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Rasenreport
17.03.2019
Werder pirscht sich an Europa heran

Die Jagd ist eröffnet

© nordphoto


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Es ist erst wenige Wochen her, da stand Sebastian Langkamp in der Medienzone des Weserstadions und erklärte kurz und knapp: „Wir brauchen jetzt den einen oder anderen Überraschungssieg.“ Gesagt hat Werders Innenverteidiger diesen Satz nach dem ernüchternden 1:1 gegen den VfB Stuttgart Ende Februar. Die Bremer hatten sich damals derart schwer getan, dass es nicht allzu wahrscheinlich schien, als würde solch ein Erfolg tatsächlich zeitnah gelingen. Doch dann ging es jetzt nach Leverkusen, wo mit 3:1 überzeugend gewonnen wurde. Werder hat sich somit für den Saisonendspurt nach der Länderspielpause in Position gebracht.

Keine Frage, es hat durchaus schattige Momente in den vergangenen Wochen gegeben. Daran ändert auch der jetzige Coup in Leverkusen nichts. „Das tut sehr gut, aber es wird jetzt keiner durchdrehen“ sagte Trainer Florian Kohfeldt. „Alle freuen sich, aber es gibt keine Euphorie.“ Warum auch, erreicht ist schließlich noch nichts. Allerdings stimmt der Trend.

Fakt ist: Werder macht auch weiterhin richtig Spaß – oder kann zumindest viel Spaß machen. Gute Leistungen wechseln sich manchmal noch zu sehr mit einer schwächeren ab. Dennoch sind die Bremer nun schon seit zehn Spielen ungeschlagen, in diesem Jahr gab es noch nicht eine einzige Niederlage. Das Problem: Allzu viele Siege gab es auch nicht. „Gerade nachdem ja schon der Vorwurf aufkam, dass wir die Remiskönige der Liga sind, ist es auch mal gut, dass man gegen solch eine Mannschaft gewinnt“, sagte Maximilian Eggestein. Leverkusen habe bislang in der Rückrunde schließlich auf Champions-League-Niveau gespielt, da sei ein Sieg umso bedeutender. Und mehr noch: „Wir haben gezeigt, dass es jetzt langsam kein Zufall mehr ist, dass wir ungeschlagen sind.“

Zähler um Zähler näher ans Ziel

Ähnlich sah es auch Max Kruse. Der 30-Jährige hatte mit seinen beiden Treffern und einer Vorlage einmal mehr einen enormen Anteil daran, dass Werder auch gegen die „Werkself“ zu gefallen wusste. Seine eigene Galavorstellung rückte er jedoch bewusst aus dem Rampenlicht, stattdessen betonte er einmal mehr die Ziele des gesamten Teams – und die harte Arbeit, die dafür geleistet werde. „Da brauchst du dann halt auch einmal solche Unentschieden wie zuvor. Es ist vielleicht im ersten Moment enttäuschend, wenn du solche Spiele nicht gewinnst, aber wenn man sieht, wie lange wir ungeschlagen sind, dann spricht das auch von einer gewissen Qualität“, sagte Kruse. „Punkt ist Punkt – und die bringen uns auch weiter.“

Das hat dazu geführt, dass die Bremer 17 Zähler in den letzten neun Partien gesammelt haben. Dadurch dürfen sie bei aller zwischenzeitlichen Stagnation noch immer träumen. „Das ist alles, was uns im Endeffekt interessiert“, betonte Kruse, der mit seinen Topleistungen in den vergangenen Wochen einen maßgeblichen Anteil daran hat, dass Werder tabellarisch noch im Rennen ist. Der Rückstand auf Platz sechs beträgt gerade einmal drei Punkte – und dann ist da ja auch noch der DFB-Pokal, über den das Projekt Europa realisiert werden könnte. Wer sich an die jüngere Vergangenheit des Klubs erinnert, erkennt schnell, dass eine derart luxuriöse Situation keine Selbstverständlichkeit an der Weser ist.

„Wir brauchen noch viele Punkte, um unsere Ziele zu erreichen“, sagte denn auch Davy Klaassen, „aber wir sind jetzt wieder oben dran. Das ist ein gutes Gefühl.“  Sportchef Frank Baumann drückte es ein wenig anders aus. „Wenn wir unser sehr ambitioniertes Saisonziel erreichen möchten, dann müssen wir irgendwann einmal eine Siegesserie hinlegen“, sagte er mit Verweis auf die direkten Konkurrenten, denen das bereits gelungen ist. „Zwei Siege in Folge sind noch keine Serie für mich. Wir sind nach wie vor in der Außenseiterrolle und es wird noch viele wichtige Spiele geben für uns.“

Die Entwicklung stimmt

Das Starten eben dieser Serie wirkt längst nicht mehr utopisch. Werder hat sich gegenüber der Hinrunde klar weiterentwickelt. Sowohl bei den Punkten, als auch in spielerischer Hinsicht. „Wir schaffen es jetzt einfach auch mal zu punkten, wenn wir vielleicht nicht so gut gespielt haben“, sagte Florian Kohfeldt. Gegen Berlin war den Bremern das beispielsweise gelungen, auch sonst immer mal wieder. Auch für das Spiel in Leverkusen galt das in einem gewissen Maße. 70 Minuten lang zeigte Werder ein richtig gutes Spiel, ehe Bayer mehr und mehr drückte und der Ausgleich durchaus in der Luft lag. „Da dürfen wir uns jedenfalls nicht beschweren, wenn wir hier nur mit einem Punkt herausgehen“, sagte Kohfeldt. Doch dieses Mal kippte das Spiel nicht mehr, Werder brachte die Führung nicht nur ins Ziel, sondern legte in der Nachspielzeit sogar noch einen Treffer nach. Die Bremer verkrochen sich nicht nur in der Defensive und warteten auf ihr Schicksal, sondern agierten bis zuletzt mutig und verdienten sich so den Sieg.

Dieses Glücksgefühl sorgte für allerlei strahlende Gesichter. Mehr aber eben auch nicht. „Es war ein riesiger Big Point, hier etwas zu holen, aber wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, dann müssen wir solche Spiele auch gewinnen“, sagte Kohfeldt ziemlich nüchtern. Ähnlich unaufgeregt blickte er auch bereits auf die Zeit nach der anstehenden Länderspielpause. „Gegen Mainz gibt es genauso viele Punkte wie gegen Leverkusen. Das hört sich platt an, ist aber so“, meinte er. Die Mainzer sind im Weserstadion Werders nächster Gegner – wie schlecht die Bremer gegen den FSV aussehen können, haben sie im Hinspiel gezeigt, als es eine 1:2-Niederlage gab. Das sollte Warnung genug sein. Doch Werder hat gelernt. Das hat nicht zuletzt der Auftritt in Leverkusen gezeigt, der zu keiner Zeit an das 2:6-Debakel aus der Hinrunde erinnerte. Und deshalb steht der Klub in der Tabelle optimal da, um jetzt endgültig den Jäger zu geben. Auch wenn es an forschen Ansagen vielleicht noch ein wenig mangelt. „Wir haben diesen Sieg geholt, um dran zu bleiben – jetzt geht es weiter“, sagte Kohfeldt stattdessen. Ganz unrecht hatte er damit ja auch nicht.

Trooper am 17.03.2019, 20:23
Die Ausgangsposition ist gut. Die Leistungen in den letzten zwei Spielen auch. Nun gilt es Konstanz rein zu bringen.
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slash1965 am 17.03.2019, 20:32
Du bringst es auf dem Punkt, Konstanz!
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WERDER2016 am 18.03.2019, 22:14
In dieser Saison ist es leider so, dass die für Europa in Frage kommenden Teams stärker aufspielen und dann gegen die Abstiegskandidaten ihre Punkte üppiger machen, was Werder versäumt hat. So wird das ganze wahrscheinlich ein nicht zu gewinnender Kraftakt.

In den letzten Jahren stellte sich die Situation etwas anders dar. Es gab in den unteren Regionen mehr Ausgeglichenheit, was dazu führte, dass man mit weniger Punkten als den 39, die Werder jetzt hat, besser dastand. Der Blick auf die Tabelle der letzten Jahre bestätigt dies. 2016/17 erreichte Freiburg mit 48 Punkten Platz 7, Köln und Hertha belegten mit 49 Punkten Platz 5 und 6. Das wird in diesem Jahr nicht reichen. Noch extremer war es in der Saison 2014/15: da belegte Werder nach dem 29. Spieltag Platz 7 mit gerade mal 38 Punkten. Am Ende der Spielzeit stand der BVB mit 46 Punkten auf Platz 7.

Wenn nicht Unvorhergesehenes passiert, wird man am Ende dieser Saison wahrscheinlich 53 bis 55 Punkte benötigen, um sich sicher für Europa zu qualifizieren.
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alanya_fuchs am 19.03.2019, 06:19
Ja. So wird es wohl kommen. In einem anderen Beitrag hatte ich schon geschrieben, dass es sehr schwer wird, noch mehr als 12 Punkte bis zum Saisonende einzufahren. Das hieße knapp verpasst.
Trotzdem ist es richtig sich Ziele zu setzen und ich sehe diese Saison jetzt schon als sehr positive Entwicklung.
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