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Rasenreport
28.02.2019
Die Kader-Inventur: Tor und Abwehr

Alteisen und Tafelsilber

© nordphoto


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Es könnte alles so schön sein: Altmeister Claudio Pizarro ist wieder da und zeigt seine fußballerische Klasse. Junge Spieler wie die Eggestein-Brüder, Milot Rashica oder Josh Sargent machen Hoffnung auf eine große Zukunft. Und mit Florian Kohfeldt arbeitet ein Trainer für den Verein, der nicht nur in Bremen verwurzelt ist, sondern seiner Mannschaft auch eine klare Spielidee mit an die Hand gibt und aus dem oft nur reagierenden Werder der Vorjahre eine Mannschaft geformt hat, die in der Ballbesitzstatistik mit 53,3 Prozent auf dem vierten Platz steht, nur hinter den Bayern, Dortmund und Leverkusen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass bis zum zur Teilnahme an der Europa League berechtigenden Platz sechs in der Tabelle noch fünf Punkte fehlen. Das Programm im letzten Saisondrittel ist hart: Von den acht Vereinen, die derzeit vor Werder stehen, müssen die Bremer noch gegen sieben ran. Die Rückspiele gegen das abgeschlagene Schlussquartett der Liga sind alle schon gespielt. Gegenüber der Vorsaison hat man zwar neun Punkte mehr nach 23 Spielen auf dem Konto – vergleicht man aber die Bilanz gegen dieselben Gegner (und tauscht Auf- gegen Absteiger aus), steckt Werder gar mit drei Punkten im Defizit.

Zeit für Ursachenforschung

Bleibt die Frage: Kann man Werder den tabellarischen Stillstand überhaupt vorwerfen? Im Sommer hatte Werder lediglich die elftmeisten Transferausgaben aller Bundesligisten. Trotz des Rekord-Investments von 15 Millionen Euro für Davy Klaassen ist der Werder-Kader im Quervergleich nicht übermäßig teuer. Im Sommer dürfte weiter feinjustiert werden: „Kontinuität ist wichtig, ein gewisser Wandel aber auch“, formulierte Sportchef Frank Baumann das Vorhaben, an den Achillesfersen des Kaders tätig zu werden. Welche Risiken erwarten Werder im Sommer – und wo muss nachgelegt werden? Im ersten Teil der Kader-Inventur nimmt Mein Werder Torhüter und Abwehrspieler unter die Lupe.

Torhüter:

Im Tor sind die Verhältnisse klar: Jiri Pavlenka gehört zu den unumstrittenen Leistungsträgern. Dahinter spekuliert Stefanos Kapino darauf, dem Tschechen im Falle eines Wechsels nachzufolgen. Sollte Pavlenka, dessen Vertrag in Bremen noch bis 2021 läuft, Werder allerdings bereits im Sommer verlassen, kann der Verein aller Voraussicht nach eine zweistellige Millionensumme einplanen – genug, um eine weniger risikobehaftete Lösung als Kapino dazuzuholen. Dahinter stellt sich bei Torwart-Talent Luca Plogmann vor allem die Frage, ob das Niveau der Regionalliga Nord im nächsten Jahr noch angemessen für Plogmanns persönliche Entwicklung ist – oder aber der nächste Schritt via Leih-Wechsel erfolgen muss.

Fazit: Hier ist Werder in einer komfortablen Position. Ein möglicher Pavlenka-Nachfolger müsste allerdings höchsten Ansprüchen gerecht werden.


Rechtsverteidiger:

Theodor Gebre Selassie hat in dieser Spielzeit noch keine Bundesliga-Minute verpasst. Mit 32 Jahren spielt der Tscheche die vielleicht beste Saison seiner Karriere – und aufgrund einer Vertragsklausel, die wohl bereits in Kraft getreten sein soll, dürfte er auch noch in der kommenden Spielzeit für Werder auflaufen. Dahinter haben Luca Zander, der bei seinem Leih-Klub, dem FC St. Pauli, bleiben könnte, und Robert Bauer, aktuell an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wohl keine Zukunft in Bremen. Bleibt Felix Beijmo. Der 21 Jahre alte Schwede spielte für den Bundesliga-Kader bislang nahezu keine Rolle. Ändert sich das nicht, könnte zwecks Spielpraxis eine Leihe interessant werden. Sollte man sich bei Werder für diese Option entscheiden, müsste aber wohl ein weiterer Außenverteidiger dazugenommen werden.

Fazit: Solange Gebre Selassie fit bleibt, ist alles gut. Doch die Nachfolge ist derzeit ungeklärt.

Innenverteidiger rechts:

Sebastian Langkamp dürfte hochzufrieden mit seinem aktuellen Status als Stammspieler bei Werder und Musterbeispiel für Kohfeldts angestrebte Spielerentwicklung in jeder Altersklasse sein, Milos Veljkovic ist mit seinem Bankplatz wohl weniger glücklich. Das Problem: Auch wenn Langkamp die Erwartungen an einen Back-up übererfüllt, fehlt dem 31-Jährigen noch ein gutes Stück zum Leistungsträger. Sollte Veljkovic sich nicht zeitnah steigern, könnte der Serbe sich nach mehr Spielzeit anderswo und Werder sich nach einer neuen Alternative umsehen, die die aktuellen Probleme der Innenverteidigung – etwa die Abhängigkeit von Niklas Moisander im Spielaufbau oder das Tempodefizit – zuverlässiger beheben kann. Aus der U23 empfiehlt sich perspektivisch der erst 18 Jahre alte Julian Rieckmann, der sich in der Regionalliga bislang abgeklärt und durchaus spielstark zeigt, aber dem in der Bundesliga noch sein eher schwacher Antritt zum Verhängnis werden könnte.

Fazit: Angesichts der gestiegenen Ansprüche besteht rechts in der Innenverteidigung definitiv Luft nach oben. Die Konkurrenz um Europa ist hier in der Regel stärker besetzt.

Innenverteidiger links:

Niklas Moisander ist völlig zu Recht gesetzt: Der Finne ist nicht nur der Werder-Spieler mit den meisten klärenden Aktionen, Moisander spielt auch mit Abstand die meisten Pässe (im Schnitt 74,8 pro Spiel) und ist im Spielaufbau unverzichtbar. Allerdings wird der Abwehrchef in diesem Jahr bereits 34 Jahre alt, hatte nach einer Verletzung im Herbst zudem mit Formschwankungen zu kämpfen. Dahinter steht noch Bayern-Leihgabe Marco Friedl zur Verfügung. Florian Kohfeldt hält große Stücke auf den 20-Jährigen, Friedl kann zudem auch als Außenverteidiger aushelfen. Sollte man sich auf keine Ablöse einigen können, dürfte Werder sich auf dem Transfermarkt nach einem vergleichbaren Talent für den Kaderplatz hinter Moisander umsehen.

Fazit: Ein formstarker Niklas Moisander besitzt die Qualität für mehr als Bundesliga-Mittelmaß. Die Wachablösung des Routiniers sollte Werder jedoch nicht zu lange hinausschieben.

Linksverteidiger:

Ludwig Augustinsson ist gesetzt. Da der Vertrag des Schweden erst im Sommer 2022 ausläuft, besitzt Werder auch noch keinen Druck, den 24-Jährigen un­bedingt zu verkaufen. Auszuschließen ist ein Wechsel dennoch nicht, für den Fall der Fälle müsste ein Ersatz her. Dahinter bringt sich Jan-Niklas Beste aus der U 23 als aussichts­reicher Perspektivspieler in Position. Für Thore Jacobsen dürfte im Sommer hingegen ein Abschied bevorstehen – mindestens per Leihe.

Fazit: Allzu große Sorgen muss Werder sich nicht machen. Augustinsson ist klar gesetzt, bei einem Wechsel würde der Schwede eine stattliche Ablöse einspielen.

Luckybox am 01.03.2019, 07:22
Werder muss im Sommer neue IV verpflichten. Gerade Moisanders Schnelligkeit und Zweikampfsdefizite sind nicht zu übersehen. Zudem patzt er auch in schöner Regelmäßigkeit. Da kann er noch so viele Pässe spielen.
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