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Rasenreport
11.03.2019
Werders überraschendes Stilmittel

Die Flankenkönige der Liga

© nordphoto


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Sie haben es schon wieder getan, in der ersten Halbzeit gegen Schalke sogar so oft wie noch nie zuvor in dieser Saison. 16 Flanken segelten in den Strafraum der Gäste, mal hoch, mal flach, mal auf den ersten und dann wieder auf den zweiten Pfosten gespielt oder in den Rücken der Abwehr. Und nicht wenige davon aus dem Halbfeld geschlagen. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen mit den Grundprinzipien einer Mannschaft, die sich eigentlich mit flachen Pässen bis zur gegnerischen Grundlinie durchkombinieren will.

Und doch bedient sich Werder diesem als altbacken verschrienen Stilmittel mittlerweile so oft wie keine andere Mannschaft der Liga. 334 Flanken hat Werder in dieser Saison bereits geschlagen, das sind mehr als 13 pro Spiel. Der Letzte in diesem Ranking, Schalke 04, kommt auf vergleichsweise mickrige 186 Flanken, also etwas mehr als sieben pro Partie. Werder befindet sich allerdings in recht guter Gesellschaft, hinter den Bremern folgen mit 1899 Hoffenheim (327) und den Bayern (309) ebenfalls zwei besonders spiel- und kombinationsstarke Mannschaften.

Oft in der zweiten, manchmal in der ersten Halbzeit

Auffällig ist aus Bremer Sicht, dass es die Mannschaft nicht gleichmäßig über die 90 Minuten verteilt mit Flanken versucht. In der Regel gibt es teils enorme Unterschiede zwischen den jeweiligen Halbzeiten, zuletzt in Wolfsburg folgten auf zwei Flanken in der ersten Halbzeit gleich 15 in der zweiten, davor in Berlin war es ähnlich (drei in der ersten, 13 in der zweiten Halbzeit). Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen.

In bereits 14 der 25 Spiele lag Werder in Rückstand und musste früher oder später einen alternativen Weg zum gegnerischen Tor finden. In vielen Schlussphasen der Partien versuchte es Werder also mit Flanken. Einige Male hatte das Trainerteam in der Spielvorbereitung aber entweder Schwächen beim Gegner nach Flanken ausgemacht und wollte diese penetrieren oder wie zuletzt gegen Schalke die allgemeine Verunsicherung des Gegners mit vielen sehr direkten Aktionen in den Strafraum noch verstärken.

Wuchtige Mittelstürmer und der X-Faktor

Entgegen der allgemein gültigen Lesart verfügt Werder zwar über keinen klassischen Mittelstürmer, aber eben doch über genug kopfballstarke und robuste Strafraumangreifer, die als Abnehmer für Flanken in Frage kommen. Claudio Pizarro durfte auch deshalb gegen Schalke beginnen, weil er mit seiner Präsenz eine ständige Bedrohung für den Gegner war. Martin Harnik fällt ebenfalls in diese Kategorie, Joshua Sargent bringt zumindest die körperlichen Voraussetzungen mit und wurde von Florian Kohfeldt nach seinen Einwechslungen auch entsprechend eingesetzt: Aus einer etwas tieferen Position kommend, sollte Sargent mit Anlauf und Wucht auf die Flankenbälle in den Strafraum stoßen.

Ebenso wie übrigens Theo Gebre Selassie, der beste Kopfballspieler der Mannschaft und als Außenverteidiger in einer besonders günstigen Konstellation unterwegs: Gebre Selassie ist trotz seiner bekannten Qualitäten in der Luft immer auch der X-Faktor für die Gegner, der auf einmal im Strafraum auftaucht und keinen direkten Innenverteidiger-Gegenspieler hat, weil die durch die anderen Bremer Angreifer gebunden sind. Nicht zufällig hat Gebre Selassie so viele Tore erzielt wie alle anderen Bremer Abwehrspieler zusammen und kommt im Schnitt pro Spiel auf einen Torschuss.

Mehrere Wellen spielen, mit Flanken abschließen

Nicht nur bestimmte Spielsituationen oder die Qualitäten einzelner Spieler lassen die Mannschaft aber so oft zu Flanken greifen, sondern auch die eigentliche Spielidee unterstützt den Effekt. Das verblüfft auf den ersten Blick und wird unterstrichen durch den Vergleich mit Borussia Mönchengladbach. Werder und die Borussia ähneln sich in ihrer Spielanlage und der Idee, wie sich beide Teams in Tornähe kombinieren wollen.

Aber während Werder die meisten Flanken aller Bundesligisten schlägt, hält sich Gladbach damit komplett zurück: Nur 208 sind die drittwenigsten der Liga. Die Borussia hat anders als Werder kaum Abnehmer für hohe Zuspiele in den Sechzehner, Thorgan Hazard, Lars Stindl, Raffael oder Jonas Hofmann haben andere Stärken, allenfalls Alassane Plea und Josip Drmic kommen dafür in Frage - wobei Drmic in dieser Saison erst auf 33 Minuten Spielzeit kommt.

Werder nutzt sein Positionsspiel deutlich öfter für ein seitliches Zuspiel in den gegnerischen Strafraum. Im Ballbesitz liegt der Fokus auf den Halbräumen und auf den Flügeln, die Mannschaft hat sich also vereinfacht formuliert bereits in die Ausgangsposition für eine Flanke gespielt. Besonders über die linke Seite mit Ludwig Augustinsson, Max Kruse und mittlerweile auch Milot Rashica, die ganz besonders fleißig flanken.

Dazu kommt, dass man über das Positionsspiel anders als etwa im Konter mehrere Wellen spielen kann, den Gegner also auch nach einem Ballverlust einschnüren und schnell einen nächsten Angriff starten kann. Das verstärkt den Effekt, es auch in kurzer zeitlicher Abfolge mit Flanken zu versuchen und führt bisweilen zu einem regelrechten Dauerfeuer.

am 11.03.2019, 16:41
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klarerBlick am 11.03.2019, 18:40
Man sollte besser überlegen, bevor man Werder mit Gladbach vergleicht. Die Mannschaften sind nach der Qualität der Spieler überhaupt nicht vergleichbar.

Ein Bargfrede, Moisander oder ein Velkjovic wären bei Gladbach noch nicht einmal auf der Bank.
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susanneundjens am 12.03.2019, 19:46
Lesen Sie die Artikel bzw. verstehen diese? Es geht um die ähnliche Taktik und Spielanlage, nicht darum wer nun besser, wertvoller oder sonst was ist. Ist das so schwer?
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