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Ballköniginnen
15.04.2019
Wichtiger Werder-Sieg dank Cerci

Auf dem Weg nach ganz oben

© imago


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Den ersten Interview-Marathon ihrer noch jungen Bundesliga-Karriere meisterte Selina Cerci ziemlich souverän und abgeklärt. „Ich denke, das war der Klassenerhalt“, sprudelte es aus der 18-Jährigen heraus. So klare Worte gibt es nicht häufig im Fußball. Aber auch ihre Trainerin Carmen Roth ließ ihr später den Satz durchgehen („Sie ist erst 18, sie darf das sagen“). Und wer will es Werders junger Stürmerin auch verwehren, nach einem Doppelpack beim 2:1 (1:0) gegen den 1. FFC Frankfurt und dem Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz einfach mal von der Euphoriebremse zu gehen und mit Vollgas Optimismus zu fahren. Gerettet ist Werder zwar noch nicht, aber die Tendenz stimmt.

Da war es schon ganz gut, dass Cerci nicht mitbekam, wie ihr Vater nach dem Tor zum 2:0 aufsprang und sich vor Nervosität lieber einen Stehplatz suchte. Marc-André Kuhr ist so etwas wie der Karriere-Planer seiner Tochter. Und was er da sah an diesem sonnigen Sonntag auf Platz 11, gefiel ihm außerordentlich gut. Erst der Abschluss zum 1:0 (12.), dann der Alleingang mit lässigem Chip zum 2:0 (50.) – „das hat sie richtig gut gemacht“, befand Kuhr. Seine Tochter ist erst im vergangenen Sommer von der FC Bayern-Reserve an die Weser gewechselt. Jetzt, so scheint es, gewinnt die Karriere an Fahrt. Der Vertrag ist kürzlich bis 2020 verlängert worden.

Folgt bald ein Wechsel?

Nicht ausgeschlossen, dass Werder dann ein Sturm-Talent weniger im Kader hat. Denn Kuhr sagt auch: „Danach wollen wir mal sehen, wohin die Reise geht.“ Ein Angebot des FC Bayern, schon jetzt wieder zurück zu kehren, schlugen Vater und Tochter aus. „Das war nicht annehmbar“, sagt Kuhr. Jetzt also weiter Werder. Trainerin Roth sagt zwar, dass Selina Cerci auch in Bremen dauerhaft gut aufgehoben sei. „Aber sie ist eben auch erst 18. Selina bringt viel mit, sie hat einen guten Weg vor sich. Und der wird nach oben gehen.“ Die Frankfurterinnen jedenfalls hatten ihre liebe Mühe mit der Stürmerin, die die Bälle in der Spitze festmacht, aber auch austeilt „und den Gegenspielerinnen wehtut“, wie Roth es nennt. Sie sei eine absolute Vollblutstürmerin mit einer starken Präsenz. „Und der Abschluss stimmt auch“, sagt die Trainerin.

Nach einer Verletzung zu Saisonbeginn hat Cerci jetzt ihre Rolle im Team gefunden. Ihren Vater verwundert das nicht. „Selina spielt seit dem dritten Lebensjahr Fußball. Puppen haben sie nie interessiert, sie wollte immer einen Ball.“ Als sie Fußball und Schule in ihrer Heimat in Kiel nicht mehr unter einen Hut kriegte, ging es auf eine Sportschule nach Magdeburg. „Das war für ihre Karriere der entscheidende Schritt“, erklärt Kuhr. Über den FC Bayern II kam sie 2018 nach Bremen. In der Nähe des Weserstadions hat sie eine eigene Wohnung, 2021 will sie ihr Abitur in der Tasche haben.

Die Formkurve passt

Das mit dem Klassenerhalt glaubt ihre Trainerin zwar noch nicht so recht, aber dass Werders Fußballerinnen plötzlich anders auftreten als noch vor wenigen Wochen, ist offensichtlich. Keine langen Bälle mehr, die oft im Nirvana landeten, sondern geordneter Spielaufbau – so hat sich Roth das immer vorgestellt. „Das war guter Kombinations-Fußball, wir haben mit und ohne Ball gut gearbeitet und defensiv stark gestanden“, analysierte die Trainerin. Auf der Ziegerade setzt die Mannschaften jedenfalls ziemlich viel von dem um, was Roth eigentlich seit dem Sommer forderte. „Aber die Mannschaft ist jung, wir haben viele neue Spielerinnen bekommen, das braucht einfach seine Zeit.“ 

Werder steht vier Spieltage vor dem Saisonende auf dem rettenden 10. Platz. „Und dabei wird es bleiben“, sagt Selina Cerci, „wir haben ein günstigeres Restprogramm als Leverkusen und das deutlich bessere Torverhältnis.“ Roth widerspricht dem nicht, aber in den Jubelchor über eine weitere Bundesliga-Saison möchte sie noch nicht einstimmen. Dafür ist die 40-Jährige schon zu lange im Trainer-Geschäft, in diesem Sommer werden es neun Jahre. Sie wird dann Werder verlassen, das steht längst fest. Und möchte natürlich als Bundesliga-Trainerin gehen. Wer ihre Spielerinnen am Sonntag nach dem Schlusspfiff erlebte, wird daran kaum Zweifel haben. Alle Spielerinnen stürmten auf den Platz, ein riesiger Haufen an Werderanerinnen lag da auf dem Rasen. Mittendrin Selina Cerci.

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