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02.04.2019
Schalkes Büskens im Mein-Werder-Interview

„Baumann und Bode sind nicht zufällig da“

© dpa


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Auf Schalke haben mit Ihnen und Huub Stevens die Eurofighter wieder das Kommando übernommen. Wie können Sie es schaffen, die Mentalität der Uefa-Cup-Sieger von 1997 auf die heutige Mannschaft zu übertragen?

Indem wir die Werte, für die wir standen und stehen, tagtäglich vorleben. Das muss unsere Botschaft sein an die Jungs, ihnen klarzumachen, was dieser Verein für die Leute in der Region bedeutet. Dass es eben nicht irgendein Klub ist, sondern dass man dieses Trikot mit Stolz trägt.

Kam die Länderspielpause dazu gerade recht?

Wir konnten die Pause ganz gut nutzen, auch wenn einige Nationalspieler fehlten oder Ralf Fährmann und Guido Burgstaller ausfielen. Wir haben in sehr, sehr intensiven Trainingseinheiten mit den Jungs gearbeitet und ein Gefühl füreinander entwickelt. Auch Spieler aus der U23 und der U19 konnten sich zeigen, für einen hat es sich schon gelohnt: Der junge Nassim Boujellab feierte beim Sieg in Hannover sein Bundesligadebüt.

Wie wichtig war der 1:0-Erfolg in Hannover, um die Situation auf Schalke in den Griff zu bekommen?

Eminent wichtig. Wir waren nicht mit allem zufrieden, haben aber eine gute Mentalität gezeigt und eine hohe Bereitschaft, das Spiel zu gewinnen. Das war aber nur ein kleiner Schritt, viele große Schritte müssen noch folgen.

Als Stevens einst bei den Eurofightern erstmals in die Kabine kam, war sofort Ruhe und jeder wusste, wer jetzt der Chef ist. Wie war es diesmal, bei der neuen Spielergeneration?

Es ist ja bekannt, dass Huub Stevens gewisse Dinge klar einfordert. Disziplin etwa und Organisation. Er hat aber vor allem an alle appelliert, um was es jetzt geht und dass alles andere jetzt hintenanstehen muss. Natürlich ist jedem klar, wer nun den Hut aufhat. Einer muss in so einer Situation die Richtung vorgeben, das ist im Fußball so. Aber Huub Stevens lässt nicht nur rudern, er rudert selbst mit.

Jetzt kommt Werder zum Pokal-Viertelfinale nach Schalke. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Bremen ist 2019 noch ungeschlagen und hat deshalb natürlich viel Selbstvertrauen. Ein Team mit richtig guten Jungs, die gerade im Flow sind und ein Spiel mit einer Aktion entscheiden können. Da müssen wir kompakt gegen den Ball arbeiten, damit Werder nicht in seinen Rhythmus kommt, und selbst mutig nach vorne spielen, dabei aber im letzten Drittel noch durchschlagskräftiger werden.

Haben Sie bewusst „noch ungeschlagen“ gesagt?

Wir wollen das natürlich ändern. Wenn du als Schalke 04 nicht den Anspruch hast, auch gegen eine sehr gute Mannschaft von Werder das Pokal-Halbfinale erreichen zu wollen, dann könnten wir gleich die Fußballschuhe ausziehen. Dann bräuchten wir ja gar nicht antreten. Man bekommt als Spieler nicht oft die Chance, ein Pokalfinale in Berlin zu erleben. Ich würde das vielen Schalkern gönnen, die das noch nicht erlebt haben.

Treibt es Sie und Stevens denn auch an, mit einem Pokalsieg endgültig Schalker Legenden zu werden, wenn man das überhaupt noch toppen kann?

Uns treibt die Liebe und Besessenheit zum Fußball an – und zu diesen Vereinsfarben. Wir kommen beide nicht aus dem Ruhrgebiet, aber die Jahre hier und die Leute haben uns geprägt mit ihrer Liebe zu Schalke 04. Natürlich ist es gerade im heutigen Fußball auch wichtig, Titel auf der Visitenkarte zu haben. Egal, wie viel du in deiner Laufbahn verdienst, eine goldene Medaille in Berlin zu bekommen und den Pokal festzuhalten, das bedeutet viel mehr.

Der Pokal ist diese Saison Schalkes letzte Chance auf einen Titel und damit auch auf die erneute Teilnahme am Europacup – ist das Spiel gegen Werder deshalb extrem bedeutend, oder ist der Existenzkampf in der Liga inzwischen wichtiger?

Da will ich gar nicht vergleichen. Wenn du ins Halbfinale des Pokals einziehst, kannst du daraus enorm viel Selbstvertrauen ziehen. Auch wenn es platt klingt: Jedes Spiel, das jetzt noch kommt, ist für uns extrem wichtig. Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass wir in der Liga aus dem Gröbsten raus sind. Aber wenn du im Pokal-Viertelfinale stehst, musst du diese Chance ergreifen wollen.

Hat Schalke gegen Bremen überhaupt einen Heimvorteil? Schließlich tut sich die Mannschaft daheim seit Wochen enorm schwer, Tore zu schießen.

Vor so einem Spiel sollten wir keine Statistiken wälzen. Wenn Deniz Aytekin um 20.45 Uhr anpfeift, hast du 90 oder 120 Minuten Zeit. Dann ist es völlig unwichtig, ob vor ein paar Wochen der Ball am Tor vorbeiging. An diesem Mittwoch musst du da sein und die Chance nutzen.

Trotzdem: Beide Duelle in der Bundesliga hat Schalke gegen Werder verloren …

… aber nicht unter vergleichbaren Voraussetzungen, sondern mit einer anderen Spielidee und einem anderen Trainerteam. Deshalb darf man diese Niederlagen gegen Werder nicht überbewerten.

Schalke stand lange für leidenschaftlichen Fußball mit individueller Klasse. Jetzt steht Werder dafür. Wie konnten sich die beiden Vereine zuletzt so unterschiedlich entwickeln?

Ich habe allergrößten Respekt vor der Arbeit bei Werder. Aber bei dieser Schere reden wir von dem letzten Dreivierteljahr, diesen kurzen Zeitraum sollten wir nicht zu hoch hängen. Werders Entwicklung ist super, wir müssen erst wieder dahin kommen, auch so wahrgenommen zu werden: gemeinsam für etwas zu stehen, eine gemeinsame Stärke zu haben. Das ist aber nicht nur Aufgabe des Trainerteams, da sind alle gefragt: die Kabine, die Mitarbeiter und die Fans. In Hannover waren 10.000 Schalker. Das ist unser Pfund.

Sie haben viel erlebt im Fußball. Wie sehen Sie den jungen Kollegen Florian Kohfeldt?

Er macht einen fantastischen Job. Dadurch, dass er sich durch den Nachwuchs und die zweite Mannschaft hochgearbeitet hat, kannte er die Strukturen im Verein und im Profikader und auch die Nachwuchsspieler, die er einbauen konnte. Er bewegt sich in einem Umfeld, das weniger hektisch ist als Schalke. Werder hat sehr geschlossene, stabile Strukturen. Frank Baumann und Marco Bode, die haben das Werder-Gen. Die wissen genau, was man braucht, um Werder stark zu machen. Mit einem jungen, innovativen und mutigen Trainer konnten sie das leisten. Natürlich brauchst du nicht nur Leute, die das Vereinslied rauf und runter singen können, sondern du brauchst auch den Input von außen. Du brauchst die Synergie daraus. Bei diesem Thema geht es eben nicht um Betriebsblindheit, sondern um Identifikation. Leute wie Baumann oder Bode sind ja nicht zufällig in diese Positionen gekommen.

Zur Person:

Mike Büskens (51) ist Co-Trainer auf Schalke und muss bereits zum dritten Mal im Trainerteam des S04 aushelfen, eine Saison zu retten. Als Schalker Spieler gewann er unter Huub Stevens 2001 und 2002 den DFB-Pokal. Jetzt will das Duo gegen Werder den Traum von Berlin am Leben halten – trotz aller Abstiegssorgen.

Altobelli am 03.04.2019, 07:29
"...Er bewegt sich in einem Umfeld, das weniger hektisch ist als Schalke. Werder hat sehr geschlossene, stabile Strukturen. Frank Baumann und Marco Bode, die haben das Werder-Gen. Die wissen genau, was man braucht, um Werder stark zu machen. Mit einem jungen, innovativen und mutigen Trainer konnten sie das leisten."


Aus diesem Grund ist Werder auch wieder zurück in der Erfolgsspur, mit einem weitaus geringeren Etat als bei Königsblau. Bei Schalke weiß man schon seit Jahren nicht, was man braucht, um wieder dauerhaft in höhere Tabellenregionen zu kommen und auch mal ansehnlichen Fußball zu spielen. Weil dort die falschen Leute an den entscheidenden Stellen sitzen!
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