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16.03.2019
Völler im Mein-Werder-Interview

„Das Hinspiel ist kein Thema mehr“

© dpa


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Herr Völler, das Hinspiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen bot einige Superlative. Die Bremer kassierten mit 2:6 nicht nur ihre höchste Saisonniederlage, sie verloren auch erstmals unter Trainer Florian Kohfeldt im Weserstadion. Sie dürften dagegen schöne Erinnerungen an den Tag haben, oder?

Rudi Völler: Das ist richtig. Es war eine schwierige Phase für uns. Nicht nur die drei Punkte, sondern auch die Art und Weise des Sieges haben uns sehr gutgetan. Solche Spiele sind allerdings eher die Ausnahme. Da hat bei uns alles geklappt. Wenn wir in Führung gehen und der Gegner keinen guten Tag hat, können wir auch mal so hoch gewinnen. Drei Tage danach haben wir in Gladbach im Pokal auch noch mit 5:0 gewonnen. Das waren zwei tolle Siege gegen Topgegner.

Hilft der Kantersieg aus der Hinrunde der Leverkusener Mannschaft auch jetzt noch, wenn es wieder gegen Werder geht?

Das Hinspiel ist an diesem Sonntag kein Thema mehr. Ich glaube, das ist auch bei den Spielern so. Werder spielt eine gute Saison und hatte jetzt ein Erfolgserlebnis gegen Schalke. Wir müssen eine absolute Topleistung bieten, um gewinnen zu können.

Vom Hinspiel in Erinnerung geblieben ist neben dem Ergebnis auch, wie Sie sich nach dem Abpfiff in einer Medienrunde mächtig aufregten. Sie ärgerten sich darüber, dass der damalige Bayer-Trainer Heiko Herrlich in einem Interview des TV-Senders Sky mehrmals gefragt wurde, ob er bald gehen müsse. Würden Sie das rückblickend wieder so machen?

Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Klub oder mein Trainer zu Unrecht angegriffen wird, und ich mich dann nicht mehr aufrege, bin ich fehl am Platze. Wenn ich das mache, dann auch mit aller Wucht. Man darf natürlich nicht übertreiben und das zu oft machen, aber manchmal ist das notwendig.

Seit der Winterpause heißt der Trainer nicht mehr Heiko Herrlich, sondern Peter Bosz. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz seiner Arbeit aus?

Dass wir aus der Europa League und dem DFB-Pokal ausgeschieden sind, hat wehgetan. In der Liga läuft es richtig gut, aber wir müssen das von Woche zu Woche bestätigen. Das hat man gerade in Hannover gesehen, als 96 mit viel Leidenschaft zurückgekommen ist und fast einen Punkt geholt hätte. Am Sonntag werden aber hoffentlich bessere Platzverhältnisse herrschen als in Hannover. (lacht)

Was macht Bosz anders als Herrlich?

Wir haben die Spielweise etwas verändert. Auch unter Heiko Herrlich gab es Spiele, die wir hoch gewonnen haben, zum Beispiel das Spiel in Bremen. Aber wir waren nicht stabil genug. Man hatte das Gefühl, dass ein gewisser Stillstand im Vergleich zum Vorjahr herrschte. Da muss man dann konsequent sein. Die offensive Spielweise von Peter Bosz kommt nun vor allem den jungen Spielern zugute. Das kommt hier insgesamt super an, im Verein sowie bei den Spielern und bei den Zuschauern. Wie immer im Fußball brauchst du natürlich auch ein bisschen Spielglück. Wir sind auf einem guten Weg, aber können die Dinge richtig einschätzen.

Sie haben von 1982 bis 1987 für Werder gestürmt. Sind Spiele gegen die Bremer für Sie daher noch etwas Besonderes?

Wenn die Spiele in Bremen stattfinden, ist es eher etwas Besonderes, denn ich habe immer noch Freunde dort und komme gerne in die Stadt. Ich hatte fünf wunderbare Jahre in Bremen. Im Verein kenne ich natürlich auch einige Leute. Aufsichtsratschef Marco Bode war mein Spieler bei der WM 2002, ebenso Sportchef Frank Baumann.

Sie sind als Teamchef der Nationalelf mit Frank Baumann im Kader Vize-Weltmeister 2002 geworden sind. Seit 2016 ist er Werders Geschäftsführer Sport. Wie macht er sich?

Er macht das super. Frank wurde ja erst einmal angelernt und jetzt ist er selbst in dieser verantwortungsvollen Position. Wir haben mit Simon Rolfes bei Bayer auch so ein Urgestein. Er war zehn Jahre lang Kapitän und hat tolle Leistungen gebracht. Jetzt ist er Sportdirektor. Er vereint die notwendigen Qualitäten und hat den richtigen Stallgeruch. Es ist wichtig, dass wir ihn halten konnten und er jetzt in solch einer Position ist. Das ist ganz ähnlich wie bei Frank Baumann.

Wie finden Sie Werders Trainer Florian Kohfeldt?

Der Eindruck ist total positiv. Nicht nur die Art und Weise, wie Werder spielt, ist erfrischend, sondern er kommt auch richtig gut rüber. Er macht das sehr gut.

Und was sagen Sie als früherer Stürmer zu Claudio Pizarro? Wie schafft er das, mit 40 Jahren noch in der Bundesliga zu treffen?

Er hat sicherlich gute Gene. (lacht) Vor Claudio Pizarro ziehe ich meinen Hut. Er ist ein guter Junge und total beliebt. Manche Dinge verlernst du im Alter eben nicht. Wenn du die nötige Fitness, eine gute Schusstechnik, ein gutes Kopfballspiel und das Näschen dafür hast, wo du vor dem Tor stehen musst, dann macht dich diese Erfahrung total wertvoll. Da ist es zweitrangig, dass du nicht mehr die 100-Meter-Sprints gewinnst.

Pizarro ist Werders Rekordtorschütze, Sie liegen in dieser Liste auf Platz sechs. Bei Werder sind Sie Torschützenkönig, Fußballer des Jahres und Nationalspieler geworden. Stimmt es, dass Otto Rehhagel Ihnen solch einen Aufstieg prophezeite, als er Sie 1982 verpflichtete?

Ja, das hat er mir gesagt. Als ich nach Bremen gewechselt bin, war Werder erst seit einem Jahr wieder in der Bundesliga und war noch nicht die Topadresse. Ich hatte damals auch ein paar andere Anfragen, aber für mich waren die ersten Gespräche mit Otto Rehhagel wichtig. Er war von meinen Möglichkeiten überzeugt. Und ich habe durch ihn dann tatsächlich einen Schub bekommen und meine Karriere ging steil nach oben. Werder war der richtige Klub zur richtigen Zeit für mich.

1987 haben Sie Bremen verlassen und sind nach Rom gewechselt. War das nicht ein Jahr zu früh?

Ich hatte sogar schon 1984 super Angebote vom AC Mailand und vom FC Barcelona. Aber damals war es noch anders als heute, da ist man in jungen Jahren nicht gleich ins Ausland gewechselt. Zudem habe ich mich bei Werder sehr wohl gefühlt. Daher bin ich in Bremen geblieben und habe meinen Vertrag verlängert. Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem ich etwas anderes machen wollte. Italien war zu der Zeit das Maß aller Dinge im Fußball. Deshalb wollte ich unbedingt nach Italien.

Die Frage zielte darauf ab, dass Sie 1988 mit Werder Meister geworden wären. Jetzt fehlt Ihnen dieser Titel in Ihrer langen Erfolgsliste.

Das ist halt so. In meinen fünf Jahren bei Werder sind wir dreimal Zweiter geworden. Im Grunde hat mein bester Kumpel Michael Kutzop dafür gesorgt, dass ich nicht Deutscher Meister geworden bin (Kutzop verschoss 1986 einen Elfmeter, der Werder zum Meister gemacht hätte, Anm. d. Red.). Das halte ich ihm heute noch vor, dem armen Kerl. (lacht)

Das Gespräch führte Christoph Bähr.

Rudi Völler (58)

schaffte seinen großen Durchbruch als Stürmer in den 80er-Jahren bei Werder. Später wurde er Weltmeister und Champions-League-Sieger. Jetzt ist er Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen.

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