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Rasenreport
01.12.2018
Fünf Gründe für einen Erfolg gegen Bayern

Darum hat Werder richtig gute Siegchancen

© nordphoto


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Die Gegentore

Es ist ein für Münchener Verhältnisse beeindruckender Wert: Satte 17 Treffer hat der Branchenprimus in zwölf Spielen schon kassiert. Das ist bei einem mit Weltklasse-Könnern gespickten Team kaum vorstellbar. In der Saison 2015/2016 gab es unter dem damaligen Trainer Pep Guardiola ebenfalls 17 Gegentore – in der gesamten Spielzeit! Mit der jetzigen Zwischenbilanz reichte es letztmals vor einer gefühlten Ewigkeit zum Titel. 1974 war es, um genau zu sein.

Wenig verwunderlich, dass die Abwehrarbeit für reichlich Missmut sorgt. Uli Hoeneß brandmarkte sie mit dem Wort „Slapstick“ und schob hinterher. „Es war wie in einem schlechten Film.“ Zudem habe der Bayern-Präsident das Gefühl, „dass man bei jedem Angriff Gefahr läuft, ein Gegentor zu bekommen.“ Und auch Coach Niko Kovac meinte ungläubig: „Das sind individuelle Fehler, die kein Trainer der Welt verhindern kann. Das muss der Spieler lösen, wie er es eben lösen muss. Das Verteidigen ist eigentlich relativ einfach.“ Eine Ausgangslage, die Werder Mut machen sollte und quasi dazu einlädt, die Gäste ordentlich zu beschäftigen. So schwer das gegen einen Kader dieser Güte auch sein mag.

Das Tempo

Die Bayern wirken vor allem dann angreifbar, wenn es richtig schnell geht. Werder-Trainer Florian Kohfeldt hat in seiner Vorbereitung auf das Heimspiel am Sonnabend beobachtet, „dass die Bayern aktuell sogar bei Kontern Räume anbieten“. Sein Düsseldorfer Kollege Friedhelm Funkel meinte zuletzt nach dem überraschenden 3:3 in München gar: „In der Defensive sind sie sehr, sehr anfällig“, vor allem deshalb, weil „Selbstvertrauen und Grundschnelligkeit“ fehlten.

Für Werder bietet das fraglos Optionen, allerdings müsste die Systemfrage noch einmal komplett überdacht werden. In der Theorie wären Milot Rashica und Florian Kainz prädestiniert für einen Startelf-Auftritt als vorderste Spitzen, da sie bei Werder die meisten PS auf den Rasen bringen. Das könnte reichen, um die Geschwindigkeitsdefizite der Bayern zu nutzen. Das Problem: Sowohl der Kosovare als auch der Österreicher sind nicht gerade als eiskalte Knipser bekannt. Allzu viele Chancen wird es nämlich wohl selbst gegen schwächelnde Münchener nicht geben. Andererseits haben beide Spieler schon bewiesen, dass sie wichtige Tore erzielen können. Warum nicht also auch jetzt?

Das Selbstverständnis

Das bis dato letzte Aufeinandertreffen im vergangenen Januar war wie eine Offenbarung für die Bremer. Trotz einer 2:4-Niederlage in München. Dort haben sie gemerkt, dass sie sich mit ihrer Art Fußball zu spielen, nicht einmal vor dem Rekordmeister verstecken müssen. Dieses Spiel bildet im Grunde bis heute die Basis für alles, was Florian Kohfeldt mit seiner Mannschaft anstellt. Diese Begegnung ist der Referenzwert, der immer wieder von den Beteiligten genannt wird. Daraus ist ein neues Selbstverständnis erwachsen, das fernab jeglicher Überheblichkeit liegt, aber trotzdem das eigene Können in den Vordergrund stellt.

Natürlich gibt es auch weiterhin einen großen Respekt vor dem FCB – alles andere wäre auch grob fahrlässig –, aber er fällt vielleicht nicht mehr ganz so übermäßig aus wie sonst. Ein ligaweites Phänomen. Anstatt in Ehrfurcht zu erstarren und das nächste Debakel über sich ergehen zu lassen, ist der Glaube an sich selbst inzwischen wieder mehr als eine gern bemühte Floskel.

Die Moral

Werders neue Mentalität stärkt obendrein die Moral, was sich bereits drei Mal in Ergebnissen ausgedrückt hat. Beim Saisonauftakt wurde gegen Hannover spät ein Rückstand bereinigt, in Frankfurt sorgte ein Rashica-Freistoß für Jubel. Und zuletzt in Freiburg reichte es im Schlussspurt tatsächlich noch zu einem Remis. Anders die Bayern: Gerade in der Schlussphase schwächelte das Star-Ensemble in der Liga zuletzt. Wo einst geduselt wurde, gab es nun Rückschläge. Unerwartete Fehler führten dazu, dass plötzlich mächtig gewackelt wurde und der Meister angreifbar war.

Werder tut also gut daran, auch dieses Mal bis zum Ende an die eigene Chance zu glauben. Denn was hat die Mannschaft eigentlich zu verlieren? Antwort: Nicht viel. Tabellarisch steht Werder so gut da wie lange nicht – und ohne den Druck des Abstiegskampfes könnte es noch einmal eine zusätzliche Leichtigkeit geben.

Das Theater

Die Zeiten des FC Hollywood schienen vorbei. Mittlerweile gibt es aber wieder allerlei Querelen an der Säbener Straße. Die Verantwortlichen reagieren enorm dünnhäutig und liefern den Nährboden für Nebenkriegsschauplätze. Der ausbleibende Erfolg hat dazu geführt, dass auch mannschaftsintern nicht überall die Sonne scheint. Besonders Trainer Niko Kovac steht bei Teilen des Teams in der Kritik. „Man sprach von Vieren, die gegen uns seien, aber man sprach nicht von denen, die auf meiner Seite sind“, sagte Kovac nach dem Champions-League Duell mit Benfica Lissabon, bei dem es eine demonstrative Umarmung mit Franck Ribery gegeben hatte.

Nach dem 5:1-Erfolg gegen die Portugiesen sagte Kovac zudem beinahe verteidigend: „Die Spieler sehen, dass das, was wir ihnen an die Hand geben, schon sinnvoll ist. Nur sie müssen es eben 90 Minuten mit Leben füllen.“ Das klingt trotz des Sieges alles reichlich fragil. Werder hat eine gute Gelegenheit, das gesamte Gebilde wieder etwas näher an den Einsturz zu bringen. Das weiß auch Arjen Robben: „Wenn du am Samstag nicht gewinnst, ist wieder Unruhe.“

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:

bastianwienands@gmail.com am 01.12.2018, 10:28
Also sehe ich das richtig: Alles was aus eurer Sicht für einen Sieg gegen die Bayern spricht, sind die Schwächen, die sie im bisherigen Saisonverlauf gezeigt haben? Da würde ich mitgehen wenn Werder in der Form der ersten Saisonspiele wäre. Da haben die Jungs wie ein aggressiver Wespenschwarm aufs gegnerische Tor gespielt, also - um im Bild zu bleiben- so lange auf dwn Gegner eingestochen bis der sich eine Schwäche leistet. In den letzten Spielen war aber eher ein halb betäubter Haufen Hummeln zu sehen. Wenn sie es schaffen dieses aggressive, kompromisslose Spielweise, gepaart mit der nötigen Präzision in den entscheidenden Momenten wieder auf den Platz zu bringen, dann ist da sicher was drin.
Da muss jetzt echr was kommen, sonst stoßen sich die Bayern am Ende an uns gesund, wie Leverkusen (wobei beim FCB eindeutig mehr im Argen liegt).
Kurz gesagt, ich hoffe auch auf einen Sieg, ich verstehe aber trotzdem nicht woher dieser ganze Optimismus kommt 😉
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Pit88 am 01.12.2018, 11:16
Da gehe ich absolut mit. Schöner Beitrag. Besonders der "Ausflug" in die Welt der Insekten hat mir gut gefallen.👍
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Flensi am 01.12.2018, 11:58
Sie müssen es wollen und genau das ist es was mir die letzten vier Spiele gefehlt hat,dieser unbedingte Wille aber vielleicht sehe ich es auch falsch und sie können es nicht besser Taktik hin oder her. Ich behaupte es wäre besser auf unsere Stärken zu setzen als auf den Gegner zu reagieren und mit 3er/5erKette zu spielen dann lieber 4 4 2 mit Raute aber ich bin nur Fan und kein Bulitrainer oder Experte
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susanneundjens am 01.12.2018, 11:19
Taktik heute ändern und Defensive stärken, hinten dicht machen und 2. Halbzeit Bayern auskontern. Wenn Kohfeldt meint es ginge genau andersherum, wird es böse heute.
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wolfgramm am 01.12.2018, 13:02
Sehe ich anders,gegen Bayern auf halten spielen klappt nicht.Gegen verunsicherte Bayern muss man den offenen Schlagabtausch wagen.Bin ich sonst eher für Defensive gilt das in diesem Spiel nicht.Bin gespannt,wie Werder agiert.Das im Bericht wieder genannte "man stand noch nie so gut wie jetzt" kann ich bald nicht mehr hören.Die Tabellensituation sieht inzwischen längst nicht mehr so gut aus.Wenn es schlecht läuft sind Mainz,Hertha,Wolfsburg vorbei.Ich hoffe,ich denke nicht wieder zu negativ.
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FlyKilla am 01.12.2018, 11:45
Und nach dem Spiel kommen die 5 Gründe warum es dieses Mal auch nicht geklappt hat
Sorry, ich glaube das es ein hart umkämpftes unentschieden wird. (Hoffe für mich im stillen, das es doch zu einem Sieg reicht.)
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