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Life und Style
26.05.2019
Abwehrchef spricht über seinen Bruder

Die besondere Beziehung der Moisander-Zwillinge

© nordphoto/imago images


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Es gibt da diese berühmte Geschichte der „Jim Twins“. Jim Lewis und Jim Springer sind Zwillingsbrüder, die getrennt in unterschiedlichen Familien aufwuchsen. Im Alter von 39 Jahren trafen sie sich zum ersten Mal und stellten fest, was sie alles gemeinsam haben. Vom Vornamen ihrer Ehefrauen über den Vornamen des ältesten Sohnes bis hin zum Hobby Tischlern – die Ähnlichkeiten waren verblüffend. Die „Jim Twins“ sind somit der wohl bekannteste Beweis dafür, dass es irgendeine Form von besonderer Verbindung zwischen Zwillingen geben muss. Inzwischen gibt es auch diverse wissenschaftliche Forschungen zu dem Thema, doch am eindrucksvollsten sind die Schilderungen von Zwillingen selbst. Zwillingen wie Werders Abwehrchef Niklas Moisander, der sagt: „Wir brauchen nicht jeden Tag zu telefonieren oder zu schreiben, aber wenn ich meinen Zwillingsbruder sehe, fühlt es sich an, als wären wir nie getrennt gewesen. Das ist ein sehr spezielles Verhältnis.“

Niklas Moisander und sein Zwillingsbruder Henrik sind kein ganz so kurioser Fall wie die „Jim Twins“, aber auch zwischen ihnen fallen sofort einige Gemeinsamkeiten auf. Beide sind etwa Fußballprofi geworden. Niklas spielt bei Werder, Henrik ist Torwart in der ersten finnischen Liga beim FC Inter Turku. Auch in anderen Bereichen gibt es Parallelen: „Wir sind uns ganz ähnlich. Er ist noch ein bisschen ruhiger als ich. Wir haben dieselben Interessen, hören dieselbe Musik, spielen beide Fußball“, zählt Niklas Moisander auf.

Bei den Moisander-Zwillingen wurde die Bindung zueinander noch dadurch gestärkt, dass sie zusammen im finnischen Turku aufwuchsen, über viele Jahre fast alles gemeinsam machten und eine Leidenschaft teilten. „Ich hatte Glück, dass ich einen Bruder hatte, mit dem ich immer Fußball spielen konnte“, erzählt Niklas Moisander und lacht. „Fußball war für uns die erste Liebe. Wir waren die ganze Zeit zusammen – in der Schule, auf dem Fußballplatz. Wenn wir gekickt haben, konnte ich schießen und er war Torwart. Das passte perfekt. Nach der Schule haben wir stundenlang Fußball gespielt, unsere Freunde waren natürlich auch dabei.“

Von den Lehrern verwechselt

Ein gemeinsames Hobby, ein gemeinsamer Freundeskreis – und dann war da auch noch diese Ähnlichkeit zwischen den beiden Brüdern. Niklas und Henrik Moisander wurden als Kinder oft verwechselt. „Die Lehrer hatten manchmal Probleme damit, uns auseinanderzuhalten, aber wir haben das nie ausgenutzt“, sagt Niklas Moisander und lacht. Dass der eine für den anderen die Mathearbeit geschrieben habe, sei nie vorgekommen. Irgendwann hörten die Verwechslungen dann auf. „Als wir Teenager waren, sahen wir etwas unterschiedlich aus.“

Zu Teenagerzeiten war es auch, als sich den Moisander-Brüdern eine einmalige Gelegenheit bot. In der Jugend von Turku PS waren sie Leistungsträger, und Ajax Amsterdam wollte sie haben. Die Nachwuchsakademie des niederländischen Topklubs genießt einen hervorragenden Ruf und brachte viele Stars hervor. Klar, dass Niklas und Henrik Moisander solch ein Angebot nicht ablehnen konnten. Also ging es aus dem beschaulichen Turku mit seinen 190.000 Einwohnern und den mittelalterlichen Gassen ins fremde Amsterdam. „Da waren wir 17 Jahre alt. Es war nicht einfach, die Familie und die Freunde zu verlassen“, blickt Niklas Moisander zurück.

Es gibt da dieses Bild, das die Moisander-Zwillinge zeigt, kurz nachdem sie ihre ersten Verträge bei Ajax unterzeichnet haben. Zwei Teenager lächeln schüchtern in die Kamera und wirken etwas verloren in ihren zu großen Ajax-Trikots. Gegenseitig legen sie sich den Arm auf die Schultern, als wollten sie sich etwas Halt geben in dieser neuen Umgebung. Und tatsächlich war es ein großer Vorteil, dass die Brüder gemeinsam den großen Schritt gewagt haben. „Glücklicherweise hatten wir uns. Dass wir zusammen in die Niederlande gegangen sind, hat es leichter gemacht. Das waren drei schöne Jahre in Amsterdam“, verdeutlicht Niklas Moisander.

Zum ersten Mal getrennt

Nach diesen drei Jahren verließen beide Ajax und ihre Wege trennten sich, zum ersten Mal in ihrem Leben. Niklas ging zum niederländischen Erstligisten Zwolle, um dort erste Erfahrungen im Herrenbereich zu sammeln. Henrik verschlug es nach Schweden zum damaligen Zweitligisten Assyriska FF. Der Torwart blieb danach im vertrauten Skandinavien, spielte für mehrere finnische Klubs und ist seit 2016 zurück in der Heimstadt Turku, wo er das Tor des FC Inter hütet. Niklas Moisander dagegen kehrte über Zwolle und Alkmaar zu Ajax zurück, wurde dort Kapitän und gewann mit dem Klub zwei Meisterschaften. Dann ging er nach Italien zu Sampdoria Genua, seit 2016 spielt er in Bremen. So gleich die beiden Karrieren begannen, so unterschiedlich sind sie später verlaufen.

Es ist schon kurios: Die beiden Zwillingsbrüder, die früher fast alles zu zweit machten und gemeinsam in die Ajax-Akademie wechselten, haben im Herrenbereich nie zusammen auf dem Platz gestanden. Nicht einmal in der finnischen Nationalmannschaft klappte es. Niklas bestritt 62 Länderspiele, doch ausgerechnet in den zwei Länderspielen, die Henrik absolvierte, kam er nicht zum Einsatz. Traurig ist Niklas Moisander deswegen allerdings nicht. „Wir waren immerhin ein paar Mal beide für die finnische Nationalmannschaft nominiert. Das war etwas Besonderes für uns und unglaublich schön“, sagt der 33-Jährige.

Überhaupt sei es ein großes Privileg, einen Zwillingsbruder zu haben. Wirklich verstehen können das wohl nur Menschen, die selbst ein Zwilling sind, doch Niklas Moisander hält fest: „Ich bin sehr froh, dass ich einen Zwillingsbruder habe, weil er sehr wichtig für mich ist.“ Auch wenn der eine jetzt in Bremen lebt und der andere im mehr als 1000 Kilometer entfernten Turku, ist die besondere Verbindung zwischen den Brüdern nie verloren gegangen. Oder wie Niklas Moisander es ausdrückt: „Der Kontakt ist heute noch sehr eng.“

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