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29.03.2019
Warum Ujah sich auf das Weserstadion freut

Die Rückkehr des Retters

© imago


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Und plötzlich war da diese Bierflasche. Anthony Ujah gab gerade ein Interview in den Katakomben des Weserstadions, als ihm ein Getränk gereicht wurde. Der damalige Werder-Stürmer musste lachen. „Ich trinke nicht viel Bier“, sagte er in die Kamera von „Werder-TV“. „Aber heute ist das sch...egal.“ Dann setzte er die Flasche etwas unbeholfen an und nahm einen kräftigen Schluck. „Nur Party bis morgen, nicht schlafen“, gab Ujah anschließend das Motto für den Abend aus. Im Internet wurde der Videoausschnitt mit dem Bier ein kleiner Hit, weil er so kurios war und weil Ujah so etwas war wie das Gesicht eines großen Werder-Tages. Die Bremer hatten am 14. Mai 2016 durch einen 1:0-Sieg gegen Frankfurt am letzten Spieltag gerade so den Klassenerhalt geschafft. Eine ganze Stadt atmete einmal tief durch und verfiel dann in kollektiven Jubel.

Keiner jubelte dabei so schön wie Anthony Ujah. Nach dem entscheidenden Tor zwei Minuten vor dem Ende rannte er einfach los, riss sich das Trikot vom Leib und lief und lief. „Ich wusste nicht mehr, wo ich aufhören sollte“, gestand Ujah später. Der Stürmer ging in diesem Moment davon aus, dass er den historischen Treffer erzielt hatte. Gleiches galt für den damaligen Trainer Viktor Skripnik, der kurz nach dem Abpfiff pathetische Worte über Ujah fand: „Der Mann kann seinen Namen in Werder Bremens Historie schreiben.“

Tatsächlich hatte Papy Djilobodji jedoch Ujahs Schuss noch über die Linie gedrückt. Es ist eine Episode eines verrückten Tages voller Abstiegsangst und Rettungseuphorie. An diesem Tag hatte Ujah seinen bislang letzten Auftritt im Weserstadion. Kurz darauf ging er für eine Ablösesumme von 11,5 Millionen Euro nach China zum Liaoning FC. An diesem Sonnabend kehrt Ujah nun erstmals zurück an den Ort des Triumphes. Mit dem FSV Mainz 05 gastiert er in Bremen. Den 14. Mai 2016 hat der 28-Jährige natürlich nicht vergessen. „Ich erinnere mich ab und zu gerne an diesen Tag und die ganzen positiven Emotionen zurück“, sagt Ujah gegenüber Mein Werder.

Das Warten auf ein Tor

Damit ist dann aber genug mit den Sentimentalitäten. „Ich werde alles dafür tun, dass Mainz 05 als Sieger vom Platz geht“, betont Ujah. Auf 17 Bundesliga-Einsätze kommt der Nigerianer in der laufenden Saison, stand dabei jedoch nur viermal in der Startelf. Seine zwei Saisontore erzielte Ujah gleich am Anfang der Spielzeit, seit dem 15. September 2018 ist er ohne Treffer. Dass er derzeit nicht ganz zufrieden ist, liegt auf der Hand. „Ein Fußballer will immer spielen. Und ein Stürmer will immer Tore schießen – das ist doch klar“, sagt er. „Aber ich gebe immer 100 Prozent und in letzter Zeit bekomme ich auch wieder mehr Spielzeit – zuletzt auch von Beginn an.“

Nach drei Startelfeinsätzen erlebte Ujah die jüngste 0:6-Pleite bei den Bayern von der Bank aus, was seine Einsatzchancen gegen Werder eher verbessern dürfte. Zudem fühlt er sich wohl im Weserstadion. Elf Saisontreffer gelangen dem Angreifer in der Saison 2015/16 für Werder, auch wenn ihm dieses letzte, entscheidende Tor nicht gegeben wurde. Ujah beschwert sich deswegen nicht. „Die Statistiken führen Papy als Torschützen und mich als Vorbereiter. Das ist auch völlig in Ordnung so. Wichtig war, dass wir alle gemeinsam für diesen wichtigen Sieg gekämpft haben und alle zusammen feiern konnten“, unterstreicht er.

Als die Feierlichkeiten vorbei waren, kam dann ein lukratives Angebot aus China, das Werder und Ujah nicht ablehnen konnten. Sportlich hätte es für Ujah im Reich der Mitte besser laufen können, er stieg mit Liaoning aus der Super League ab. Bereut habe er den Wechsel dennoch nie, versichert er. „Es war eine sehr interessante Erfahrung für mich.“

Im Winter 2017 wollte Ujah dennoch unbedingt zurück nach Deutschland. Es gab auch Gerüchte um eine Rückkehr nach Bremen, auf die Ujah heute nicht mehr näher eingehen möchte. Der Angreifer landete letztlich in Mainz, bei dem Verein, für den er 2011 sein Bundesliga-Debüt gab. In der Rückrunde der vergangenen Spielzeit musste sich Ujah erst einmal wieder heranarbeiten. In dieser Saison sollte er voll durchstarten, doch inzwischen sind Spieler wie Jean-Philippe Mateta oder Robin Quaison deutlich treffsicherer. Florian Kohfeldt aber nennt immer noch den Namen Ujahs, wenn er über die Mainzer Stärken und die Wucht im Angriff spricht. Der jetzige Chefcoach war damals Co-Trainer, als Werder den Klassenerhalt am letzten Spieltag schaffte. Ujah sagt über ihn: „Florian Kohfeldt ist ein toller Trainer mit vielen guten Ideen. Sie spielen eine tolle Saison bis jetzt.“

Natürlich freut sich Ujah auf das Wiedersehen mit Kohfeldt – genauso wie auf Theodor Gebre Selassie und Claudio Pizarro, die 2016 ebenfalls dabei waren und zu denen er regelmäßig Kontakt hat. Das Spiel gegen Werder sei nun also etwas Besonderes für ihn, sagt Anthony Ujah. „Ich hatte eine tolle Zeit in Bremen und verbinde sehr viele schöne Erinnerungen damit.“ Ein enthemmter Sprint über den Platz und eine Bierflasche dürften in diesen Erinnerungen gewichtige Rollen spielen.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:


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