News
Latest News
Rasenreport
23.12.2018
Sargent und Rashica im Reich der Extreme

Der Scharfschütze und sein Chancentod

© nordphoto


  • 7
  • 112

Wer sich in einer herkömmlichen Bibliothek durch die Gänge bewegt, dürfte nur in den seltensten Fällen die Märchen direkt neben den Tragödien finden. Meist liegen dann doch ein paar Regale für einen respektablen Abstand dazwischen. In der Bundesliga sieht das anders aus, bei Werder im Speziellen. Da trennen beide Bereiche nur Nuancen. Unterschiedlicher könnte die Situation für Josh Sargent und Milot Rashica jedenfalls nicht aussehen.

Er hätte der Held werden können, sogar gleich mehrfach. Gegen Hoffenheim war das so, wenige Tage später gegen Leipzig ebenfalls. Doch Milot Rashica taugt momentan nicht für Heldengeschichten. Stattdessen gibt er als Chancentod den Ritter der traurigen Gestalt. Egal, wie groß die Gelegenheit vor dem gegnerischen Tor auch war, Rashica vergab sie zuletzt mit traumwandlerischer Sicherheit. Das kostete gegen Hoffenheim den möglichen Sieg, in Leipzig die frühe Führung. Keine Frage, der Kosovare hat schon bessere Zeiten in seiner noch jungen Karriere erlebt. In Frankfurt zum Beginn der Saison zum Beispiel, als er nach seinem Freistoßtreffer zur Märchenfigur taugte.

„Ich gehe davon aus, dass er sich Vorwürfe macht, weil er dazu veranlagt ist, sich sehr um die Mannschaft zu kümmern und sich in die Verantwortung zu nehmen“, sagte Florian Kohfeldt. In des Trainers Brust schlagen zwei Herzen: Zum einen muss er behutsam mit seinem jungen Akteur umgehen, andererseits weiß auch er natürlich, dass die Chancen von einer derart guten Qualität waren, dass sie in der Bundesliga einfach auch verwertet werden müssen. Ohne Wenn und Aber.

Die große Kritik-Keule schwingt Kohfeldt nicht, noch wählt er öffentlich das Zuckerbrot anstatt die Peitsche. „Ich glaube, dass er jetzt erst einmal die Zeit mit der Familie genießen soll und das tut ihm auch sehr gut, jetzt einmal abzuschalten“, sagte Kohfeldt. „Natürlich macht er sich seine Gedanken darüber, aber wenn wir am 19. Januar in Hannover spielen, liegt ein knapper Monat dazwischen und dann ist das vorbei.“ Die Zeit, sie soll in diesem Fall die Wunden heilen. Aber nicht nur. „Man kann sich die Routine in diesen Situationen erarbeiten, über Spielpraxis, aber auch über klare Entscheidungsfindungen im Training“, sagt er. Da war sie dann doch, die nur verständliche Arbeitsaufforderung an den 22-Jährigen.

Zwei Schüsse, zwei Tore

Viel Arbeit hat zweifelsfrei auch Josh Sargent noch vor sich hin. Momentan ist der US-Stürmer allerdings fleißig dabei, an einem Fußballmärchen allererster Güte zu schreiben. Der kometenhafte Aufstieg des 18-Jährigen fand nach seinem Traumeinstand gegen Düsseldorf nun eine Fortsetzung. Sargent erzielte nicht nur in seinem dritten Bundesligaspiel seinen zweiten Treffer, er benötigte dafür auch gerade einmal zwei Torschüsse. Es soll schon schlechtere Werte für einen Debütanten gegeben haben.

„Bei der Quote gibt es die relativ klare Handlungsanweisung, noch mehr zu schießen“, sagte Florian Kohfeldt lachend. „Er hat seinen Job erfüllt, er hat ihn auch viel besser erfüllt als gegen Düsseldorf, wo er abgesehen vom Tor noch viel Lehrgeld bezahlt hat.“ Diese Einschränkung ist dem Bremer Coach wichtig – nicht um den Sargent-Hype irgendwie im Keim zu ersticken, sondern um die Wahrheit zu sagen. „Heute hat er Bälle gesichert und Räume besetzt, die er nicht besetzen soll. Da ist eine große Verpflichtung an ihn, sich da jetzt reinzuentwickeln“, sagt Kohfeldt. „Bei aller Euphorie: Er muss noch viel mehr taktische Abläufe von uns kennen und kennenlernen, um auch wirklich dauerhaft mitspielen zu können. Er ist auf einem sehr guten Weg und hat sich in eine sehr gute Position gebracht. Er kann sich zu einer sehr guten Alternative für uns entwickeln.“ Perfekte Märchen, die gibt es dann eben doch nur in Büchern. Wer weiß das besser als Milot Rashica.

Wer war euer „Man of the Match“?

jamal0781 am 23.12.2018, 14:27
Sargent würd der neue Pizarro.Genau das was wir brauchen.
11
1
oldkarzwortel am 23.12.2018, 14:36
Da fehlt es nur an der richtigen Kombination von Spielern und bald kommt MaxK sein Fin und dann läuft das wieder. Wenn dann rechts noch ein Duo entsteht und der Opa sich aufs beraaten beschränkt, dann läufts.
0
9
1-Werder am 23.12.2018, 17:07
J. Sargent mag ich den Hype gönnen. Einzig habe ich Zweifel, ob auch das M-o-th-M-Votum nicht zu sehr zu seinem Vorteil ausgelegt wird. Hätte Osaka nicht hervorragend aufgelegt und wäre daraus kein Tor erwachsen, sähe das Resultat vermutlich ganz anders aus. Rashica hat die Leipziger recht aufgewirbelt, im Grunde hat er ein sehr gute Spiel absolvier, einzig das Tor hat gefehlt. Allenfalls ist das eine Frage der Mentalität. Amerikaner operieren eher nach dem Prinzip: Was kostet die Welt? Mit dieser Einstellung kann man am Anfang einer Karriere befreiter aufspielen. Nun kommt es darauf an, wie nachhaltig seine Entwicklung verläuft. Ich hoffe wie viele.... noch lange... für Werder...
3
5

Kostenlos in der gesamten Saison 2017/2018!

Download