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Rasenreport
04.03.2019
Pavlenkas böser Zusammenprall

„Die Gesundheit nicht aufs Spiel setzen“

© imago


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Es war eine merkwürdige Szene. Der Befreiungsschlag von John Anthony Brooks nahm eine unerwartete Flugkurve und fiel plötzlich vom Himmel. Jiri Pavlenka war aus dem Tor geeilt, um zu klären und musste nun buchstäblich Kopf und Kragen riskieren. Der Werder-Torwart hechtete in der elften Spielminute zum Ball, köpfte ihn weg und stieß anschließend heftig mit Gegenspieler Admir Mehmedi zusammen. „Ich bin zum Ball gegangen. Dann kam der Zusammenprall“, schilderte Pavlenka die Szene nach dem Abpfiff.

Beide Spieler blieben zunächst am Boden liegen, konnten dann aber weiterspielen. Speziell Mehmedi hatte zunächst benommen gewirkt. Die Diskussion um einen vermeintlich nachlässigen Umgang mit Kopfverletzungen im Fußball erhielt somit neue Nahrung. Im American Football hat es zwar lange gedauert, doch inzwischen wird in der US-amerikanischen NFL sehr behutsam mit Kopfverletzungen umgegangen. Ein unabhängiger Mediziner tritt in solch einem Fall auf den Plan, um die Verletzung zu begutachten und den Spieler falls nötig aus der Partie zu nehmen. Dazu wird ein „Concussion (übersetzt: Gehirnerschütterung) Protocol“ erstellt.

Kohfeldt hält Rücksprache

Eine Regel, wonach Spieler auch in der Bundesliga nach Kopfverletzungen immer erst einmal vom Platz müssen, sieht Philipp Bargfrede skeptisch. „So eine Regel einzuführen, ist schwierig, denn es lässt sich ja nicht pauschalisieren. Es gibt Szenen, die schlimmer aussehen, als sie sind", sagte Pavlenkas Teamkollege. In Wolfsburg traf Werders medizinische Abteilung die Entscheidung, dass Pavlenka weitermachen kann. "Bei den kleinsten Anzeichen für ein Risiko wären wir dieses Risiko nicht eingegangen. Wir würden die Gesundheit nicht aufs Spiel setzen", versicherte Florian Kohfeldt. Werders Trainer hatte sich mit den Ärzten und in der Halbzeit dann auch mit Pavlenka und Theo Gebre Selassie, der sich auf Tschechisch mit dem Torwart unterhalten hatte, ausgetauscht. Alle gaben grünes Licht. "Ich wusste, wo ich war. Ich wusste meinen Namen. Ich habe gesagt, dass ich spielen kann", schilderte Pavlenka.

Im September 2018 wollte der Keeper bei der Partie in Frankfurt auch weiterspielen, doch damals ließen ihn die Ärzte nicht. Pavlenka hatte bei einem Zusammenprall mit Mijat Gacinovic eine Gehirnerschütterung erlitten. „In Frankfurt hat man gesehen, dass die Ärzte sehr vernünftig mit solchen Verletzungen umgehen“, sagte Sportchef Frank Baumann.

In Wolfsburg kam Pavlenka nun glimpflicher davon als in Frankfurt. „Vielleicht habe ich eine gebrochene Nase“, sagte Pavlenka und zeigte auf sein deutlich sichtbar angeschwollenes Riechorgan. Weitere Untersuchungen sollten folgen. Die Gefahr, dass Pavlenka am Freitag im Heimspiel gegen Schalke ausfalle, bestehe aber selbst im Falle eines Nasenbeinbruchs nicht, betonte Kohfeldt.

Keinen Vorwurf machen wollte der Trainer seinem Torwart übrigens wegen des Gegentreffers. Vor dem 0:1 durch John Anthony Brooks hatte sich Pavlenka drei Wolfsburgern gegenüber gesehen und war aus seinem Tor gestürmt, um die Situation noch zu retten. Der Keeper kam letztlich einen Moment zu spät. „Mir ist ein Torwart lieber, der es probiert und dabei selbst blöd aussieht“, unterstrich Kohfeldt. Baumann ergänzte: „Auf der Linie wäre es auch schwer gewesen, den Ball zu halten. Es ist besser, wenn er mutig rauskommt.“

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