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Rasenreport
13.01.2019
Trainingslager-Fazit

Die Souvenirs aus Südafrika

© nordphoto / Kokenge


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Das Training

Theodor Gebre Selassie ging erschöpft in die Knie, Luca Plogmann sammelte die Bälle ein – die elfte und letzte Einheit hatte neun Feldspieler und drei Torhüter noch einmal überraschend gefordert. Während die Profis mit langen Einsatzzeiten im Testspiel am Vortag gegen die Bidvest lediglich im Hotel ausradelten, brachen ihre weniger beanspruchten Kollegen bei mehr als 30 Grad auf dem Trainingsplatz des Randburg FC den Temperaturrekord der Reise. Geschont hat Florian Kohfeldt seine Mannschaft allenfalls an den Tagen, an denen Termine abseits des Sports anstanden. Ob sich das Training 1.700 Meter über dem Meeresspiegel positiv auf die Kondition auswirken wird, darauf wollten sie sich bei Werder selbst nicht festlegen. Auf dem Hinflug saßen immerhin deutsche Leichtathleten mit im Flieger – auf dem Weg ins Höhentrainingslager.

Mit dem Ball hat Kohfeldt sein Programm problemlos durchziehen können. „Es sind einige inhaltliche Sachen wirklich vorangegangen bei uns, zum Beispiel das Verhalten im Strafraum auf beiden Seiten“, resümierte der Trainer. Werder will im letzten Drittel gefährlicher werden und hinten vor allem Konter besser absichern. Darüber hinaus dürften Standardsituationen gerne mehr Ertrag bringen. In Südafrika durften sich vor allem Milot Rashica und Nuri Sahin als alternative Eckenschützen probieren. Allerdings schränkte Kohfeldt seine positive Bewertung selbst mehrfach ein: Entscheidend ist nur, was am Sonnabend in Hannover passiert. Dass Werder dort auf jeden Fall 2:0 gewinnt und ein Tor aus einer Ecke resultiert, lässt sich nur schwer aus dem Verlauf des Trainingslagers ableiten.

Die Spiele

Zu den elf Trainingseinheiten kamen 140 Testspielminuten. In den ersten 50 gegen die Kaizer Chiefs, mehr ließ das Wetter nicht zu, standen Werder drei Dinge im Weg: der Rasen, die Müdigkeit und Werder selbst. Johannes Eggesteins 1:0 war noch am relevantesten, weil es die hübsche Schlagzeile „Johannes trifft in Johannesburg“ ermöglichte. Der zweite Test gegen die Bidvest Wits hielt sich zuallererst an die Sepp-Herberger-Weisheit, dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert. Guten Fußball streute Werder gegen eine B-Elf des südafrikanischen Tabellenführers phasenweise ein, Gewinner beim 2:2-Unentschieden waren Doppel-Torschütze Max Kruse, Nuri Sahin und Milot Rashica. Das Adjektiv „ordentlich“ wurde mehrmals benutzt, was in der Schule wohl nicht besser als die Note 3 wäre.

Die Bedingungen

In Deutschland war zwischenzeitlich der Eindruck entstanden, Werders Trainingslager in Südafrika werde regelrecht weggeblitzt und weggeregnet. Dabei hat es in zehn Tagen unterm Strich fünfmal gewittert. Nur einmal war Werder direkt betroffen beim abgebrochenen Testspiel, einmal indirekt, als die Mannschaft auf einen Trainingsplatz der Bidvest Wits umziehen musste, um den angestammten zu schonen. Behindert hat der Rasen die Bremer letztendlich nicht bei ihrer Arbeit, ernsthaft verletzt hat sich niemand. Wenn am Dienstag die Vorbereitung auf Hannover beginnt, ist lediglich Florian Kainz fraglich.

Werder wohnte in Randburg, der feinen, fast schon kalifornisch angehauchten Vorstadt von Johannesburg, in einem Fünf-Sterne-Hotel mit angeschlossenem Golfplatz. Claudio Pizarro freute sich, als ihm die südafrikanische Golf-Legende Ernie Els über den Weg lief. Die Spieler wohnten in Apartmenthäusern mit jeweils vier Zimmern – verblüffend viele Profis betonten, dass ihr Haus sicherlich zu den ruhigeren zähle. Wie die meisten Grundstücke in der Gegend war auch das Areal des Mannschaftshotels aus Sicherheitsgründen eingemauert und eingezäunt.

Die Termine

Man musste die Heile-Welt-Blase in Randburg schon bewusst verlassen, um die gegensätzlichen Facetten Südafrikas zu erleben. Das tat der Werder-Tross vor allem mit dem Besuch des Apartheid-Museums und des Townships Diepsloot. Dort herrschen Lebensverhältnisse, wie sie einige Spieler vielleicht noch nie zuvor gesehen hatten. Ein sogenanntes Safe-Hub – ein eingezäunter Kunstrasenplatz mit Baracken daneben – soll Kindern zumindest temporär eine sichere Ausflucht ermöglichen. Die Werder-Profis wurden zum Tanzen und Fußballspielen eingeladen und zwischenzeitlich war nicht klar, ob sie oder die Kinder begeisterter bei der Sache waren. Florian Kohfeldt stellte fest, dass der Besuch etwas ausgelöst habe bei seinen Spielern. Dagegen stellte der Empfang in der Residenz des Botschafters in Pretoria zwangsläufig eine Rückkehr in die Heile-Welt-Blase dar – allerdings eine sehr stimmungsvolle.

Die Medienpräsenz

Aufsichtsratschef Marco Bode machte keinen Hehl daraus, dass er auch als Werbeträger die Reise nach Südafrika angetreten hatte. Werders ehemaliger Rekord-Torschütze debütierte 1995 bei einem Spiel in Johannesburg für die deutsche Nationalmannschaft – und musste mehrmals die Geschichte zum Besten geben, wie Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela damals eine verblüffende Ähnlichkeit Bodes mit Steffi Graf feststellte. Der 49-Jährige war unter anderem zu Gast in seiner Sport-Talkshow, die laut Werder sieben Millionen Leuten gesehen haben sollen. Hinzu kamen Medientermine in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), in deren Namen der Verein schließlich in Johannesburg weilte.

Doch die Südafrikaner scheinen mit dem Anfeuern ihrer Lieblingsteams wie den Kaizer Chiefs und den Orlando Pirates gut ausgelastet zu sein. Läuft ausländischer Fußball im Fernsehen, hat die Premier League die Nase klar vorn. Die Sportzeitschrift „Soccer Laduma“ druckte immerhin ein ganzseitiges Pizarro-Interview – das allerdings schon vor der Reise geführt worden war. Das Spannendste blieb dem südafrikanischen Publikum jedoch vorenthalten: Aufgrund einer Klausel im TV-Vertrag durften Werders Testspiele weder übertragen werden noch waren Zuschauer zugelassen. Nach Mein-Werder-Informationen wusste die DFL bei der Buchung der Reise nichts von diesem Umstand.


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