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Rasenreport
03.12.2018
Klaassen, Moisander, Kruse und Co.

Die Krise der Führungsspieler

© nordphoto


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Fußball ist ein Mannschaftssport. Aber was tun, wenn über die Hälfte der Mannschaft außer Form ist? Ein gewichtiger Grund für die schwarze Serie, die Werder gerade hinlegt, sind die Profis, die sich nicht in bester Form befinden. Ein Punkt von 15 möglichen aus den vergangenen fünf Spielen, da lässt sich das Wort Krise nicht einmal mit viel Wohlwollen vermeiden. Es ist zugleich die Krise etlicher Führungsspieler.

„Wir leben vom Kollektiv, ich will die aktuelle Situation nicht an einzelnen Spielern festmachen“, sagt Frank Baumann auf die Frage nach der Formkrise der Führungsspieler. Niemand in der Mannschaft soll das Gefühl bekommen, in besonderer Weise verantwortlich zu sein für das, was derzeit auf dem Platz passiert. Oder eben nicht passiert. Die Analyse des Sportchefs fällt anders aus: „Im Defensivverhalten machen wir zu viele Fehler und sind unkonzentriert.“

Das mag stimmen. Und es mag die richtige Entscheidung sein, nicht Einzelne stärker in die Verantwortung zu nehmen. Trotzdem sind nicht alle Spieler gleich wichtig, sie sind ja auch nicht alle gleich gut. Folglich fällt die Formkrise eines Spielers unterschiedlich ins Gewicht. Das weiß auch Baumann. Mein Werder analysiert einige Beispiele.

Davy Klaassen ist der wohl speziellste Fall. Weil er gleich in den ersten Partien zu einer zentralen Figur wurde, die das Bremer Spiel in guten Momenten auf ein höheres Niveau hob. Ein Unterschiedsspieler, ein Anführer. Beim FC Everton war er das nicht, dort saß er ein Jahr praktisch auf der Bank oder Tribüne. Und es besteht ein großer Unterschied zwischen England und Deutschland.

Klaassen zur Rückrunde wieder in Bestform?

Durch die vielen Wettbewerbe wird in der Premiere League nahezu nicht trainiert. Es geht zumeist um Regeneration zwischen den Einsätzen, nicht mehr. Freundschaftsspiele oder Einsätze in einer Mannschaft wie Werders U 23 gibt es dort ebenfalls nicht. In Bremen kommt Felix Beijmo, bisher ohne Kaderplatz in einem Bundesligaspiel, trotzdem auf 500 Spielminuten. Gesammelt in Freundschaftsspielen oder der U 23.

Klaassen hat quasi ein Jahr verloren und damit auch das Gefühl regelmäßiger Wettkampfpraxis. „Davy betreibt ein kräftezehrendes Spiel, da ist es normal und menschlich, dass in dem einen oder anderen Spiel die Frische fehlt“, sagt Baumann. Es sei keine Frage der Einstellung, „es ist eine Frage der Zeit“, bis Klaassen wieder sein Potenzial ausschöpft. Spätestens zur Rückrunde soll es so weit sein.

Körperliche Probleme sind auch ein Grund für das Formtief, in dem sich Ludwig Augustinsson, Yuya Osako und mit Abstrichen auch Milos Veljkovic befinden. Alle drei haben mit ihren Nationalmannschaften die WM in Russland gespielt. „Eine Saison ist eine große Belastung, kommt dann noch eine WM oben drauf, wird es eine unheimliche Belastung“, sagt Baumann. „Dann nimmt sich der Körper irgendwann eine Auszeit und signalisiert, dass er nicht mehr ganz frisch ist.“

Veljkovic hatte diese Phase zu Saisonbeginn. Tiefpunkt war seine Gelb-Rote Karte beim 1:2 gegen Stuttgart, die er in Normalform kaum kassiert hätte. Er hat sich gefangen, fällt nun aber mit einem Muskelfaserriss am linken Hüftbeuger aus. Osako bekam beim 1:3 gegen Gladbach eine Pause, in Freiburg wurde er beim Remis in der 63. Minute eingewechselt. Gegen Bayern zeigte der Japaner schon wieder ansteigende Form und erzielte den Bremer Treffer.

WM-Fahrern fehlt die Regeneration

Noch mitten in der Krise steckt Augustinsson. Für den Linksverteidiger gibt es keine echte Alternative, entsprechend auch keine Pausen. Er wirkt sowohl geistig als auch körperlich nicht frisch. Und macht Fehler, die er in der vergangenen Saison nicht gemacht hätte. Bei Augustinsson bemerken die Bremer die stärksten Nachwirkungen der Weltmeisterschaft. „Durch die WM haben die Spieler weniger Urlaub und eine kürzere Vorbereitung. Es ist ein Problem, wenn der Körper nicht komplett runtergefahren wird und richtig regenerieren kann“, sagt Baumann über die drei Bremer WM-Fahrer.

Nicht mehr auf dem Niveau des Saisonstarts ist auch Maximilian Eggestein. Mit vier Treffern ist er noch immer bester Bremer Torschütze. Zuletzt getroffen, und das gleich doppelt, hat er beim 2:0 gegen Schalke im Oktober. Eggestein, so die interne Bewertung im Klub, spielt weiterhin konstant. Es gibt keinen körperlichen Abfall, die Laufleistung und weitere Daten sind noch immer sehr gut. Was fehlt, sind die positiven Ausschläge nach oben, beispielsweise die Tore. Eggesteins Leistung ist aktuell wohl die Normalität.

Gefangen hat sich auch Jiri Pavlenka, der im ersten Teil einige Ausschläge in seinen Leistungen hatte. In Freiburg (1:1) und gegen Bayern (1:2) war wieder der Pavlenka der vergangenen Saison zu sehen. Ursache der Schwächephase war die Vorbereitung, die für ihn sehr unruhig verlief. Mal zwickte der Nacken, mal der Rücken, konstantes Training war kaum möglich. Dazu kam die Gehirnerschütterung beim 1:2 in Frankfurt und die dauerhafte Präsenz in der tschechischen Nationalelf. Länderspielpausen hat Pavlenka keine mehr. Für den Torwart war es ein Prozess, sich daran zu gewöhnen.

Und dann ist da Max Kruse, der aufgrund von steten Spekulationen über sein Gewicht wenig sportliche Schlagzeilen schreibt. Eine Tatsache, die ihn verärgert. Und hoffentlich endlich motiviert, dem mit Leistung zu begegnen. Denn, um aus der Krise zu kommen, braucht Werder die Leistungsträger. „Wir werden uns nur als Mannschaft befreien können“, sagt Baumann, alle seien da gefordert: „Jeder muss Wege finden, um in die beste Verfassung zu kommen. Da ist jeder gefragt.“

Pit88 am 03.12.2018, 20:05
Komisch, dass andere Vereine, die in 3 Wettbewerben aktiv sind und die mehr Nationalspieler abstellen, sich in besserer Form präsentieren.
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hashtag am 04.12.2018, 12:57
Also die Bayern z.B. schwächeln regelmäßig ein wenig nach großen Turnieren...
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Steintor-Rocka am 04.12.2018, 01:28
Wenn man „Führungsspieler“ wie einen Kruse zuviele Extrawürste erlaubt,der dafür aber nicht mit Leistung zurückzahlt bekommt eine Mannschaft Probleme!
Zudem ist ein Pizarro bei aller liebe das falsche Signal an die Jugend!
Auch wenn der Verein es Anfangs noch als „Stürmertrainer“ verpackt hat!
Für einen Sargent ein Schlag ins Gesicht!
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richardkiehm am 04.12.2018, 10:04
den Punkt " Pizarro " kann ich voll unterschreiben ,
was brachten die Einwechselungen ,
nichts !!
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philidor am 04.12.2018, 12:29
Da möchte ich Ihnen widersprechen. Gerade in den ersten Spielen hat er einiges bewegt, so z.B. den Klasse Assist auf J. Eggestein, der daraufhin sein erstes Tor in der Bundesliga geschossen hat, 1 Tor hat er selbst gemacht (gegen Leverkusen?) und noch ein paar weitere Assists, die zu einem Tor geführt haben, in den ersten Spielen. Außerdem ist er imstande, einige gegnerische Spieler zu binden und somit den anderen Spielern mehr Freiraum zu verschaffen. Ich finde, dass die gesamte Mannschaft zurzeit schwächelt. Dieses Phänomen tritt seit Jahren bei Werder auf: nach ein paar guten Spielen läuft es dann auf einmal nicht mehr so gut.
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hashtag am 04.12.2018, 12:59
Das sehen die jungen Spieler aber ganz anders! Die haben mehrfach betont, wieviel Ihnen das tägliche Training mit Pizarro bringt. UNd auch auf dem Platz ist es für einen jungen Stürmer großartig, wenn einer wie Piza neben ihm steht. Siehe z.B. Pizas Vorbereitung bei JoJos Tor.
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ikebod am 04.12.2018, 14:44
Sehe ich auch so, Piza ist und bleibt ein super Transfermove von dem gerade die Talente enorm profitieren (wie geil ist das auch bitte für einen Jojo Eggestein in 10 Jahren zu erzählen wer ihm seine erste Bundesligabude aufgelegt hat?) und wer seinen Impact in einigen Spielen nicht gesehen hat hat nicht hingeguckt. Da sind es im moment meiner Meinung nach eher Kruse und vor allem Harnik, die die Talente blockieren. Viel schwächer als Harnik bei seinen letzten 2-3 Einsätzen hätten's auch Sargent oder Rashica nicht machen können. Das müssen die Rotationschancen für die Talente sein die den Sprung in die Bundesliga schaffen sollen, die stehen doch nicht an hinter dem 40-jährigen Superjoker mit Legendenstatus.
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WERDER2016 am 04.12.2018, 18:11
Wenn Führungsspieler schwächeln, macht es wenig Sinn, junge Talente zu bringen. An wem und was sollen die sich in so einem Spiel orientieren?
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