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Ballköniginnen
16.05.2019
Scheidende Werder-Trainerin übt Kritik

„Der DFB muss sich hinterfragen“

© Christina Kuhaupt


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Frau Roth, Sie verlassen Werder mit dem Abstieg aus der Bundesliga. Den Abschied haben Sie sich sicher anders vorgestellt.

Carmen Roth: Natürlich habe ich mir das anders gewünscht. Ich bin noch immer etwas sprachlos. Die Rückfahrt aus Freiburg mit dem Bus war still. Die Mannschaft war schon sehr am Boden und die Mädels erschöpft, traurig und enttäuscht. Da war niemand gesprächig.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie da so über die Autobahn gerauscht sind?

Dass ich das alles nicht fassen kann. Wenn man 2019 so zurückkommt nach einer unglücklichen Hinrunde, dann fragt man sich: Sollte das wirklich so sein? Es sind viele Spiele an mir vorbeigezogen, unglücklich verlorene Spiele. 

Was war der Knackpunkt?

Wir haben keine gute Hinrunde gespielt und beide Spiele gegen Leverkusen verloren. Das war sicherlich ein Grund.

Und einen äußerst zerstückelten Spielplan.

Das stimmt, wir hatten zwei Spiele im Februar, zwei im März, zwei im April, und dann hast du in den letzten sieben Tagen der Saison drei Spiele. Da muss sich auch der DFB mal hinterfragen, ob das richtig geregelt war. Eigentlich sollten an den letzten beiden Spieltagen alle Spiele zeitgleich stattfinden. Wir mussten dazwischen aber noch gegen die Bayern spielen. Es kann nicht sein, dass zwei Mannschaften in der letzten Woche der Saison eine englische Woche haben. Natürlich war das nicht der ausschlaggebende Punkt, doch erholt und frisch konnten wir nicht ins letzte Spiel gehen.

Wird die Mannschaft nach dem Abstieg auseinanderfallen?

Nein, wir haben in den letzten Wochen und Monaten natürlich auf personeller und finanzieller Ebene zweigleisig geplant. Fast alle Spielerinnen haben ihren Verbleib unabhängig von der Ligazugehörigkeit zugesagt und sich klar zu Werder Bremen positioniert. Das Ziel lautet schon jetzt: Wiederaufstieg.

Wird der Abstieg Ihrer Trainer-Karriere schaden?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben in der Rückrunde guten und erfolgreichen Fußball gespielt. Der Verein hat nicht ohne Grund an mir festgehalten und mir das Vertrauen geschenkt. Nicht umsonst wurde eine Vertragsverlängerung angestrebt. Ich denke, dass die Mannschaft den eingeschlagenen Weg fortsetzen und aufsteigen wird. Daher hat es mir nicht geschadet. 

Haben Sie andere Angebote gehabt?

Es gab schon einige Anfragen, aber ich habe mich ja bewusst dazu entschlossen, eine Pause ­einzulegen. Ich gehe zurück nach München und freue mich auf meinen alten Beruf und die Kollegen in der Versicherungsbranche. Ich weiß noch nicht, wie lange die Pause sein wird. 

Kann man sich das leisten, freiwillig in der Bundesliga als Trainerin eine Pause einzulegen?

Wer weiß, vielleicht will ich ja gar nicht mehr in der Bundesliga arbeiten. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten für eine Trainerin. Und Fakt ist ja auch, dass die Bundesliga einiges tun muss. Es ist ja nicht so, dass wir jedes Jahr einen Schritt weitergehen im Frauen-Fußball, es geht eher zurück, das sieht man ja auch an den Zuschauerzahlen. Die Liga hat eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Da hat der DFB viel zu tun, die Liga noch mal interessanter zu machen.

Was muss sich ändern?

Schauen Sie sich den unregelmäßigen Spielplan an, da ist es schwer für Zuschauer und Medien, immer am Ball zu bleiben. Ich habe 13 Jahre lang in der Bundesliga gespielt, jetzt zwei Jahre als Trainerin gearbeitet und weiß trotzdem nicht, ob mein Interesse an dieser Liga noch groß genug sein wird. 

Was ist denn falsch gelaufen im Frauen-Fußball? 2011 waren bei der WM in Deutschland über 60 000 Zuschauer bei den deutschen Spielen und jeder dachte, der Frauen-Fußball ist angekommen.

Man hat in der Zeit damals die Nationalmannschaft sehr gepusht, die Liga aber zunächst vergessen. Und als es dann losging, war es eigentlich schon zu spät und die Bundesliga ist hinten runtergerutscht. Mit der Folge, dass viele Spielerinnen ins Ausland nach England und Frankreich gehen und das Leistungsgefälle in der Bundesliga riesengroß ist, noch extremer als in früheren Jahren. 

Das klingt alles nicht sehr optimistisch.

Man muss halt vieles optimieren, das fängt nun mal mit der Frauen-Bundesliga an, die interessanter gestaltet werden muss. Aber auch der Unterbau muss verbessert werden. Die zweite Liga wurde eingleisig gemacht, aber jetzt stehen Bayern II, Hoffenheim II und Wolfsburg II auf den ersten drei Plätzen und der Vierte und Fünfte steigen in die Bundesliga auf. Da muss man schon mal fragen, ob das Sinn macht. Der DFB muss generell mehr Werbung machen und auch die Live-Spiele im TV überdenken. Am letzten Wochenende wäre eine Abstiegs-Konferenz sicherlich spannender gewesen als das eigentlich unwichtige Spiel zwischen Meister Wolfsburg und Turbine Potsdam. Man kann den Frauen-Fußball besser inszenieren. An Ideen mangelt es beim DFB nicht, es hapert nur ab und an bei der Umsetzung.    

Dabei hat man ja gerade den Eindruck, dass der Einstieg für Frauen als Trainerin in Männermannschaften einfacher geworden ist.

Mittlerweile wird mehr und mehr akzeptiert, dass eine Frau im Fußball genauso gut agieren kann wie ein Mann.

Aber noch immer wartet man darauf, dass eine Frau in den ersten drei Männer-Ligen als Trainerin arbeitet.

Ich würde das gar nicht ausschließen. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Bibiana Steinhaus mal ein Spiel in der Männer-Bundesliga pfeift? Es arbeiten dort ja generell immer mehr Frauen, als Physiotherapeutin, Ärztin oder Team-Managerin. Die Akzeptanz wird immer größer, das ist sehr gut und darüber freue ich mich.

Würden Sie sich einen Trainer-Job bei den Männern zutrauen?

Zutrauen schon, aber ich weiß nicht, ob ich wirklich in dieses Haifischbecken springen würde. Das ist schon was anderes, auch der ganze Medien-Hype. Nein, ich denke eher nicht.

Bremen kehren Sie jetzt den Rücken – als richtiger Werder-Fan?

Ich habe Werder schon immer gemocht. Ich durfte ein Teil der Werder-Familie sein und kann sagen, dass mein Herz grün schlägt. Es war eine tolle Zeit. Ich werde weiter eine Werderanerin bleiben.

Das Gespräch führten Mathias Sonnenberg und Frank Büter.

Zur Person

Carmen Roth (40)

hat zwei Jahre die Werder-Frauen in der Bundesliga trainiert. Roth spielte in der Bundesliga für Niederkirchen, Bad Neuenahr und den FC  Bayern, bei dem sie später als Jugendtrainerin mit mehreren Titeln sehr erfolgreich war. 

Zur Sache

Die Nachfolge ist geregelt

Alexander Kluge wird die Fußballerinnen des SV Werder in der Zweitliga-Saison trainieren. Der 32-Jährige war bislang Coach der B-Juniorinnen. Die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt am 1. Juli. Kluge arbeitet derzeit mit Hochdruck am neuen Kader. Der Etat wird nicht ge­kürzt. Weil es aber weniger TV-Einnahmen und Sponsorengelder gibt, muss Werder mehr Eigenmittel für die Mannschaft einsetzen. 

soulphie am 16.05.2019, 16:21
Eine gute trainerin, es ist schade das nun auch unsere 1.Frauen von einem mann trainiert werden wird.
Hoffentlich wird kluge einen ball spielen lassen der die spielerinnen auch im übernächsten jahr an werder binden wird.
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