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29.11.2018
Wird Leistungszentrum auf Ständern gebaut?

Deichverband setzt Werder unter Druck

© Steffen von Deetzen


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In der Diskussion über den Bau eines Leistungszentrums für Werder Bremen in der Pauliner Marsch hat sich erstmals der zuständige bremische Deichverband am rechten Weserufer geäußert und für das 32-Millionen-Projekt klare Bedingungen formuliert. „Die einzige mögliche Variante wäre aus unserer Sicht, die Anlage in einer Höhe von mindestens zwei Metern auf Ständer zu stellen, damit im Notfall Wasser durchfließen kann“, erklärt Deichhauptmann Michael Schirmer. Seine Meinung war in der Angelegenheit bislang noch nicht gefragt: „Mit uns hat offiziell noch niemand gesprochen.“

Das bremische Wassergesetz schreibe zwar vor, dass in Überschwemmungsgebieten nicht gebaut werden darf, eine zusätzliche Verordnung erlaube aber eine Ausnahme, dann nämlich, wenn das Bauvolumen unter 25.000 Kubikmetern bleibe. „Das ist ganz eindeutig ein Widerspruch, und ich bin nicht glücklich damit, aber so ist es nun mal“, sagt Schirmer. Dessen ungeachtet sei es zwingend, so zu bauen, damit bei einer Überschwemmung das Wasser ungehindert abfließen kann und es keinen Rückstau gibt.

Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hat unterdessen bekräftigt, dass er die Neubaupläne von Werder unterstützen will. „Wir werden alles tun, damit das klappt“, betont Sieling gegenüber dem WESER-KURIER. Berücksichtigt werden müsse aber natürlich, dass die Pauliner Marsch ein Überschwemmungsgebiet ist. „Alle wissen, dass zunächst mal geschaut werden muss, was in diesem Zusammenhang möglich ist.“ Es gebe gewisse Standards, die eingehalten werden müssten, und es gebe die Rechte der Anwohner.

In der Frage der Finanzierung des Vorhabens hält sich der Bürgermeister bedeckt: „Wir haben mit dem Verein noch kein Gespräch über Geld geführt.“ Dem Vernehmen nach soll Werder damit kalkulieren, dass die öffentliche Hand einen Teil der Kosten übernimmt. Ein Weg dahin könnte sein, das geplante Leistungszentrum auch für andere Zwecke zu öffnen. Sieling spricht das an: „Ideal wäre, wenn davon auch der Breitensport und der Schulsport profitieren könnten.“

Baldige Gespräche geplant

Nach Informationen aus dem Wirtschaftsressort wird sich der Senat noch vor Weihnachten mit den Verantwortlichen von Werder zusammensetzen, um über das geplante Leistungszentrum zu beraten. „Es besteht ein grundsätzliches Interesse, dass der Verein in der Pauliner Marsch bleibt“, sagt Ressortsprecher Tim Cordßen. Das Projekt sei allerdings in einem noch so frühen Stadium, dass zunächst mal die Rahmenbedingungen geklärt werden müssten, allen voran die Frage des Hochwasserschutzes.

Träger des Vorhabens wäre nicht Werder allein, sondern auch die Stadt. Beide Parteien sind jeweils zur Hälfte an der Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS) beteiligt. Die BWS war es, die sich mit einer Skizze des Projekts an den Bau- und Umweltsenator gewandt hat. So teilt es auf Anfrage die Behörde mit. Mit der teilstädtischen Stadiongesellschaft im Rücken hätte Werder bei der Finanzierung andere Möglichkeiten und käme bei den Banken leichter an Kredite heran.

„Über die Skizze hinaus gibt es noch nichts“, erklärt Frank Steffe, Sprecher des Bauressorts. Sollte das Projekt in Gang kommen, werde es wahrscheinlich einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan geben. Diese Sonderform erlaubt eine zügigere Abwicklung. „Blitzschnell wird das aber sicher nicht gehen“, so Steffe.

Anwohner erwägt Klage

Sofort Makulatur wären die Pläne, sollte es Klagen der Anwohner geben. 356 Grundstückseigentümer am Osterdeich und in den Nebenstraßen haben die Möglichkeit, eine weitere Bebauung in der Pauliner Marsch zu verhindern. Das ist im Grundbuch verbrieft. Mindestens einer dieser Anwohner denkt bereits konkret daran, gegen das Projekt zu klagen: „Es liegt auf der Hand, dass ich das überlege, andere tun das auch“, sagt der Mann. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen.

Einige der Anwohner haben sich zu einer Initiative zusammengetan. Auch sie schließen eine Klage nicht aus, sind aber zunächst gesprächsbereit. „Wir finden die Planung nicht nachhaltig“, erklärt Petra Wessels, Sprecherin der Initiative. Mit einer vernünftigen Umweltpolitik habe das nichts zu tun. „Die Weser wird es richten, die kommt eines Tages“, schwant der Anwohnerin, die ein Grundstück am Osterdeich besitzt. Trotz dieser düsteren Prognose will Wessels einen Kompromiss nicht ausschließen. Die Initiative hat für den Osterdeich Tempo 30 und weitere Fußgängerquerungen ins Gespräch gebracht.

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