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Rasenreport
28.04.2019
Pokal-Aus mit Folgen für Düsseldorf-Spiel

Die dritte Niederlage gegen Bayern

© imago images


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Genau genommen hatte das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf bereits vergangenen Freitag begonnen. In der Spielerlounge, die im Bauch des Weserstadions neben der Kabine liegt, traf Florian Kohfeldt am späten Vormittag auf ein paar seiner Spieler. Es gibt dort Getränke, die Möglichkeit zu frühstücken oder in legerer Atmosphäre beieinander zu sein. Und einen großen Fernseher gibt es auch. Als Kohfeldt den Raum betrat und seine Spieler zum ersten Mal nach der Pokalniederlage gegen Bayern wiedersah, lief dort gerade noch einmal die Stellungnahme des DFB zur Elfmeterentscheidung im Halbfinale gegen den FC Bayern. Ein Offizieller des Verbands gab zu, die Entscheidung sei ein Fehler gewesen. Gezeigt wurde auch ein Video, dass Thomas Müller in den sozialen Netzwerken gepostet hatte, in dem er ebenfalls sinngemäß einräumte, der Strafstoß sei unrechtmäßig gewesen. Da spürte Kohfeldt, dass “das noch sehr präsent noch für uns war”.

Düsseldorf war der nächste Gegner, aber in den Köpfen seiner Spieler drehte sich noch alles um diesen verflixten Elfmeter in der 78. Minute gegen den FC Bayern, der keiner war. In den Köpfen ging es darum, dass das Finale in Berlin möglich gewesen wäre, nicht um die Konterstärke der Düsseldorfer.  “Wir haben wirklich alles probiert, dagegen anzuarbeiten, auch die Jungs haben das probiert. Aber wir haben es einfach nicht geschafft”, bilanzierte Kohfeldt nach dem 1:4.

Heraus kam ein Spiel, das nur entfernt etwas mit dem Werder Bremen der bisherigen Rückrunde zu tun hatte: Fahrig, unkonzentriert, ohne Präsenz liefen die Bremer Spieler über den Rasen. "Diese Woche mit dem Spiel am Mittwochabend, dieser Emotionalität und der Enttäuschung, war zu viel für uns. Wir haben es nicht geschafft, diese Woche als Gesamtereignis zusammenzupacken. Das hat man auf dem Platz gesehen”, sagte Kohfeldt und diktierte den Journalisten gleich eine passende Schlagzeile für den laschen Auftritt seiner Mannschaft in die Blöcke: “Ein gebrauchter Nachmittag. Oder so in dieser Richtung. Diesmal könnte ich so eine Überschrift sehr gut verstehen.”

Kurze Videoanalyse, viele Einzelgespräche

Die Niederlage in Düsseldorf war, wenn man so will, die dritte Niederlage gegen Bayern. Und weil sie bei Werder geahnt haben, dass das Pokal-Aus ein Wirkungstreffer war, änderten sie den üblichen Ablauf der Vorbereitung auf ein Bundesligaspiel. Es gab kein taktisches Training am Freitag, wie es sonst der Fall ist. Die Videoanalyse am Freitagabend wurde kurz und sachlich gehalten. Es gab viele Einzelgespräche, auch in Gruppen wurde vermehrt miteinander geredet. Geholfen hat es wenig. “Es war eine extreme Woche, sie hat definitiv mental Kraft gekostet”, sagte Frank Baumann. “Wir haben alles versucht, es einzuordnen. Aber die letzten Minuten am Mittwoch waren ein wichtiger Faktor. Dann ist so eine Leistung menschlich und so ein Spiel drin, das muss man eingestehen. Deswegen gibt es keinen Vorwurf an die Mannschaft.”

So verständlich der schwache Auftritt auch ist, tabellarisch bleibt er so kurz vor dem Ende der Spielzeit nicht ohne Konsequenz. Die Konkurrenz hat gepunktet, Werder ließ drei Zähler liegen. “Es ist schon ein kleiner Rückschlag”, räumt Baumann ein. Die Wahrscheinlichkeit, einen der ersten sieben Plätze zu erreichen, sei “ein wenig geringer geworden”. Auch psychologisch ist die Situation schwieriger geworden, Werder hat das Erreichen des Ziels nicht mehr in der eigenen Hand. “Wir können nur beeinflussen, was uns betrifft. Dass wir schwere Gegner haben, wissen wir, aber in dieser Saison haben wir häufig gezeigt, dass wir mit unseren Aufgaben wachsen können. Wir werden alles daran setzen, so viele Punkte wie möglich zu holen”, sagt Baumann.

Werder will nicht aufgeben

Dortmund, Hoffenheim und Leipzig heißen die Gegner der kommenden und letzten drei Spiele. Allesamt Aufgaben, auf die man sich als Fußballer freuen kann. Die aber auch nicht leicht zu gewinnen sind, und das müsste Werder wohl, um sich für die Europa League zu qualifizieren. Die Reise nach Europa ist nun ziemlich beschwerlich. Dass einige Spieler angesichts der Schwere der Aufgaben ans Aufgeben denken, weist Kohfeldt von sich. Er erzählt, was er seiner Mannschaft in seiner letzten Ansprache vor dem Spiel gegen Düsseldorf mit auf den Weg gegeben hat. “Der Klassiker ist, sich in so einer Situation als Trainer hinzustellen und zu sagen: 'Heute ist es ein Charakterspiel.' Ich habe den Jungs gesagt, dass ich die Charakter-Frage nicht stelle, weil ich auf den Charakter der Mannschaft nichts kommen lasse.”

Aufgeben ist nicht, da lassen Baumann und Kohfeldt keinen Zweifel aufkommen. Und es gebe überhaupt keine Anzeichen, dass das irgendjemand im Team anders sieht. “Ab Dienstag werden wir trainieren, und wir werden einen Teufel tun und nicht alles geben”, sagt Kohfeldt und gibt einen kleinen Einblick in seine Rechnung für das nächste Spiel am kommenden Sonnabend: “Lasst uns mal gewinnen gegen Dortmund, dann schauen wir auf die Tabelle. Und dann fahren wir nach Hoffenheim.” Das Pokal-Aus gegen Bayern dürfte damit dann auch abgehakt sein.​

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