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Taktik Rasenreport
06.04.2019
Gegner Gladbach in der Analyse

Der Werder-Zwilling hat Probleme

© dpa


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Das sind Gladbachs Stärken:

Die Borussia ist in sehr vielen Elementen die Mannschaft der Liga, die am ehesten mit Werder zu vergleichen ist. Das beginnt bei der bevorzugten Grundordnung im 4-3-3, geht über die Spielideen mit Ball und endet beim Verhalten gegen den Ball. Grundsätzlich ähneln die Stärken der Mannschaft also auch jenen von Werder.

Gladbach spielt flach und über die Innenverteidiger an und sucht dann spielerische Lösungen auf dem Weg ins Übergangsdrittel und letztlich vor das gegnerische Tor. Weil die Mannschaft ohne Stoßstürmer spielt, sind lange, direkte Schläge kaum zu sehen. Stattdessen wird der Ball im Positionsspiel nach vorne getragen. Ein zentraler Faktor ist dabei Lars Stindl und dessen Rolle als Zehner. Stindl lässt sich wie Max Kruse immer wieder fallen und stellt so sowohl gute Verbindungen zwischen Mittelfeld und Angriff her, als auch Überzahlsituationen in Ballnähe.

In diesen Momenten schieben die Achter schnell in den Zwischenlinienraum, die Übergänge sind so gut aufeinander abgestimmt, dass die Positionen jederzeit besetzt bleiben. Bietet sich der Sechser nicht direkt an oder ist zugestellt, weicht er entgegen der Ballbewegung aus, um gegner zu binden und den Passweg auf die Achter freizumachen. Erst wenn der Ball dort oder bei Stindl angelangt ist, beginnt die eigentliche Tempoverschärfung.

Die Flügelangreifer sollen grundsätzlich eher aus der Tiefe kommen und nachschieben. Allerdings ist die Rollenverteilung je nach Gegner auch unterschiedlich. Prinzipiell sind Durchbrüche über die Flügel das bevorzugte Gladbacher Mittel, wofür die Angreifer eher breit und hoch stehen. Alternativ fällt wenigstens einer der Angreifer aber auch tiefer zurück, um mit Dribblings von der Seite ins Zentrum die Gegner zu binden und Raum zu schaffen für die Achter.

Gegen den Ball wird das Zentrum im 4-3-3 oder 4-4-2 gut versperrt, weil die beiden Pressingspitzen sehr akkurat mit ihren Deckungsschatten arbeiten und das Passspiel des Gegners so früh und ohne hohes Tempo auf die Flügel drücken. So kann die Mannschaft auch gut variieren zwischen Mittelfeldpressing und dem Aufrücken in ein aggressiveres Angriffspressing.

Das sind Gladbachs Schwächen:

Die Räume neben dem einzigen Sechser waren in den letzten Wochen die größte von einigen Schwachstellen der Mannschaft. Das Gegenpresisng sollte eine Säule des Gladbacher Spiel sein - zuletzt war es aber mehr Fluch als Sehen für die Mannschaft. Das Herausrücken der Achter hinterlässt für ein paar Momente Gladbachs Sechser allein in einem sehr großen Raum. Geht die Borussia einem ins Pressing lockenden Gegner auf den Leim, der dann in der Lage ist, sauber über die Pressinglinie zu spielen, ist der Raum vor der eigenen Abwehr nicht besonders solide gesichert.

Im geordneten Pressing ist das ebenfalls zu beobachten: Das Durchsichern vor der Abwehrkette ist schlecht, der Sechser wird allein gelassen. Diese fehlende Absicherung bedeutet einen enorm hohen Druck auf die vier Spieler der Abwehrkette und den Sechser, die letztlich nur das Fehlverhalten der Mitspieler ausbaden müssen. Der Gegner kann dann mit vollem Tempo agieren, was für Angriffe aus dem Positionsspiel schon ungewöhnlich ist.

Gladbach hat insgesamt das Gefühl für das kollektive Verteidigen verloren, wie ein zweigeteilte Mannschaft hat sich die Borussia Gegentor um Gegentor gefangen, alleine in den letzten vier Heimspielen setzte es zwölf Gegentore. Ein veritabler Grund dafür ist auch das Laufverhalten der Mannschaft. Nach der Winterpause sind alle Werte teilweise signifikant schlechter geworden, es wirkt fast so, als habe die Mannschaft es sich in ihrer komfortablen Position hinter Bayern und Dortmund bequem gemacht und bekommt nun die Quittung dafür.

Das wirkt sich auch auf die Offensive aus. Eine Mischung aus unpassenden Abläufen, Formschwächen wichtiger Spieler und einer ungenügenden Chancenverwertung führten dazu, dass Gladbach in keinem der letzten sieben Spiele mehr als einen Treffer erzielt hat.

Das Gladbacher Selbstverständnis, auch in schwierigen Momenten mit Risiko und Mut zu spielen, ist fast vollkommen weg. Die Rotation der Mittelfeldspieler stockt, was letztlich zu weniger Anspielstationen führt und zu einer langsameren Ballzirkulation. Im offensiven Umschalten ist die Mannschaft immer noch gefährlich, aber vor dem Tor dann nicht kalt genug. Stindl, Alassane Plea, Jonas Hoffmann oder Raffael sind aus unterschiedlichen Gründen derzeit weit weg von ihrer Normalform, Thorgan Hazard besitzt das Potenzial für gehobenen internationalen Standard - vernachlässigt dann aber die Basics.

Insgesamt ist die Balance und Selbstverständlichkeit der ersten Saisonhälfte plötzlich weg, seit dem 0:3 zu Hause gegen Berlin schlingert die Borussia durch die Liga und ist jetzt selbst für Werder wieder in Reichweite gerückt. Der Champions-League-Platz ist vorübergehend schon weg und die Angst, nun sogar noch den Platz in der Europa League zu verlieren, greifbar.

Dieter Hecking versucht einiges, stellt personell um, findet aber auch dort nicht die passenden Lösungen. Dazu kommen teilweise haarsträubende individuelle Fehler, die zu mehr als einem halben Dutzend Gegentreffern geführt haben.

Das ist der Schlüsselspieler:

Lars Stindl ist nicht nur auf Grund seines Einsatzbereichs so etwas wie Gladbachs Max Kruse - allerdings aktuell ein ganzes Stück entfernt von der Form des Bremer Kapitäns. Wie bei Werder auch steht und fällt vieles im Offensivspiel mit der Form des Zehners, der seine Rolle fast identisch wie Kruse interpretiert: Zwischen den Linien, ausweichend, gerne auch mit dem Rücken zum Tor. Wie eine Mischung aus Achter, Zehner und Angreifer. Gerade in der Rückrunde läuft aber auch Stindl seiner Form hinterher, erst drei Tore und zwei Assists nach 19 Einsätzen sind unterdurchschnittliche Zahlen. Für den Rest der Saison benötigt die Borussia aber einen Stindl in Topform, wenn das Ziel Europapokal realisiert werden soll.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:


alterwaller am 06.04.2019, 15:28
Egal ob und welche Stärken und Schwächen Gladbach hat, für uns zählen nur 3 Punkte. Alles andere ist zu wenig !!
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WERDER2016 am 06.04.2019, 17:41
Unter Berücksichtigung des Restprogramms sehe ich das auch so. Ansonsten wäre aber ein Remis in Gladbach auch zu vertreten.
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