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29.09.2018
Die dramatischsten Werder-Spiele in Stuttgart

Blut, Schweiß und Tränen

© dpa


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101 Mal haben Werder und der VfB Stuttgart in der Bundesliga gegeneinander gespielt. 333 Tore sind dabei gefallen, davon 176 für Werder. Es hat große Begegnungen gegeben, wir haben die sechs denkwürdigsten Spiele in Stuttgart seit den 80er-Jahren herausgesucht.

26. April 1986

Die Geschichte dieses Spiels beginnt im Grunde schon vier Tage vor dem Anpfiff. Am Dienstag, bevor Werder am letzten Spieltag der Saison zum VfB Stuttgart muss, ist der FC Bayern im Weserstadion zu Gast. Es ist DAS Top-Spiel. Werder kann mit einem Sieg vorzeitig deutscher Meister werden. Eine Minute vor Schluss, es steht noch 0:0, kommt es zum vielleicht berühmtesten Fehlschuss der Bundesliga-Geschichte. Elfmeter für Werder, Michael Kutzop läuft an und verschießt. „Ich höre noch heute, wie der Ball gegen den Pfosten klatscht“, sagt Kutzop noch 25 Jahre später. Das Spiel endet 0:0, Werder muss deshalb in Stuttgart den einen noch fehlenden Punkt holen. Doch daraus wird nichts.

Während die Bayern ihren Pflichtsieg einfahren – 6:0 gegen Gladbach –, gerät Werder durch zwei Tore von Karl Allgöwer mit 0:2 in Rückstand. Werder-Trainer Otto Rehhagel hat schon zur Pause reagiert, zweimal gewechselt – mehr war damals nicht erlaubt -, aber es dauert bis zur 79. Minute, ehe Manfred Burgsmüller auf 1:2 verkürzt. Ein Tor fehlt Werder nun noch, aber es fällt nicht. „Das hier hat mich mehr getroffen als damals der Abstieg“, sagte Werder-Präsident Franz Böhmert. An 32 von 34 Spieltagen war Werder Tabellenführer gewesen. Kritik gibt es an Rehhagel: Er ließ das Sturm-Duo Völler/Ordenewitz beginnen; Völler war nicht fit, Ordenewitz galt vielen mit 21 als zu jung.

Im Hinspiel gegen den VfB war Werder übrigens alles gelungen: Burgsmüller, Ordenewitz und Kutzop hatte beim 6:0-Sieg je doppelt getroffen.

5. Juni 1993

Wieder ein Bundesliga-Finale, wieder sind Werder, der VfB und die Bayern beteiligt. Die Ausgangslage: Werder und Bayern führen die Tabelle mit 46:20 Punkten an, damals gab es noch zwei Punkte für einen Sieg, und Minuspunkte wurden mitgerechnet. Werder hat das um einen Treffer bessere Torverhältnis. Ganz so dramatisch wie sieben Jahre zuvor wird es nicht, aber spannend ist es allemal. Zur Pause sieht es gut für Werder aus: Die Bayern liegen gegen Schalke mit 1:2 zurück, Werder hält in Stuttgart ein 0:0. Und dann geht es ganz schnell. Bernd Hobsch (46.) und Thomas Wolter (50.) bringen Werder 2:0 in Führung. Die Bayern geben nicht auf, gehen nach Toren von Lothar Matthäus und Jan Wouters mit 3:2 in Führung, doch auch Werder kann nachlegen. Nach dem 3:0 durch Hobsch müssen die Bayern in der Schlussviertelstunde drei Tore aufholen – sie schaffen es nicht, mehr noch: Sie kassieren sogar den 3:3-Ausgleich.

In Stuttgart startet derweil unter den 5000 mitgereisten Bremern eine Party in Grün-Weiß. Die Mannschaft feiert zwei Stunden lang im Stadion, schlägt dann im Aktuellen Sportstudio in Mainz auf und feiert tags darauf auf dem Rathausbalkon mit 20.000 Bremern. „Wir sind erfahren im Feiern“, sagte Thomas Wolter, „aber ich habe trotzdem immer noch eine Gänsehaut.“

28. März 2004

Es ist ein Sonntagabend, als das vielleicht verrückteste Spiel in Werders Double-Jahr stattfindet. Werder führt die Tabelle bereits mit einem stattlichen Vorsprung vor den Bayern an, der VfB ist Dritter. Tatsächlich entwickelt sich in Stuttgart ein Top-Spiel. Werder gerät drei Mal in Rückstand, VfB-Verteidiger Marcelo Bordon trifft dreifach. Für Werder gleicht Ivan Klasnic zweimal aus – zum 1:1 und 2:2. Dann bringt Ailton Werder in Führung. Aber nicht für lange. Bordon zum dritten Mal und Marco Streller drehen die Partie – 4:3 für Stuttgart. Aber wieder nicht für lange. Ailton trifft nur 60 Sekunden später zum 4:4. Die letzten zehn Minuten bestreitet Werder nach Gelb-Rot für Christian Schulz in Unterzahl, doch das macht Werder in diesen verrückten Wochen nichts, Werder stürzt nicht. Es bleibt beim 4:4. „Wir haben Unentschieden gespielt, aber trotzdem gewonnen“, sagte Werder-Torwart Andreas Reinke, der zwei Jahre später eine tragische Rolle in Stuttgart spielen sollte.

8. Februar 2006

In der 77. Minute stockt den 30.000 Zuschauern in Stuttgart der Atem. Werder-Torwart Andreas Reinke hat den Ball nach einem Steilpass sicher, aber der heranstürmende VfB-Verteidiger Martin Stranzl rutscht aus und trifft den Werder-Torwart mit dem Knie im Gesicht. Alles ist voller Blut. Reinke wird fünf Minuten lang auf dem Platz behandelt, kommt ins Krankenhaus und wird dort operiert, fünf Stunden lang. Mehrere Knochen im Gesicht sind gebrochen, die Gehirnrinde gequetscht. Reinke, so heißt es, habe sich vor der OP Zettel und Bleistift geben lassen, um sein Testament zu schreiben. Doch es ging gut. Ein paar Wochen später kann er wieder trainieren. Aber Stammtorwart ist da längst ein anderer: An Tim Wiese, der nach zwei Kreuzbandrissen über ein Jahr lang ausgefallen war, wird Reinke nicht mehr vorbeikommen, 2006/2007 vertritt er Wiese noch drei Mal, dann beendet Reinke mit 38 seine Karriere. Dass die Stuttgart-Partie seinerzeit 0:0 endet, interessiert nur am Rande. Die Bayern sind damals weit enteilter Tabellenführer und bleiben es bis zum Schluss. Werder erobert Platz zwei am letzten Spieltag mit einem 2:1 beim HSV mit Ailton zurück, aber das ist eine andere Geschichte.

7. November 2010

Werders fette Jahre sind vorbei. Dieser Eindruck verfestigt sich im Herbst 2010 und findet im Auftritt in Stuttgart seine traurige Bestätigung. Werder ist zu dem Zeitpunkt zwar noch Champions-League-Teilnehmer, wird aber nach der Gruppenphase ausscheiden. Auch in der Liga läuft es so schlecht wie noch nie in der Ära Thomas Schaaf. Werder ist Elfter, die teuren Neuzugänge Marko Arnautovic und Wesley helfen der Mannschaft nach dem Abgang von Mesut Özil nicht weiter. Das wird an diesem feuchten und kalten Sonntagabend in Stuttgart überdeutlich. Cacau schießt früh das 1:0 für den VfB, der Drittletzter ist. Dann hat Torsten Frings die Chance, vom Elfmeterpunkt auszugleichen, aber Sven Ulreich hält. Und bei Werder brechen alle Dämme. Noch zweimal Cacau, Christian Gentner, Georg Niedermeier und Arthur Boka schießen Stuttgart zum 6:0. Dass Tim Wiese nach 61 Minuten noch einen Elfmeter von Cacau hält, ist Schadensbegrenzung, die eigentlich gar nicht mehr möglich ist. Werder schließt die Saison auf Platz 13 ab, einen Platz hinter dem VfB.

9. Februar 2013

Es war der letzte Versuch, an bessere Werder-Zeiten anzuknüpfen. Klaus Allofs und Thomas Schaaf hatten im Sommer Kevin De Bruyne, Sokratis, Nils Petersen und Eljero Elia geholt. Aber Manager, Trainer und Mannschaft schafften die Trendwende nicht. Dabei keimte immer wieder Hoffnung auf. De Bruyne setzte fußballerische Glanzlichter, Sokratis wurde zu einem der besten Verteidiger der Liga, Petersen hatte am Ende elf Tore geschossen. Und am 21. Spieltag triumphierte Werder mit 4:1 in Stuttgart, zweifacher Torschütze: Mehmet Ekici, noch so einer aus der Reihe verheißungsvoller Jungprofis, die Werder in jenen Jahren geholt hatte. Aber der Sieg in Stuttgart, zu dem auch Aaron Hunt und De Bruyne Treffer beisteuerten, blieb ein Strohfeuer. Werder beendete die Saison auf Platz 14, Schaaf musste am 33. Spieltag gehen. Von Allofs hatte sich Werder bereits ein halbes Jahr früher getrennt.

Hier gibt es die Umfrage zum Spiel:

 

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