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Rasenreport
21.12.2018
Vor schwerem Auswärtsspiel in Leipzig

Bloß nicht straucheln

© dpa


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Ein einziger Fernseh-Auftritt reichte aus, und Ralf Rangnick hat bis heute den Ruf eines Fußball-Professors inne. Vor 20 Jahren, im Dezember 1998, erklärte der damalige Trainer des Bundesliga-Aufsteigers SSV Ulm im ZDF-Sportstudio an einer Taktiktafel ausführlich die relativ neue Viererkette und weitere taktische Feinheiten. Florian Kohfeldt war damals ein 16-jähriger Nachwuchstorhüter aus Delmenhorst. Heute wäre dem Werder-Trainer ein ähnlicher Auftritt wie der von Rangnick ohne Weiteres auch zuzutrauen. Kohfeldt redet ebenfalls sehr gerne über Taktik und schafft es, dabei nicht zu langweilen. Da verwundert es nicht, dass er mit großer Hochachtung über Rangnick spricht. „Ralf Rangnick hat den Fußball in Deutschland mit verschiedenen Projekten geprägt“, sagte Kohfeldt am Freitag. „Ich finde es immer sehr beeindruckend, wenn jemand für eine klare Idee steht.“

Respekt vor der Wucht

Wenn Werder am Sonnabend (15.30 Uhr) bei RB Leipzig gastiert, treffen Kohfeldt und Rangnick zum ersten Mal aufeinander. „Ich kenne ihn persönlich bisher nicht, freue mich aber sehr darauf, solch einen renommierten Kollegen kennenzulernen“, betonte Kohfeldt. Er hat nicht nur Rangnicks Werdegang verfolgt, sondern weiß auch genau, für welche Art von Fußball der Leipziger Coach steht. Der Fokus liege klar auf dem Umschaltspiel und der Intensität. „Er passt seine Idee aber in Feinheiten an. Sie gehen nicht mehr ganz so hoch ins Pressing und sind variabel in den Grundordnungen. Das ist sicher auch der Mehrfachbelastung in dieser Saison geschuldet“, analysierte Kohfeldt.

Klar ist: Werder bekommt es, wie schon in Dortmund und phasenweise gegen Hoffenheim, mit einem Gegner zu tun, der extrem auf das Tempo setzt. „Wir müssen die Leipziger Wucht überstehen“, sagte Kohfeldt. Die bisherigen zwei Gastspiele in Leipzig verlor Werder. Mut macht Kohfeldt jetzt die Vorstellung beim 1:1 gegen Hoffenheim, als die Bremer in der zweiten Halbzeit lange keine gegnerischen Chancen zuließen. „Wir hatten eine extreme Kontrolle mit viel Ballbesitz, eine sehr gute Konterabsicherung und haben trotzdem Druck nach vorne gemacht“, fasste Kohfeldt zusammen. Eine ähnliche Leistung braucht es auch gegen den Tabellenvierten Leipzig. Wenn die Bremer nämlich die Absicherung vernachlässigen, sind die schnellen Offensivleute des Gegners nicht zu stoppen.

Keine Angst vor Werner

Insbesondere Timo Werner steht stellvertretend für den Leipziger Tempofußball. Werders Mittelfeldspieler Kevin Möhwald macht der wieselflinke Nationalstürmer allerdings keine Angst. „Wir haben sehr gute Verteidiger. Die wissen schon, was zu tun ist“, sagte er. Natürlich seien auch die Mittelfeldspieler in der Defensivarbeit gefordert. Mit Möhwald und Davy Klaassen auf den Achter-Positionen sowie Maximilian Eggestein als Sechser, der sich immer wieder in die Abwehrkette zurückfallen ließ, harmonierte das Bremer Mittelfeld gegen Hoffenheim gut. Daher sprach Kohfeldt Möhwald sogar eine Einsatzgarantie für das Leipzig-Spiel aus, was auch damit zu tun hatte, dass Nuri Sahin weiterhin Sprunggelenksprobleme plagen. Der defensive Mittelfeldmann ist mit nach Leipzig gefahren, ob er im Kader steht, entscheidet sich kurzfristig.

Sicher wieder im Aufgebot ist Milos Veljkovic nach seinem Muskelfaserriss. Normalerweise galt der serbische Nationalspieler in der Innenverteidigung als gesetzt neben Niklas Moisander, der das Abschlusstraining am Freitag verpasste, aber voraussichtlich trotzdem spielen kann. Nun gab Kohfeldt jedoch zu bedenken, dass Veljkovic erst eine lockere Einheit bestritten hat. „Sein Status in der Mannschaft hat sich nicht verändert, aber er kommt eben aus einer Pause.“ Gut möglich ist also, dass Sebastian Langkamp wieder neben Moisander auflaufen darf. „Er hat das gegen Dortmund und Hoffenheim sehr gut gemacht“, sagte Kohfeldt.

Mit Lockerheit gegen die Chancenwucher

Während Werders Defensivleistung im Hoffenheim-Spiel viel gelobt wurde, musste sich die Offensivabteilung wegen der vielen vergebenen Chancen Kritik anhören. Kohfeldt will dieses Thema aber nicht zu sehr in den Fokus rücken. „Wir dürfen uns keine Blockade herbeireden“, unterstrich er. Gerade mit den jüngeren Offensivspielern wie Johannes Eggestein, Josh Sargent oder Milot Rashica, der gegen Hoffenheim zwei hochkarätige Möglichkeiten ausließ, arbeite er im Training regelmäßig an den Automatismen im Abschluss. „Das ist trainierbar, aber es ist ein Langzeitprojekt“, erklärte Kohfeldt. Kurzfristig gehe es vor allem darum, mit Rashica zu reden, damit er „sich nicht die gesamte Last auf die Schultern lädt, er ist nicht alleine verantwortlich“.

Dann gab Kohfeldt sogar ein Versprechen ab: „Wir werden in Leipzig Chancen haben und Tore schießen.“ Mit einem Sieg im letzten Spiel des Jahres könnten die neuntplatzierten Bremer ihrem Ziel Europa League wieder näher kommen. Mit einer Niederlage könnte der Abstand zu den europäischen Rängen bis auf sechs Punkte anwachsen. Kohfeldt betonte dennoch: „Auf gar keinen Fall steht und fällt die Hinrunde mit dem Leipzig-Spiel.“ Dass es darum geht, in einer guten Ausgangsposition in die Rückrunde zu starten, wollte der Trainer aber nicht verhehlen. „Jeder Punkt hilft dabei.“ Aus den Partien gegen Dortmund (1:2) und Hoffenheim (1:1) sprang trotz guter Leistungen nur ein Zähler heraus. Kohfeldt setzt nun auf eine Trotzreaktion in Leipzig. „Du kriegst viel Lob von den gegnerischen Trainern und von den Medien“, sagte er. „Aber du hast das Gefühl, dass du dich jetzt auch mal belohnen musst.“

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:


WERDER2016 am 22.12.2018, 13:06
Die ersten 20 bis 30 Minuten schadlos überstehen und eventuell selbst Nadelstiche setzen. Danach könnte RB dann trotz aller Beteuerungen doch müde werden, was die Chance für Werder ist. Erwischt Leipzig einen guten Tag, wird es schwer.
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