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30.11.2018
Endlich wieder Vorfreude aufs Bayern-Spiel

Der zweitliebste Feind

© Imago


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Hach, was waren das für Zeiten. Was waren das für Zeiten, als die Bayern ins Weserstadion mussten und schon beim Einsteigen in den Flieger in München wussten, dass für sie hier oben im Norden nichts zu holen sein würde. Diese Zeiten hat es wirklich einmal gegeben. 15 Mal sind die Bayern in der Bundesliga zwischen 1982 und 1998 nach Bremen gereist, und nie haben sie in dieser Zeit auch nur ein Spiel gewonnen; ganz egal, ob die Torhüter Oliver Kahn oder Jean-Marie Pfaff hießen, die Abwehrchefs Klaus Augenthaler oder Jürgen Kohler, die Stürmer Jürgen Klinsmann, Karl-Heinz Rummenigge oder Brian Laudrup und die Trainer Udo Lattek, Jupp Heynckes oder Giovanni Trapattoni. Sechs Unentschieden waren das höchste der Bayern-Gefühle in diesen Jahren. Mia-san-chancenlos statt Mia-san-mia.

Inzwischen ist Werder chancenlos. 15 Bundesligaspiele in Folge hat Werder gegen die Bayern verloren. Nicht mal ein Unentschieden geschafft, nicht mal einen Punkt durch ein ermauertes, erschlichenes, erkämpftes 1:1 geholt. Stattdessen 0:7 verloren, 0:6, 1:6, ach, lassen wir das. Für alle, die es trotzdem in voller Härte haben wollen: 59 Tore haben die Bayern in den letzten 15 Spielen gegen Werder geschossen, das sind vier pro Spiel. Aber damit soll an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) Schluss sein.

Pavlenkas Ansage

Im Herbst 2018 ist es wenigstens wieder ein bisschen so wie in den Jahren, als bei Werder noch der Budde, der Thomas, der Otze, der Wynton und der Andi spielten, als die „Sportschau“ noch drei ausgewählte Spiele zeigte und das „Sportstudio“ kurz vor Mitternacht den Rest. Werder liegt nach zwölf Spieltagen nur drei Punkte hinter den Bayern. Gut, dass Werder so stark ist wie seit sieben Jahren nicht mehr, noch besser, dass die Bayern so schwach sind, wie seit sieben Jahren nicht mehr. Werders Torwart Jiri Pavlenka hat in dieser Woche gesagt: „Wir brauchen die Punkte genauso wie die Bayern, um in den Europapokal zu kommen.“ Das ist mal eine Ansage, auch wenn sie der schüchterne tschechische Torwart-Krake von Werder natürlich nicht als Kampfansage hinausposaunt hat. Pavlenka hat wie immer sehr leise gesprochen und tatsächlich ja auch nur den Status quo beschrieben. Aber dass der Status quo so ist, wie er ist, ist schon eine feine Sache für die Bremer. Dass sich beide Mannschaften nur knapp über Bundesliga-Mittelmaß bewegen – geschenkt. Und wenn überhaupt, dann ist es ein Problem der Bayern, weil es eine Beleidigung für das Münchner Mia-san-mia ist.


Es ist ein gutes Timing, dass die Bayern ausgerechnet im Herbst 2018 erstmals seit acht Jahren wieder schlagbar erscheinen. Genau in dem Jahr, in dem Werder in der Bundesliga erstmals ohne seinen Lieblingsfeind HSV auskommen muss, lebt die Rivalität mit dem zweitliebsten Feind wieder auf. Und fast wie bestellt, hat Willi Lemke in dieser Woche mal wieder in Richtung Bayern gestichelt, genauer in Richtung seines alten Erzfeindes und dann plötzlich Freundes Uli Hoeneß. Via „Sport Bild“ diagnostizierte Lemke: „Uli Hoeneß ist wieder ganz der Alte.“ Und gab den Rat: „Der nächste Titelgewinn wäre sicher ein guter Zeitpunkt für einen Abschied.“

Ach ja, der Willi und der Uli, was haben sie sich gehasst oder wenigstens immer so getan, als ob sie sich hassten. „Die Polarisierung in Liebe und Hass, Herr Hoeneß, war ihre genialste Idee“, hat Lemke später einmal gesagt. Jahre vorher hatte Hoeneß Lemke einen „Opportunisten“ genannt und „Volksverhetzer“, durch den er „zu hassen gelernt“ habe. Lemke konterte Hoeneß mit dem Vorwurf der „Trunkenheit“: „Entweder er war betrunken, oder er will das Feuer gegen uns weiter entfachen.“ So war das in den 80er- und 90er-Jahren, hier SPD-Mann Lemke, dort der CSU-nahe Manager Hoeneß, hier das arme Bremen, dort die reichen Bayern oder um noch einmal Lemke zu zitieren: „Manche Vereine sparen und drehen die Mark zweimal um. Bei Werder wird sogar jeder Pfennig geröntgt.“

Die Superreichen

Reicher sind die Bayern heute noch immer, so reich wie nie. Und Werder ist vergleichsweise arm. Ein paar Zahlen: Werder hat im vergangenen Geschäftsjahr knapp über 100 Millionen Euro umgesetzt, die FC Bayern AG 647 Millionen. Der Wert des Bayern-Kaders wird von Experten auf rund 800 Millionen Euro geschätzt, der Wert der Werder-Mannschaft liegt bei knapp 130 Millionen (so viel sind laut „Transfermarkt.de“ allein Serge Gnabry und Robert Lewandowski wert). Die Bayern-Profis kommen zusammengerechnet auf 932 Länderspieleinsätze, die Werder-Profis auf 489 und darunter einige für Fußballnationen – bei allem Respekt - wie Kosovo, Finnland und die USA. Die Bayern waren 28 Mal Deutscher Meister, 18 Mal DFB-Pokalsieger und haben mehr als ein halbes Dutzend Titel in Europa geholt. Werder war vier Mal Meister (zuletzt vor 14 Jahren), sechs Mal Pokalsieger, und beim einzigen Bremer Europapokalgewinn 1992 war Dr. Albans „It’s my life“ die Nummer eins der Charts, Bill Clinton US-Präsident und Davy Klaassen noch nicht einmal geboren.

Am Sonnabend könnte dieser Davy Klaassen nun dabei mithelfen, dass Werder ein Spiel gegen die Bayern mal wieder nicht verliert.  Unvorstellbar war das zuletzt, wenn Guardiolas Bayern, bestehend aus der halben deutschen Nationalmannschaft und der Rest-Weltauswahl, die Werder-Spieler nicht einmal über die Mittellinie ließen, den Ball gaben sie schon mal gar nicht ab. Man konnte die Bayern fast ein wenig bewundern für das, was sie da zusammenpassten, kauften, schossen und schraubten. Okay, das war sehr schnell auch stinklangweilig, aber wer sechs Mal in Folge – gefühlt schon nach dem 25. Spieltag – Deutscher Meister war, der hatte Respekt verdient.

Aktuell tun die Bayern alles dafür, diesen Respekt zu verspielen. Es ist zum Totlachen und Fremdschämen, was vor allem Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge seit ein paar Monaten reden und phantasieren (hoffentlich gibt es für diese Formulierung keine Klage). Die Bayern setzen gerade alles daran, dass man sie wieder richtig doof finden muss. Fast wieder so wie früher zu Ottos und Willis Zeiten. Jetzt muss es nur noch auf dem Platz auch wieder so sein wie damals, wenigstens erstmal für die 90 Minuten an diesem Sonnabend, das wäre ein Anfang.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

Pit88 am 30.11.2018, 20:11
Schön wär's. Allein - mir fehlt der Glaube. Gerade nach den letzten Spielen. Aaaaber, ich lasse mich super gerne von unseren Jungs überraschen. 💚
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Greenkeeper10 am 30.11.2018, 21:01
Der Glaube stirbt zu letzts
3
1
jamal0781 am 30.11.2018, 20:54
Vorher wieder viel gelaber und dann gibts wieder
5:0 Haue.
3
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Greenkeeper10 am 30.11.2018, 21:00
Ja das waren Zeiten morgen volle Konzentration und ein wenig Glück dann können wir abends ein wenig in ruhmreiche Zeiten schwelgen
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RSchneider am 01.12.2018, 08:49
Die Hoffnung ist vorhanden, der Glaube leider nicht. Da Werder ja bekanntlich der Aufbaugegner für schwächelnde Mannschaften in der Bundesliga ist (zuletzt Stuttgart, Leverkusen, Mainz) wird es auch gegen Bayern wieder nichts mit dem 1. Sieg seit dem legendären 5:2 werden! Zumal uns in der Offensive momentan ein Stürmer mit Killerinstinkt fehlt und Bayern, bis auf Hummels und James, in Bestbesetzung mit einem 5:1 gegen Benfica im Rücken anreist!
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Werderstern68 am 01.12.2018, 09:12
Ich lese diesen Artikel auch gerade im Weser-Kurier. Ich fände es eigentlich besser/sinnvoller wenn solche Artikel ein PLUS-Artikel wären bzw im WK wenigstens nur PLUS-Artikel stehen denn sonst zahle ich ja für den gleichen Berichtet 2 Mal 🤷‍♂️😡
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