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14.06.2019
Marco Bode im Mein-Werder-Interview

„Auch wir hängen mit dem Herzen daran“

© nordphoto


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Herr Bode, das angepeilte Saisonziel, die Europa League, hat Werder verpasst. War es trotzdem eine gute Saison?

Marco Bode: Ja! Mit dem einen Wort lässt sich das zusammenfassen. Es ist ein Stück weit schade, dass es trotz des tollen Endspurts, sieben Punkte aus drei schweren Spielen, nicht gereicht hat. 53 Punkte hätten in vielen anderen Jahren für die Europa League gereicht. Geht man von dem ganz harten Ziel weg, gibt es viel Positives: eine gute Entwicklung der Mannschaft, eine stabile Saison, unser Team hat wieder verstärkt ein Gesicht, viele weiche Faktoren sind also wieder richtig gut. Deswegen sind wir ein Stück weit zufrieden, andererseits soll es auch wieder eine Haltung Werder Bremens sein, mit einer solchen Saison eben nicht zufrieden zu sein. Deshalb hatten wir das ambitionierte Ziel formuliert, weil wir weiter kommen wollen, als nur in der Liga bleiben zu wollen.

Das heißt, eigentlich kann das Ziel der kommenden Saison nur wieder das Erreichen der Europa League lauten?

Da will ich nichts vorgeben. Wir starten mit der Vorbereitung und schauen, wie sich der Kader entwickelt. Zum Saisonstart werden wir dann ein Ziel formulieren. Vergangene Saison kam das Ziel ja aus der Kabine, das ist sehr positiv. Ziele zu formulieren, ist das eine, dass die Mannschaft davon überzeugt ist, diese zu erreichen, ist das Wichtige. Ich gehe davon aus, dass die Menschen nicht mit weniger zufrieden sind. Wir kennen die Erwartungshaltung. Und natürlich werden wir es wieder versuchen.

Die Konkurrenten im Kampf um die Europapokalplätze verfügen jedoch über mehr Mittel…

Die Bilanzzahlen, die die DFL vor kurzem veröffentlicht hat, haben gezeigt, dass wir beim Personalaufwand den 14. Platz belegen. Da ist Platz 8 nach 34 Spieltagen in der Liga schon weit über dem Soll. Wenn wir Platz 5 oder 6 erreichen wollen, muss schon viel zusammen passen. Wir wollen alles dafür tun, müssen aber auch darauf hoffen, dass der eine oder andere Konkurrent nicht alles richtig macht.

Viele Jahre hat Werder kein derart deutliches Ziel formuliert. Ist es wichtig, ein klares Ziel auszugeben?

Ob wir den gleichen Weg wie im vergangenen Jahren vorgeben oder einen etwas anderen Ansatz fahren, werden wir noch besprechen. Für das vergangene Jahr war es wichtig und richtig, weil die Mannschaft sich wieder etwas vorgenommen hat, was über Abstiegskampf hinausging. Ich bin ein Freund von Wahrscheinlichkeiten.

Was meinen Sie damit?

Eine gute Mannschaft, die richtige Führungsstruktur, eine gute Kultur im Verein, all das trägt dazu bei, die Wahrscheinlichkeit für Erfolg zu erhöhen. Dann wird man in einem Zeitraum über fünf Jahre hoffentlich mal ein Jahr haben, in dem man 4., 5. oder 6. werden kann. Aber das ist eine stete Entwicklung.

Ist das die allgemeine Erwartungshaltung, dass die nächste Saison besser als die vergangene sein muss?

Es ist wichtig, beides zu betrachten. Werder war immer ein Klub, der mehr wollte, als die wirtschaftliche Situation hergegeben hat. Wir wollen zurück nach Europa, das ist das Bild, das wir alle im Kopf haben. Trotzdem ist es auch notwendig, diese Erwartung wieder einzufangen. Es gibt kaum eine planbare Entwicklung im Fußball, es wird nicht nur vorwärts gehen.

Sie haben die Bilanzzahlen der DFL angesprochen, speziell zum Personalaufwand. Waren Sie überrascht, wie hoch das Gehaltsbudget einiger Klubs ist?

Grob wissen wir, wie diese Zahlen aussehen. Man muss ehrlich sein, ein oder zwei Millionen mehr oder weniger machen da keinen Unterschied. Bayern, Dortmund, auch Schalke, dazu die Werksklubs, plus Leipzig – diese Vereine sind finanziell ein ganzes Stück weg. Aber auch wenn wir derzeit im unteren Mittelfeld liegen, sind wir sehr wohl in der Lage, mit dem Gros der Liga mitzuhalten. Werder war immer besser als die Geldtabelle, auch in den besten Zeiten unter Otto Rehhagel und Thomas Schaaf. Das soll und wird immer so bleiben.

Sie sind Fußballer und Funktionär. Kann es auch etwas Gutes haben, dass Werder sich nicht für die Europa League qualifiziert hat?

Immer wenn man ein Ziel nicht erreicht, will man es im nächsten Jahr vielleicht umso mehr. Und hätten wir es erreicht, hätte es vielleicht auch negative Effekte gegeben, beispielsweise durch eine zusätzliche Belastung. Wobei ich persönlich daran nicht glaube. Zu meiner Zeit haben wir mit einem sehr kleinen Kader fast immer europäische Wettbewerbe gespielt.

Kommende Saison spielt Werder im „Wohninvest Weserstadion". Wie bewerten Sie die bisherigen Reaktionen auf den Verkauf der Namensrechte?

Im Großen und Ganzen finde ich sie angemessen. Es gab Kritik, es gab aber auch viel Verständnis und Zustimmung für den Weg, den wir gehen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten mit den verschiedensten Argumenten auseinandergesetzt. Uns war klar, dass die Ultra-Fangruppierungen die Dinge so sehen, wie sie sie sehen. Das ist auch legitim, auch dass das in einer Demonstration nach außen dargestellt wurde. Trotzdem tragen die Geschäftsführung, der Aufsichtsrat der Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS; Anm. d. Red.) und auch der Aufsichtsrat von Werder eine gewisse Verantwortung. Wir sind überzeugt, dass dieser Weg richtig ist. Und sind froh, dass wir mit Wohninvest einen Partner gefunden haben, der unseren kreativen Ansatz mitträgt. Ich habe gesagt, dass wir den Namen nicht leichtfertig verkaufen wollen, sondern auf der Suche nach einer kreativen Lösung sind. Dass der Name Weserstadion erhalten bleibt, ist aus meiner Sicht nicht nur ein Kompromiss, sondern mehr. Wir haben mit Wohninvest gemeinsam entschieden, dass sie durch ihr Engagement den Namen Weserstadion erhalten. Das nimmt die große Masse der Fans nach meinem Empfinden auch so wahr. Es ist doch klar, dass auch wir mit dem Herzen daran hängen. Und dass wir nicht Identifikation verkaufen wollen. Wir haben einen Partner gesucht, mit dem es uns gelingt, die Zukunft der BWS auf viele Jahre zu sichern. Ich bin kein Freund davon zu sagen, dass es alternativlos war, ich finde, es ist eine gute Lösung.

Haben die Fan-Proteste eine Auswirkung, oder muss ein Verein es mitunter einfach aushalten, dass es die in manchen Fällen gibt?

Es gab in den vergangenen Monaten immer wieder, insbesondere durch Hubertus Hess-Grunewald, Gespräche mit aktiven Fan-Gruppen und dem Fan-Beirat. Man muss es nicht einfach aushalten, und es geht auch nicht ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Wir haben die Argumente, die die Ultras formulieren, ja selbst im Entscheidungsprozess betrachtet. Wir sind aber zu dem Schluss gekommen, dass wir diesen Weg gehen wollen.

Gab es eine Chance, diesen Weg nicht zu gehen?

Das hätte eine sehr große Belastung für Werder dargestellt. Die BWS braucht dieses Geld, und wenn das nicht aus einer solchen Vereinbarung kommt, wäre Werder der Leidtragende gewesen. Es ist ja auch eine Verantwortung der BWS, die zur Hälfte der Stadt Bremen und zur Hälfte Werder gehört, dafür zu sorgen, dass die Verpflichtungen erfüllt werden können. Die Stadt ist nicht gewillt und möglicherweise in der Lage, diesen Betrag auszugleichen, von daher ist es eine vernünftige Lösung, die wir gefunden haben.

Es gab schon Proteste beim Trikotsponsor Wiesenhof, auch damals bei der Targo-Bank beziehungsweise Citybank wegen irgendwelcher Kreditvergaben, jetzt gibt es Proteste bei einer Immobilienfirma. Ist es sehr schwierig, als Fußballverein den richtigen Sponsor zu finden?

Es ist definitiv nicht ganz einfach, es allen recht zu machen bei der Auswahl von Sponsoren. Aber im Fall von Wohninvest muss man noch einmal deutlich machen, dass es hier nicht wie von Seiten der Ultras  behauptet um Spekulationen im Wohnbereich in Bremen geht. In den letzten Tagen habe ich zum Beispiel gehört, die Firma würde auf Wohnimmobilien spekulieren und das wären Immobilienhaie, die jetzt in Bremen einfallen. Das entspricht nicht der Wahrheit. Es ist ein Unternehmen, das sich zu allergrößten Teilen um Gewerbeimmobilien kümmert und dort verschiedene Formen von Geschäften macht. Ja, sie sind ein kommerzielles Unternehmen und wollen damit Geld verdienen. Aber sie haben uns in den Gesprächen auch immer wieder vermittelt, dass sie nicht nur deshalb an der Partnerschaft mit Werder Bremen interessiert sind, weil wir so sozial engagiert sind, sondern diese Partnerschaft auch nutzen wollen, um auf ihr gesellschaftliches Engagement hinzuweisen – und das auch fortzuführen beziehungsweise auszubauen. Insofern muss diese Partnerschaft zwar erst noch zeigen, dass das so funktioniert, aber die grundlegende Bereitschaft, einen gesellschaftlich vernünftigen Weg zu gehen, der ist auch bei Wohninvest, so wie wir das wahrgenommen haben, sehr wohl vorhanden.

Noch einmal zurück zu den anderen Sponsoren. Warum sind solche Partnerschaften im Fußball so schwierig?

Es gibt sehr wenige Unternehmen im Sportsponsoring, die nicht hier und da in der Kritik stehen. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Und wenn man auf die Trikots der Mitbewerber schaut, dann wird man da von Gazprom bis zur Telekom oder anderen möglicherweise auch immer Ansätze für Kritik finden. Es ist nicht ganz einfach, das kann man so sagen. Aber wir sind auch mit Wiesenhof und unseren anderen Partnern im ständigen Austausch zu diesen Themen. Wir haben als Verein schon gewisse Grenzen und Dinge, die wir nicht machen würden. Aber wir sind natürlich  auch aufgefordert, im Kern für erfolgreichen Fußball in Bremen sorgen zu können. Und da ist der Bereich Werbung und Sponsoring schon wichtig, das macht etwa 20 bis 25 Prozent unserer Einnahmen aus. Das ist schon relevant.

Zum Fußball in Bremen gehörten auch immer Länderspiele. Haben Sie die Hoffnung oder Signale, dass hier in naher Zukunft wieder A-Länderspiele stattfinden? Oder erwarten Sie, dass nach einem Ende des Boykotts erst die U21 oder die Frauen ein Spiel in Bremen machen?

Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass wir in Bremen wieder Länderspiele sehen werden. Ganz ehrlich: Dieser Zusammenhang mit den Polizeikosten war aus meiner Sicht schon sehr fragwürdig. Natürlich ist es so, dass unser Weserstadion für manche Länderspiele nicht am besten geeignet ist, wegen der Größe oder des Verkehrskonzeptes. Das muss man berücksichtigen. Deshalb kann man verstehen, dass gegen Holland eher in Dortmund, Gelsenkirchen oder München gespielt wird. Aber es gibt schon genügend Länderspiele, für die das Weserstadion ideal wäre. Ich kann da nur Reiner Calmund zitieren: Die Bremer Fans hätten Länderspiele verdient! Übrigens freuen wir uns auch über Spiele der U21 oder der Frauen, aber ich gehe davon aus, dass wir wieder A-Länderspiele der Herren hier haben werden.

Woher kommt Ihre Zuversicht?

Wir haben jetzt einfach eine Entscheidung bei den Polizeikosten, auch wenn  wir da möglicherweise noch nicht ganz am Ende sind, weil das Bundesverfassungsgericht vielleicht noch von der DFL angerufen wird und andererseits Herr Mäurer bei der Innenministerkonferenz für seine Idee geworben hat. Festzuhalten bleibt aber zunächst, dass das Urteil so zu akzeptieren ist, wie es ist. Es ist offenbar grundsätzlich in Ordnung, die Gebührenbescheide so zu erstellen. Wir sind natürlich einerseits der Meinung, dass das für Werder nicht zum Wettbewerbsnachteil werden kann – und andererseits wollen wir darauf hinweisen, dass es wichtig ist durch Prävention und Reduzierung der Kosten die Situation zu verbessern und nicht immer nur darüber zu streiten, wer die Rechnung übernimmt. Wir sind da schon ein Stück weit enttäuscht, dass von Herrn Mäurer nie gesehen wurde, dass er mit dem beschrittenen Weg auch Werder schadet. Auch wenn er das nach außen immer anders dargestellt hat, musste ihm eigentlich klar sein, dass die DFL als Zusammenschluss der 36 Klubs das auch immer wieder an die Vereine weitergeben wird. Es war immer naiv, zu behaupten, sie würden nur gegen die DFL klagen, und nicht gegen Werder. Jetzt kommt es darauf an, unabhängig vom weiteren Verfahren Gespräche mit der DFL und den anderen Clubs zu führen, wie mit den bis hierhin aufgelaufenen Kosten umgegangen werden soll.

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