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25.01.2019
Türkei-Trainingslager der U23 und U19

„Die politischen Verhältnisse sind kritikwürdig"

© imago


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Viele Jahre war die Türkei im Januar Zentrum des deutschen Fußballs. Etliche Klubs der Bundesliga und 2. Liga bereiteten sich dort auf die Rückrunde vor. Beste Bedingungen, kurze Flugzeiten, angenehme Temperaturen und viele Testspielgegner lieferten gute Argumente. Doch dann kam der Militärputsch im Sommer 2016 und die heftigen Reaktionen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, der Richter, Beamte und Kritiker verhaften ließ. Die Veränderung des politischen Klimas hatte Auswirkungen bis in den deutschen Fußball, Trainingslager in der Türkei sind seitdem tabu.

Werders U23 reist nun dennoch nach Belek an die türkischen Mittelmeerküste, um sich dort gemeinsam mit der U19 auf die Rückrunde vorzubereiten. „Bei der Planung und Organisation haben wir die Aspekte Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur, Sicherheitslage und politische Situation berücksichtigt und abgewogen„, sagt Mediendirektor Michael Rudolph auf Nachfrage. Am Ende haben die sportlichen Aspekte die gewichtigste Rolle gespielt. “Die sportlichen Voraussetzungen stehen in der Türkei außer Frage, das wissen wir auch aus unseren Erfahrungen durch zahlreiche Trainingslager mit den Profis„, sagt Rudolph. „Die Sicherheitslage in der Mittelmeerregion hat sich zudem in den vergangenen Monaten beruhigt.“

Es ist ein schmaler Grat für den Klub, das ist den Verantwortlichen bewusst: „Wir wissen, dass die politischen Verhältnisse kritikwürdig sind und distanzieren uns davon„, sagt Rudolph. „Wir sind aber überzeugt, dass der Aufenthalt unserer Ausbildungsteams aus unserer Sicht keine Bühne bietet, um einen solchen Besuch öffentlichkeitswirksam zu missbrauchen.“

Spanien oder Portugal wohl zu teuer

Werder hatte zuletzt keine Scheu, politisch Stellung zu beziehen. Präsident Hubertus Hess-Grunewald distanzierte sich von der AfD. „Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen", sagte Hess-Grunewald in einem Interview mit Mein Werder. Ein Zitat, das bundesweit für Aufsehen sorgte und das Profil des Klubs schärfte.

Viele bei Werder haben Magenschmerzen aufgrund der Reise in die Türkei. Noch immer gibt es Warnungen durch das Auswärtige Amt. „In den letzten beiden Jahren wurden vermehrt auch deutsche Staatsangehörige willkürlich inhaftiert", heißt es in den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen zur Türkei. Es wird empfohlen, sich von politischen Veranstaltungen und größeren Menschenansammlungen fernzuhalten. Werder weiß das, aber Spanien und Portugal seien als Trainingslager für zwei Mannschaften nicht zu finanzieren, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Und darum geht es jetzt in die Türkei.

Toto am 25.01.2019, 16:32
Klasse, Geld sparen aber es einem Despoten (Diktator) in den Rachen werfen.
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alanya_fuchs am 25.01.2019, 16:59
Sie kritisieren die Falschen.
Fangen Sie bei unserer Regierung und deren Lobbyisten an. Es wurde bis heute versäumt Gelder und Kredite für die Türkei zu streichen. Der Handel blüht wie vor 5 Jahren. Waffenlieferungen werden immer noch durchgewunken.
Warum sollen Sportvereine oder Touristen die Türkei boykottieren, wenn unsere Regierung die einfachsten Maßnahmen nicht hinbekommt.
Die Mittelmeerregion war noch nie eine Risikoregion und die Reisewarnungen sind ziemlich allgemein gehalten.
Sicher gibt es in der Türkei viel zu kritisieren, aber der SV Werder oder Jan Müller als Tourist werden das nicht ändern. Die großen Gelder, die die türkische Wirtschaft am Laufen halten fließen woanders.

Die türkische Bevölkerung ist nicht unser Feind.
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WERDER2016 am 25.01.2019, 18:31
Sie sprechen mir aus der Seele. Wenn es nur die Türkei wäre. Waffenlieferungen gehen auch nach Saudi Arabien und Afrika ....... .
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alanya_fuchs am 25.01.2019, 19:34
Wenn ich das noch ergänzen darf:
Italienische und spanische Banken haben der Türkei so viel Geld geliehen, das bei einem türkischen Wirtschaftszusammenbruch diese Banken mit Totalverlust von der EU gerettet werden müssen, um eine neues EU-Bankendesaster zu vermeiden.
Wir sollten lieber dafür sorgen, dass die Türkei so viel Geld einnimmt, dass sie wenigstens ihre Devisenschulden bezahlen kann.
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Tagenbaren01 am 25.01.2019, 20:02
Haltung zeigen ist etwas, was unabhägig davon ist, was die Politik, der SV Werder oder "Jan Müller" meint oder nicht.
Dass "die Politik" (bewusst Gänsefüßchen, da arg diffus) anders handelt, bedeutet nicht, dass ich, "Jan Müller" oder Werder Haltung zeigt/nicht zeigt. Immer fein nach dem Motto "soll die Politik erst einmal vormachen, ja dann, dann turne ich auch mit.", oder wie?
Man kann eindeutig Position beziehen, also Haltung zeigen. Oder man sagt, es ist mir egal. Dazwischen ist nur ein Prozess, der in Nebulösen bleibt. Und, natürlich, muss ich nicht zu allem eine klare Kante aufzeigen.
Werder allerdings hat sich klar positioniert und hat nun ein Argumentationsproblem. Dazu braucht es nun wieder Haltung.

Dein lezter Satz ist, wie ich es nenne, eine Jolly-Joker-Argumentation und häßlich. Deine unterstellten Feinde kenne ich nicht.
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alanya_fuchs am 25.01.2019, 22:24
Tagenbaren01 am 25.01.2019,
Man kann eindeutig Position beziehen, also Haltung zeigen.

Die demokratischen Kräfte, die immerhin 48% der Wähler ausgemacht haben, zu unterstützen ist aus meiner Sicht die wichtigere Art Haltung zu zeigen.
Man darf den Despoten dieser Welt nicht das Feld wehrlos überlassen. Es gibt immer eine Zeit danach.
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Greenkeeper10 am 25.01.2019, 16:51
Wirklich nicht nachvollziehbar aber halt Werder verkaufen die Leute für blöd dann doch kein Trainingslager wäre besser
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Netzorath am 26.01.2019, 12:07
Dadurch, dass „die Politik“ sich, wie beschrieben, unsäglich verhält, wird es nicht besser, sich als Bundesligaklub in diesem Land vorzubereiten. Man kann gleichwohl ein Zeichen setzen, wie es ja auch von anderen Klubs geschieht. Und ich sehe nicht, inwieweit man mit dieser Vorbereitung die türkische Bevölkerung unterstützt, die selbstverständlich nicht unser Feind ist, und zwar nicht nur , was die 48% angeht. Es sind doch allenfalls ein paar Hoteliers, die profitieren.
Das ist ja immer wieder zu beklagen, dass die wirtschaftlichen Gründe höher bewertet werden als alles andere. Bei Werder leider nicht anders. Insofern kritisiert Toto nicht die Falschen, Klubs wie Werder gehören genauso kritisiert für diese Nichthaltung wie die genannten Regierungen.
Der „wiesenhof-Klub“ macht es einem nicht leicht, das muss ich schon sagen.
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