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Rasenreport
04.04.2019
Werder siegt im Stile eines Spitzenteams

Auf den Spuren der Pokalhelden

© dpa


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Frank Baumann konnte gar nicht anders, er musste an diese besondere Spielzeit vor zehn Jahren denken. Es war seine letzte Saison als Spieler und Werder gewann den DFB-Pokal – ganz ohne Losglück. „Es gibt viele Parallelen zu unserem letzten Pokalerfolg. Das Achtelfinale war damals auch in Dortmund und wir hatten nur Auswärtsspiele gegen richtig schwere Gegner“, sagte Werders Sportchef. Zehn Jahre nach dem Triumph von 2009 träumen die Bremer spätestens seit dem 2:0-Sieg beim FC Schalke am Mittwochabend wieder intensiv vom Pokalsieg. Und die Entschlossenheit, mit der die aktuelle Mannschaft knifflige Auswärtsaufgaben löst, erinnert in der Tat nicht nur Baumann an die gute alte Zeit.

Selbst mehrere Ausfälle konnten Werder beim Erfolg über Schalke nicht aus der Bahn werfen – eine weitere Parallele zu 2009. Das Team und sein Trainer sind voll fokussiert auf das große Ziel, den Hindernissen auf dem Weg dorthin schenken sie nur so viel Beachtung wie notwendig. „Jetzt ist diese Situation da. Wir können jetzt etwas erreichen und warten nicht auf das nächste Jahr“, sagte Florian Kohfeldt. Marco Friedl betonte: „Wir wollen nach Berlin und das Finale gewinnen.“

Der Verteidiger selbst war am Mittwochabend das beste Beispiel für diese Bremer Siegermentalität. Theodor Gebre Selassie fiel aus, weil er einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen hatte, also half Linksfuß Friedl als Rechtsverteidiger aus und machte seine Sache ausgesprochen gut. „Das war ein Sieg des ganzen Kaders“, unterstrich Kohfeldt. „Wenn jemand fehlt, kommen andere, die ihre Aufgabe erfüllen.“

Starke Abwehrleistung

Erst am Spieltag hatte der Trainer erfahren, dass es bei Gebre Selassie nicht reicht. Auch Routinier Claudio Pizarro signalisierte nach einer lockeren Einheit am Morgen, dass er wegen muskulärer Probleme lieber auf einen Einsatz verzichte. Kohfeldt wertete das als einen weiteren Beleg für den hervorragenden Teamgeist: „Natürlich hätte ich einen Claudio Pizarro mit in den Kader genommen, wenn er sich fit gemeldet hätte. Aber er hat gesagt, dass er kein so gutes Gefühl hat und lieber den anderen Jungs vertraut.“

Also sahen Pizarro und Gebre Selassie von der Bank aus, wie sich ihre Teamkollegen in der ersten Halbzeit schwer taten gegen eine Schalker Mannschaft, die durch ein unheimlich aggressives Pressing auffiel. „Wir haben uns zu viele Ballverluste geleistet“, bemängelte Baumann. Werder kam somit nicht wie gewohnt zu längeren Ballbesitzphasen, machte aber auch aus dieser Situation das Beste. „Ich muss den Jungs ein Kompliment dafür aussprechen, wie wir verteidigt haben“, sagte Kohfeldt. Einmal rettete Torwart Jiri Pavlenka gegen Breel Embolo (2.), einmal traf Guido Burgstaller den Pfosten (52.). Mehr ließ die Bremer Defensive nicht zu, während Werder in der Offensive einmal mehr eiskalt zuschlug.

Kurz nach einer Schalker Druckphase zirkelte Milot Rashica den Ball aus 20 Metern herrlich zum 1:0. Das war wieder einer dieser Momente, die Kohfeldt liebt. Der Trainer forderte schon während der Winterpause, seine Mannschaft müsse lernen „ein Spiel zu fühlen“, um im richtigen Moment zuzupacken. Diese etwas abstrakte Forderung haben seine Spieler anscheinend verinnerlicht. Das war schon beim jüngsten 3:1-Erfolg über Mainz deutlich zu sehen. „Wir werden nicht nervös, wenn es nicht so gut läuft, sondern haben das Gefühl dafür, wann der Moment da ist“, schilderte Kohfeldt.

Kohfeldt mahnt

Nur sieben Minuten nach dem ersten Treffer folgte der nächste Werder-Moment: Gegen konsternierte Schalker erhöhte Davy Klaassen auf 2:0, das war die Vorentscheidung. Werder hatte wahrlich nicht geglänzt, gewann aber im Stile einer Spitzenmannschaft letztlich ungefährdet. In den zwölf Pflichtspielen seit der Winterpause sind die Bremer nun ungeschlagen, das Selbstvertrauen wächst und wächst. „Du entwickelst ein Selbstverständnis dafür, dass du Spiele gewinnen kannst“, sagte Kohfeldt, um dann sofort zu mahnen: „Es geht jetzt nicht darum, sich feiern zu lassen. Das ist der falsche Moment. Wir haben noch nichts erreicht.“

Ganz klar, sie wollen jetzt mehr bei Werder, wenngleich Kohfeldt unterstrich: „Wir sind in allen Belangen immer noch der Underdog. Wenn wir es über die Liga ins europäische Geschäft schaffen, ist das eine Sensation, auch wenn wir es von vornherein als Ziel ausgegeben haben. Wenn wir den Pokal gewinnen, ist es ebenfalls eine Sensation.“ Diese Sensation ist nach dem Sieg über Schalke ein Stück näher gerückt. Die mehr als 6000 Werder-Fans in der Schalker Arena taten ihren Plan für das Halbfinale und das Endspiel bereits lautstark kund. „Über Hamburg fahren wir nach Berlin“, sangen sie in der Schlussphase der Partie, während viele Schalker Anhänger schon enttäuscht nach Hause gingen.

„Ich habe nur die Textzeile mit Berlin verstanden“, scherzte Kohfeldt. Der Werder-Coach hat kein Wunschlos für das Halbfinale, er hätte nur gerne ein Heimspiel. Kapitän Max Kruse hätte den HSV am liebsten erst im Endspiel als Gegner. Davy Klaassen dagegen sah es wie die Werder-Fans und würde sich die Hamburger für das Halbfinale wünschen. Am Sonntag ab 18 Uhr werden die Paarungen in der ARD-Sportschau ausgelost. Die Werder-Profis bekommen davon erst einmal nicht viel mit, denn ihr Bundesliga-Auswärtsspiel in Mönchengladbach beginnt ebenfalls um 18 Uhr. Für Frank Baumann ist aber ohnehin klar, welches Los nun am wahrscheinlichsten ist: Der Sportchef verwies erneut auf die Parallelen zum Pokalsieg 2009, und damals bestritt Werder das Halbfinale in Hamburg.

Wer war euer „Man of the Match“ gegen Mainz?

WERDER2016 am 04.04.2019, 14:47
Bei aller Freude und Anerkennung für das Weiterkommen und bisher Erreichte in dieser Saison, aber die Formulierung "im Stile eines Spitzenteams" schießt doch über das Ziel hinaus. Dafür war S 04 zu schwach und eine Verbesserung bei Schalke habe ich auch nicht bemerkt. Im Gegenteil: aus meiner Sicht waren sie im Weserstadion gefährlicher als gestern.

Leider wird im Rahmen solch euphorisierter Berichterstattung dann auch noch einiges wohlwollend übersehen. Die Bemerkung "Mehr ließ die Bremer Defensive nicht zu" unterschlägt geflissentlich die beiden Schalker Großchancen durch Sané (Kopfball und Abschluss nach Rudyfreistoss). Schalke hätte durchaus in Führung gehen können, ist es zum Glück aber nicht und das ist gut so.

Ich möchte hier jetzt nicht falsch verstanden werden, denn der Sieg und das Weiterkommen sind absolut verdient, aber wenn selbst schon Spieler nach dem Spiel nicht unbedingt eine gute Leistung ausrufen, entspricht dies eher der Realität.

Schön wäre im Halbfinale auf jeden Fall ein Heimspiel und grundsätzlich nicht gegen die Bayern. Sonst spielt man innerhalb einer halben Woche zweimal gegen diesen Gegner - es gibt Abwechslungsreichers.
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