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Rasenreport
22.12.2018
Werders Schwäche in der Hinrunde

Die Sache mit der Cleverness

© nordphoto


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Man kennt das ja, im Nachhinein ist man irgendwie immer schlauer. Als Werder in Leipzig das 2:2 erzielt hatte, wäre es durchaus nachvollziehbar gewesen, wenn die Mannschaft nach dem Kraftakt der Aufholjagd einfach mit voller Macht das eigene Tor verteidigt hätte, um den einen Punkt mitzunehmen. Das taten die Bremer aber nicht. Stattdessen spielten sie weiter auf Sieg, wollten unbedingt gewinnen – und standen am Ende mit leeren Händen da.

War das Risiko also zu groß? Hatte Florian Kohfeldt die falsche Entscheidung getroffen, indem er in der Schlussphase auch noch Claudio Pizarro einwechselte? „Wenn wir in der Phase noch drei Konter gefressen hätten, dann würde ich das so sehen“, sagte der Bremer Trainer. „Aber das dritte Tor fiel nach einem Einwurf. Also bitte.“ Und Kohfeldt schickte sofort die Begründung hinterher, warum ihn der Mut bis zum Schlusspfiff besser gefällt als ein planloses Einigeln. „Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte man außen genau in diesen Momenten das Gefühl, dass die Spieler mit dem Gedanken agieren: ,Oh, jetzt bloß nicht verlieren.‘ Ich glaube, dieses Gefühl ist mittlerweile weg – und das ist auch gut so.“ Oder wie es Kapitän Max Kruse ausdrückte: „Wir kommen hier nicht her, um Unentschieden zu spielen. Das ist nicht unsere Philosophie.“

Keine Zweifel am eingeschlagenen Weg

Und doch sind in dieser Hinrunde unterwegs einige Punkte verloren gegangen, die die Bremer nur zu gern eingesammelt hätten. Bei der Suche nach den Gründen griffen die Spieler immer wieder auf eine Vokabel zurück. „Irgendwann kann man einfach auch nicht mehr vom fehlenden Glück sprechen, sondern das ist einfach fehlende Cleverness“, urteilte Max Kruse. „Wir müssen lernen, noch cleverer zu sein“, sagte Maximilian Eggestein. Davy Klaassen drückte es ein wenig anders aus, der Kern blieb aber der gleiche: „Wir kreieren viel, treffen aber zu wenig. Ich habe nur wenige Spiele gesehen, in denen wir schlechter waren als der Gegner.“

Es ist zu spüren, Zweifel am eingeschlagenen Weg gibt es nicht. Späte Niederlage hin, verlorene Punkte her. „Das System und die Spielweise sind für uns das Wichtigste“, sagte  Klaassen. „Wenn das so bleibt, wird das andere auch kommen.“ Der Niederländer sprach damit seinem Trainer quasi aus der Seele, dem es bei aller Enttäuschung einmal mehr in beeindruckender Manier gelang, das Positive des Nachmittags in den Vordergrund zu rücken. „Dieses Spiel ist wiederum eine Bestätigung unseres Weges, mutigen, aber keinen Harakiri-Fußball zu spielen“, sagte er. „Das war eines unserer Ziele vor der Saison. Wir wollten offensiven Fußball spielen, aber trotzdem die Balance halten.“

Mehr als 22 Punkte in der Rückrunde das Ziel

Folglich werde jetzt nach der kurzen Weihnachtspause im Trainingslager in Südafrika an weiteren Details gefeilt – sowohl offensiv als auch defensiv. Der Traum von Europa, der lebt jedenfalls auch nach der Niederlage zum Jahresabschluss weiter. „Es muss einfach die Lehre aus der Hinrunde sein, dass wir für den Aufwand, den wir betrieben haben, viel zu wenig herausgeholt haben“, sagte Sportchef Frank Baumann. „Wir müssen noch effektiver vor dem Tor werden und hinten noch konsequenter unser Tor verteidigen. Das wird ein wichtiger Punkt sein, um in der Rückrunde wieder erfolgreicher zu sein.“

Dass dies gelingt, davon ist nicht nur er überzeugt. „Ich bin positiv gestimmt, dass wir mehr Punkte holen als in der Hinserie und dann unser Ziel auch erreichen werden“, sagte Kapitän Kruse. Verständlich, dass ihm da trotz der ärgerlichen Leipzig-Reise letztlich niemand widersprechen wollte.

Unser Spielbericht zu Werders 2:3 gegen Leipzig.

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