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17.04.2019
Gnabrys Entwicklung bei Bayern

Die Zukunft ist jetzt

© nordphoto


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Der Bayerische Fußball-Verband versucht es ab dem Sommer mit einem Pilotprojekt, dem die anderen Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes alsbald folgen sollen. Bei den ganz Kleinen in der G- und F-Jugend wird die Alternative Funino angeboten, ein Spiel drei gegen drei auf vier kleinere Tore, mit Schusszonen und ohne Torhüter. Es gibt ein paar Gründe gegen den Vorstoß des BFV und ein paar sehr triftige dafür, unter anderem erhöht sich beim Funino die Zahl der Ballkontakte pro Spieler dramatisch und demnach auch die Zahl der Dribblings.

Viel weiter oben, im Hauptsegment des deutschen Fußballs, ist das als einer der Gründe für die aktuelle Delle im Verband und bei den deutschen Vorzeigeklubs ausgemacht worden. Es gibt keine Dribbler und Fummler mehr in diesem großen Land, dabei ist diese Spezies im durchanalysierten Spiel der Neuzeit doch so wichtig: Kreativität kennt keine Grenzen.

Beim FC Bayern hat zehn Jahre lang Arjen Robben das Limit vorgegeben. Der Niederländer hat sieben Meisterschaften und vier Pokalsiege mit den Münchenern gefeiert und die Bayern zum Triumph in der Champions League geschossen. Robben wurde in München zum besten Rechtsaußen der Welt und schon längst zur Ikone.

Diese Saison sollte seine letzte große Saison bei den Bayern werden mit allem Drum und Dran, vielleicht sogar einem letzten Angriff dieser welken Mannschaft auf die Königsklasse. Und in Robbens übergroßem Schatten sollte sich sein Kronprinz langsam an die Gepflogenheiten in München gewöhnen.

Einer der wichtigsten Spieler

Als die Bayern Serge Gnabry im Sommer 2017 bei Werder Bremen auslösten, ging der Wechsel in der Öffentlichkeit fast unter. Bei deutlich über 100 Millionen Euro Transferausgaben waren die acht Millionen für Gnabry ein Kleckerbetrag, den in Deutschland nahezu unbekannten Corentin Tolisso ließen sich die Bayern fünfmal so viel kosten. Und als der Rekordmeister dann keine Verwendung hatte für Gnabry und den Spieler weiterschickte nach Hoffenheim, war das Urteil schnell gefällt: Gewogen und für deutlich zu leicht befunden für die großen Bayern.

Die Skepsis blieb auch vor dieser Saison und trotz der Empfehlung von 18 Scorerpunkten in 22 Bundesligaspielen für Hoffenheim. Nur die wenigsten dürften Gnabry eine große Rolle bei den Bayern zugeschrieben haben - in der Endphase dieser überaus holprigen Saison ist der 23-Jährige aber einer der wichtigsten Spieler beim Rekordmeister.

Alles dem Beruf untergeordnet

Robben ist seit Monaten verletzt, der Haudegen durfte seinen Stempel nicht noch ein weiteres Mal aufdrücken. Gnabry hat die Gunst der Stunde genutzt und sich bei den Bayern vom gefühlten Kaderplatz 16 oder 17 nicht nur in die Stammelf gespielt, sondern zum Mann der wichtigen Tore entwickelt. Unter anderem Werder musste dies bei der 1:2-Niederlage in der Hinserie leidvoll erfahren, Gnabry schoss im Weserstadion beide Tore für die Bayern.

Er hat mit Bedacht die kleinen Schritte gewählt nach seiner Rückkehr aus England. Der Sprung vom VfB Stuttgart zum FC Arsenal war enorm und der Spieler noch sehr jung an Jahren. Deshalb erst Werder, dann Hoffenheim und nun erst die Bayern. Gnabry hat sich zwei Jahre lang in Form gebracht für die große Aufgabe in München und das auf vielen Ebenen.

Er hat seine Ernährung und sein Schlafverhalten umgestellt, betreibt zur schnelleren Regeneration Yoga, in Bremen arbeitete er vertrauensvoll mit Lars Lienhard zusammen. Dessen Neuroathletiktraining verbesserte Gnabrys Motorik und Handlungsschnelligkeit und beugte seiner latenten Verletzungsanfälligkeit besser vor. Außerdem spielt er seit einiger Zeit Klavier, das fordere das Gehirn, sagt er.

Gnabry achtet auf sich und seinen Körper, er hat verstanden, dass er mit seinem Kapital sehr pflegsam und vorsichtig umgehen muss. „In den letzten zwei Jahren habe ich viel dazugelernt und habe viel anders gemacht“, sagt Gnabry. Der Spieler hat seine Hausaufgaben gemacht und davon profitiert, dass in seinen Mannschaften einiges im Umbruch ist.

Schnell, geradlinig, dibbelstark

Die Bayern haben sich über die Jahre sukzessive vom Guardiola-Fußball wegbewegt, unter Niko Kovac wird mittlerweile direkter gespielt, dynamischer, mehr über die Flügel, mit Einzel- und Umschaltaktionen, Dribblings und Fernschüssen. Das kommt Gnabry und dessen Qualitäten sehr zu Gute. Das in vieler Hinsicht verstörende Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat schonungslos offengelegt, wie fahrlässig im deutschen Fußball einige Trends verschlafen wurden.

„Serge ist schnell, geradlinig und kann ins Eins-gegen-Eins gehen. Das kann den Unterschied ausmachen. Man braucht in der heutigen Zeit Spieler, die schnell und dribbelstark sind“, sagt sein Vereinstrainer Niko Kovac. Bei den Bayern bringt das auf dem Flügel noch Kingsley Coman mit ein, in der Nationalmannschaft ist es Leroy Sane. Die Konstante in beiden Mannschaften verkörpert Serge Gnabry. Seinem Münchener Teamkollegen Thomas Müller hat er den Platz bei Joachim Löw weggenommen - vor der WM ein nahezu undenkbares Szenario.

Gnabry verkörpert die Zukunft

Gnabry ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die Begleitumstände passen und er selbst istb verletzungsfrei und frei im Kopf. Nach der schweren Zeit in London wolle er einfach wieder unbelastet Fußball spielen, hat er nach seiner Rückkehr nach Deutschland mal erzählt. „Das treibt mich an.“ Vielleicht ist es aber auch die Aussicht auf den ersten Titel seiner noch jungen Karriere. Bei den Bayern ist er neben dem ehemaligen Schalker Leon Goretzka der einzige Spieler im Kader, der noch keine Meisterschaft gefeiert hat.

Und er ist der Prototyp jenes Spielers, der in Zukunft in Deutschland wieder verstärkt ausgebildet werden soll. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis die ersten Funino-Kicker in der Nationalmannschaft landen. Bis dahin gelten Spieler wie Leroy Sane und Serge Gnabry als die Rollenmodelle, sie verkörpern die Zukunft im Hier und Jetzt.

jamal0781 am 17.04.2019, 19:04
Hauptsache er rührt nicht gegen uns.Wir werden ihm das Süppchen versalzen😁
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Sweetwater am 18.04.2019, 11:44
Bestimmt wird Werder das tun, weil die Bayern ja mit verbundenen Augen antreten müssen...
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