.2019, 20:52
Die Kunst ist es, alle Spieler bei Laune zu halten. Und in Form. Bisher scheint er das ganz gut zu moderieren, der Kohfeldt.
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