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Rasenreport
02.12.2018
Moisander im Leistungsnachweis

Der Chef nimmt sich frei

© imago


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Es ist noch gar nicht so lange her, da kam Florian Kohfeldt aus den Lobeshymnen über Niklas Moisander gar nicht mehr heraus. Anfang Oktober war es der Sieg gegen Wolfsburg, der Werders Chefcoach Anlass dazu gab: „Das war überragend, was der da hinten rausgefischt hat“, zeigte Kohfeldt sich nach dem 2:0-Erfolg angetan. Anfang November sprach Kohfeldt seinem Vize-Kapitän noch bedingungsloser das Vertrauen aus: „Er könnte – wird er aber nicht – sich auch zwei schwache Spiele erlauben, dann spielt er im dritten wieder“, sicherte Werders Chefcoach Moisander damals zu.

Nach mittlerweile fünf sieglosen Ligaspielen in Serie, darunter vier Pleiten (drei, an denen Moisander beteiligt war), muss man festhalten: Doch, Moisander wird. Und: Nein, im nächsten Spiel wird er nicht spielen. Für sein freies nächstes Wochenende sorgte der sonst so ruhige Finne mit einem rustikalen Check in der Nachspielzeit selbst, als er sich im Zweikampf gegen Robert Lewandowski die Gelb-Rote Karte abholte. Kurz zuvor hatte Moisanders angestammter Nebenmann, Milos Veljkovic, mit Adduktorenproblemen vom Platz gemusst. Gegen Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr) fehlen also voraussichtlich beide Innenverteidiger.

Bereits die erste Gelbe Karte war ein Zeugnis dessen, dass sich der Abwehrchef der Bremer an diesem Nachmittag nur bedingt zum so dringend benötigten Stabilisator eignete: In der 36. Minute hatte Moisander in Nähe des eigenen Strafraums einen für ihn untypischen Fehlpass gespielt und sah sich einem Eins-gegen-Eins-Duell mit Serge Gnabry gegenüber, in dem der Routinier sich für die Notlösung entschied, den Angreifer der Bayern kurz vor dem Sechzehner gezielt per Foul zu stoppen.

Das Timing fehlt

Eine Aktion also, in die Moisander sich selbst mit einer Unkonzentriertheit hineinmanövriert hatte und die sinnbildlich für die Tendenz steht, die zuletzt dazu führte, dass Werder deutlich mehr Chancen zuließ als noch zu Saisonbeginn: Die letzte Konsequenz, die letzte Spannung scheint gleich mehreren tragenden Säulen des Teams in manchen Situationen abhanden gekommen zu sein. Moisanders vier Fouls sind der Höchstwert der Partie. Offenbar fehlt dem Finnen derzeit ein wenig das Timing in den direkten Duellen und das Gespür für die Situation, das Moisander, der sich mit seinen für einen Innenverteidiger unterdurchschnittlichen 1,83 Metern Körpergröße und einem eher mäßigen Antritt viel auf sein Stellungsspiel verlassen muss, dringend benötigt, um Leistung zu bringen.

Dabei soll Moisanders Auftritt allerdings nicht zu einer Katastrophe stilisiert werden: Mit 16 Zweikämpfen führte der Finne die meisten direkten Duelle auf dem Platz, immerhin die Hälfte von ihnen gewann er auch. Fünf Tackles und fünf geklärte Bälle sind Bremer Bestwert. Moisander versteckt sich nicht, hat oft Zugriff auf den Gegenspieler, ist weiter präsent – nur eben manchmal unglücklicher als sonst, ob nun in der Vorwoche, als er einen Handelfmeter verursachte, oder gegen die Bayern, als ein vergeblicher Klärungsversuch einer Müller-Hereingabe vor dem 1:2 so vor die Füße Gnabrys sprang, dass dieser den Ball fast schon versehentlich ins Tor stolperte.

Schwächen im Spielaufbau

Und auch mit dem Ball am Fuß verfestigt sich der Eindruck, dass Moisander eigentlich vieles richtig macht – nur eben nicht so besonders gut wie zu besseren Zeiten, mit einigen Schnitzern mehr als sonst. Es sind Nuancen, die den Unterschied zwischen guter und schlechter Form machen, aber sie summieren sich derzeit in Bremer Reihen – gerade bei Führungsspielern wie Moisander. Der hatte im Aufbau durchaus gute Szenen, etwa vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich, als er durch einen Chipball mit dem schwächeren rechten Fuß Kruse in einem Raum freispielte, den dieser für die Flanke zum 1:1 durch Osako nutzen konnte (33.). Im Kopf aber bleiben derzeit die Bälle, die als scharfer Flachpass zum Mitspieler geplant sind, aber direkt im Fuß des Gegenspielers enden.

Die derzeitige Bremer Negativserie hat viele Gründe. Auch der Umstand, dass einige Leistungsträger ihrer Form hinterherlaufen, gehört dazu. Denn: Werder kann Spieler wie Moisander oder in den Vorwochen Kruse, der sich gegen die Bayern verbessert zeigte, nicht gleichwertig ersetzen. Eine gern zitierte Statistik ist die, dass Werder nur eines von 14 Spielen ohne Moisander gewinnen konnte, seit der Finne in Bremen spielt. Doch alleine die Anwesenheit des Routiniers reicht nicht: Er muss seine Leistung auch mit niedriger Fehlerquote auf den Platz bringen. Nach seinem unfreiwillig spielfreien Wochenende hat Moisander am Sonnabend, 15. Dezember (Anstoß: 18.30 Uhr), gegen Borussia Dortmund die nächste Chance dazu.

Weserking am 02.12.2018, 12:57
Jeder hat mal ne Krise und da kommen er auch wieder raus! Wenns bei Moisander läuft wirds auch bei Werder wieder besser laufen.
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Pit88 am 02.12.2018, 13:42
Ich finde bei ihm sieht man, dass er von der Schnelligkeit her, mit den quirligen Gegenspielern nicht mithalten kann. Bisher konnte er dieses Manko mit seiner Erfahrung ausgleichen. Das klappt momentan leider nicht mehr. Dass er keinen gleichwertigen Ersatz im Fall einer Formkrise hat, baut natürlich zusätzlichen Druck auf.
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hdwiesner51 am 02.12.2018, 14:52
Leider steht der Führungsspieler seit geraumer Zeit, genau nach seiner Rückkehr aus verletzungsbedingter Pause, neben den eignen Schuhen. Grund???
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