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18.02.2019
Warum Pizarro weitermachen muss

Der Traum von Danzig

© nordphoto


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Es sind viele Worte gefallen, mitunter waren sie reichlich despektierlich. „Opa“ wurde Claudio Pizarro an mancher Stelle gar genannt. Dabei ist er nun gerade einmal etwas mehr als 40 Jahre alt. Dafür kann er nichts – deshalb stört ihn das Gerede um sein Geburtsdatum vielleicht am allermeisten. Seit jeher war der Werder-Angreifer schließlich einer, der vor allem durch seine fußballerischen Qualitäten zu begeistern wusste. Und Hand aufs Herz, das tut er auch heute noch.

Nur wie lange noch? Diese Frage ist bei aller Altersdiskussion durchaus berechtigt. Nicht wegen seiner 40 Lenze, sondern wegen zweier anderer Dinge: Seiner körperlichen Verfassung und seines Leistungsvermögens. Ersteres kann er selbst am allerbesten einschätzen, im anderen Fall zeigt er momentan auf einem konstant hohen Niveau, was noch immer möglich ist. Das weckt die Lust auf mehr. Falls Claudio Pizarro und Werder also tatsächlich überlegen, die aktive Spielerkarriere um ein weiteres Jahr zu verlängern, dann kann eine Entscheidungshilfe sicherlich nicht schaden. Die Mein-Werder-Redaktion hat einige augenzwinkernde Gründe zusammengetragen, warum Claudio Pizarro eigentlich unbedingt weitermachen muss.

Die Rekordjagd:

Seit vergangenem Sonnabend steht der Namen Claudio Pizarro an der Spitze einer weiteren Statistik – der Peruaner ist im Alter von 40 Jahren und 136 Tagen zum ältesten Torschützen der Bundesliga avanciert. Für Pizarro ist das eine große Ehre, wie er selbst gewohnt charmant verraten hat. Doch damit muss noch lange nicht das Schlusskapitel seiner märchenhaften Geschichte gekommen sein. Im DFB-Pokal liegt er in der Liste der Oldie-Torjäger schließlich „nur“ auf Rang drei. Das wird er ja wohl kaum auf sich sitzen lassen wollen. Den vor ihm liegenden Ex-Bremer Manfred Burgsmüller kann er noch in dieser Saison überholen (40 Jahre und 148 Tage), für den erstplatzierten Karl Lambertin (44 Jahre und 164 Tage) muss er allerdings noch ein wenig schuften.

Die Konkurrenz:

Eigentlich gab es nie einen Zweifel daran, wer der beste ausländische Bundesliga-Torjäger ist. Keine Frage, das musste einfach Claudio Pizarro sein. Doch dann kam da ein junger Mann aus Polen, der erst für Borussia Dortmund und dann für Bayern München regelmäßig traf. Schlimmer noch, für den Rekordmeister tut er das auch weiterhin. Und deshalb fürchtet selbst Werders Sturm-Legende: „195 Tore sind viel, aber ich glaube, Robert Lewandowski kommt von hinten, um meinen Rekord zu brechen“, sagte Pizarro jüngst nach seinem Tor im Berliner Olympiastadion. Es war das 195. in seiner Bundesliga-Karriere, Lewandowski sitzt ihm mit 193 bereits im Nacken. Will er seinen ersten Platz nicht abgeben, MUSS er einfach weiterspielen – vermutlich sogar gleich ein paar Jährchen, da der 30-Jährige Lewandowski sicherlich noch länger auf Torejagd gehen wird.

Der Körperkult:

Claudio Pizarro ist das beste Beispiel: Sport hält jung. Ehemalige und aktuelle Weggefährten berichten stets ehrfürchtig, wie der Stürmer als einer der Ersten den Kraftraum betritt und quasi als Letzter die Tür wieder abschließt. Auch auf seine Ernährung achtet Pizarro derzeit akkurat. Will er sich seinen stattlichen Körper bewahren, so kann er eigentlich gar nicht anders, als weiter professionell Fußball zu spielen. Viel zu viele Beispiele gibt es, in denen nach der Karriere nicht nur die Freizeit wuchs, sondern auch das Bäuchlein – sofern man überhaupt noch von einem Bäuchlein sprechen konnte. Für den Lebemann Pizarro besteht bei aller Disziplin also enormes Gefahrenpotenzial.

Der Luxus:

Es ist der Traum vieler betagter Fußballfans, die selbst noch ihre müden Knochen zu unchristlichen Zeiten am Wochenende über irgendeinen Amateursportplatz wuchten. Nur einmal, ja, nur einmal möchten sie einen Spieltag wie Claudio Pizarro erleben. Im gesetzteren Alter spielt er nicht mehr die allererste Geige, weshalb er von einen Premium-Sitzplatz auf der Bank das Geschehen beobachten darf. Viel näher geht es eigentlich nicht. Doch damit nicht genug. Irgendwann darf er sich doch von seinem Platz erheben, wird unter frenetischem Jubel beim Warmmachen begleitet und mischt dann doch noch für ein paar Minuten die Gegner auf dem Rasen auf. Und als Bonus wird die Legende dafür auch noch legendär gut bezahlt. Claudio Pizarro verrichtet somit die vielleicht schönste Teilzeitarbeit auf diesem Planeten – ob er darauf so „schnell“ verzichten will?

Das Wohlbefinden:

Es ist ein Problem, das vor allem Menschen höheren Alters begegnet. Der Rentenbeginn liegt bereits ein wenig zurück, die Aufgaben während des Lebensabends werden dadurch mitunter weniger. Im schlimmsten Fall fühlt man sich isoliert, einsam, nicht mehr gebraucht. Claudio Pizarro ist zumindest fußballerisch im besten Rentenalter, auch für ihn wird sich in naher Zukunft die Frage stellen, was nach der Karriere kommt. Der Alltag wird sich verändern. All das, was in den vergangenen 20 Berufsjahren zur Normalität, zur Routine wurde, gibt es dann nicht mehr.  Da kann man schnell in ein Loch fallen. Nur gut, dass Claudio Pizarro noch immer gebraucht wird – das zeigen allein die vergangenen Wochen. Er bringt auf dem Platz seine Leistung und ist auch hinter den Kulissen von unschätzbarem Wert. Fehlt also eigentlich nur noch ein neues Arbeitspapier…

Die Trophäensammlung:

Mein Gott, was hat Claudio Pizarro in den vergangenen Jahren nicht alles gewonnen?! Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger ist er sowieso mehrfach geworden, den Titel in der Champions League durfte er bejubeln, den Weltpokal holte er ebenso wie den Sieg bei der Klub-WM. Aber halt, da fehlt doch noch was… Richtig, ein Finaltriumph in der Europa League. Eben jener Wettbewerb, den Werder mit aller Macht über die Liga oder den Pokal erreichen will. Sollte das gelingen, ist eine Weiterbeschäftigung von Pizarro fast Pflicht, damit er auch diese Trophäe noch in den Abendhimmel recken kann. Zum Vormerken: Gespielt wird am 27. Mai 2020 in Danzig.

Die Verantwortung:

Man darf diesen Aspekt nicht unterschätzen – und deshalb steht Claudio Pizarro in der Pflicht. Er kann es den Fans schlichtweg nicht antun, nun wirklich aufzuhören. Ein Fußball-Leben ohne ihn ist in Bremen kaum vorstellbar, schon in der Vergangenheit wurde stets flächendeckend gelitten, als der frühere Nationalspieler den Klub verließ. Rückkehr hin oder her. Werder und Pizarro, das gehört einfach zusammen. Eine Kombination, die ganze Generationen im Stadion, am Trainingsplatz oder vor dem Fernseher vereint. Wo Pizarro ist, da gibt es auch viele kleine persönliche Geschichten mit ihm. Es ist wie ein Gefühl von Liebe. Und wo Liebe im Spiel ist, lässt man den anderen ungern gehen. Das gilt für Pizarro wie für seine Fans.

1-Werder am 19.02.2019, 13:15
Ich denke, wenige Tage nach dem sicher sehenswerten Tor von Claudio Pizzaro sollte die Realität wieder Einzug im WK halten. CP ist ein sympathischer, sehr guter Fussballspieler, dass streitet wohl kaum einer ab. Seine mannschaftsdienliche Haltung auch neben dem Spielfeld in allen Ehren, aber mit einem 40-jährigen Spieler die zukünftige Ausrichtung der Mannschaft zu planen, kann doch sicher nicht ernst gemeint sein. Der Pathos hat der Realität zu weichen. Die Mannschaft ist auf wichtigen Positionen zu verjüngen. Nicht nur mit absoluten Youngstern, sondern mit gestandenen, erfahrenen "middle agern". Da sehe ich ungeachtet meiner Hochachtung vor C. Pizzaro keinen Platz mehr für ihn im Team der nächsten Saison. Und... soll er sich das wirklich antun und nicht lieber im Zenit der Sympathien der Fans das Feld räumen....?
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