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20.05.2019
Pizarro erklärt seine Vertragsverlängerung

Alles total normal

© nordphoto


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Wer ein paar Minuten in Ruhe mit Claudio Pizarro sprechen möchte, der muss sich schon etwas einfallen lassen. Ganz egal, wo der wohl jüngste 40-Jährige der Welt auftaucht, die Werder-Fans umschwirren ihn wie Wespen eine Sahnetorte. Also stand Pizarro am Sonntagabend in einem schmucklosen Durchgang im Papenburger Vereinsheim, an einem Stehtisch aus weißem Plastik. Eine Umgebung, die einer Legende wie ihm nun wahrlich nicht gebührt, aber bei Werders Freundschaftsspiel in Papenburg hätte der Peruaner sonst wohl kaum über seine Vertragsverlängerung sprechen können, ohne immer wieder um Autogramme und Fotos gebeten zu werden. Pizarro lehnte sich somit auf den Plastik-Stehtisch, war bester Laune, lächelte und sagte: „Leider haben wir das Ziel Europapokal nicht erreicht, aber es war ein guter Tag.“

Er meinte den vergangenen Sonnabend, an dem er wieder einmal allen die Show gestohlen hatte. Kurz vor dem Anpfiff von Werders letztem Saisonspiel gegen Leipzig tauchte Pizarro auf der Videoleinwand auf und sprach: „Wir werden noch ein Jahr zusammen weitergehen.“ Was er danach sagte, ging im ohrenbetäubenden Jubel des Weserstadions unter. Gestandenen Männern liefen Tränen die Wange herunter. Pizarro selbst bekam all diese Szenen des kollektiven Glücksrausches gar nicht mit. Er saß in dem Moment in der Kabine und lauschte der Ansprache von Trainer Florian Kohfeldt. Dass er später auch noch das 2:1-Siegtor gegen Leipzig schoss, war der perfekte Abschluss der großen Pizarro-Show.

Am Sonntag unterschrieb Pizarro dann den neuen Vertrag, den sein Berater Carlos Delgado am Freitag mit Werders Sportchef Frank Baumann ausgehandelt hatte. Pizarro erweckte den Eindruck, als sei seine Vertragsverlängerung, die so viele Menschen in schiere Ekstase versetzt hat, gar nichts Besonderes. „Ich habe mit dem Trainer schon vor einiger Zeit darüber gesprochen. Dann habe ich auch mit Baumi geredet. Ich wollte weiterspielen, fühle mich gut“, schilderte Pizarro nüchtern.

Erstes Gespräch nach dem Bayern-Spiel

Alles ganz normal also? Mitnichten! Pizarro ist schon jetzt der älteste Spieler, der jemals für Werder in der Bundesliga auflief, und der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Ganz Bremen zitterte in den vergangenen Wochen und hoffte, dass er bei Werder weitermachen und neue Rekorde aufstellen darf. Nur für Pizarro war schon länger klar, dass er ein weiteres Jahr an der Weser spielt – zumindest stellte er das jetzt so dar.

Das besagte Gespräch mit Trainer Kohfeldt führte er bereits direkt nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal-Halbfinale gegen die Bayern am 24. April. „Da kam die Idee auf, zusammen weiterzumachen. Ich hatte Lust, und wir waren ein bisschen enttäuscht, weil wir beide gerne ins Finale wollten“, erzählte Pizarro. Sportchef Baumann betonte allerdings bis zuletzt, dass noch keine Entscheidung in der Personalie Pizarro getroffen sei, und verwies auf diverse offene Baustellen in der Kaderplanung. Darauf angesprochen, setzte Pizarro nur sein Pizarro-Lächeln auf. „Ich wusste das alles“, sagte er. „Die müssen den ganzen Kader organisieren. Das ist ganz normal.“ Einen Claudio Pizarro – 472 Bundesliga-Spiele und 197 Tore, sechsfacher Deutscher Meister, sechsfacher Pokalsieger, Champions-League-Sieger – bringt so etwas nicht mehr aus der Ruhe.

Immer optimistisch

Pizarros hervorstechendster Charakterzug ist der unerschütterliche Optimismus. Er sei nicht überrascht gewesen, dass er in der abgelaufenen Saison so viel gespielt habe, und gehe davon aus, in der neuen Spielzeit eine ähnliche Rolle einzunehmen. „Wenn ich die Chance habe, möchte ich spielen. Der Trainer sagt: Wenn du zeigst, dass du eine gute Verfassung hast, ist das normal. Das ist gut für mich, gut für ihn, gut für die Mannschaft. Ich glaube, das wird nächstes Jahr genauso sein.“

Während ganz Fußball-Deutschland darüber staunt, was für Tore der 40-Jährige in seinem Alter noch schießen kann, ist das für Pizarro also alles ganz normal. Um herauszuhören, dass auch der Dauerlächler manchmal zweifelt, muss man schon genau aufpassen. In Papenburg sagte Pizarro etwa: „Ich glaube, das wird mein letztes Jahr. Ich glaube, es ist dann gut. Ich fühle mich jetzt gut und will meine Karriere in guter Verfassung beenden, nicht mit Verletzungen. Ich will mich nicht fragen, warum habe ich das Jahr noch gemacht?“

Und was ist in einem Jahr? Ist dann mit 41 Jahren wirklich Schluss? So ganz festlegen wollte sich Pizarro nicht, dafür spielt er einfach zu gerne Fußball. „Vielleicht ist es nur mein letztes Jahr in Europa. Hier braucht man mehr Fitness und Erholung.“ Den Traum, mit seinem Heimatklub Alianza Lima in Peru noch einmal Meister zu werden, will Pizarro noch nicht aufgeben. Ein Funktionär aus Lima hatte kürzlich schon kundgetan, dass die Verpflichtung Pizarros fast perfekt sei. Er habe das gelesen, sagte Pizarro. „Aber ich habe mit keinem gesprochen. In den letzten zwei Tagen vor der Vertragsverlängerung kamen noch Anfragen von Vereinen, doch Werder hatte immer Priorität.“

In Bremen kann Pizarro nun noch eine Saison lang Edeljoker mit Torgarantie, Held der Fans und Lehrmeister der jungen Spieler sein. Die Aufgabe als Mentor nehme er sehr ernst, betonte der Stürmer. „Es ist mein Job, den jungen Spielern was beizubringen und ihnen zu helfen mit meiner Erfahrung.“ Das Ziel sei es, dass auch die Rashicas, Eggesteins und Sargents irgendwann solche Tore schießen können wie Claudio Pizarro. „Dann kann ich gehen und habe meinen Job gemacht“, sagte Pizarro und lachte.

Zur Sache

„Die Erholung nach einem Spiel dauert etwas länger“

30 Pflichtspieleinsätze, sieben Treffer und zwei Torvorlagen in der abgelaufenen Saison – die Zeit scheint beinahe spurlos an Claudio Pizarro vorübergezogen zu sein. Mit 40 Jahren kann er immer noch mithalten in der Bundesliga, doch in einem Punkt haben die jungen Hüpfer dem Altmeister etwas voraus, das musste Pizarro zugeben. „Die Erholung nach einem Spiel dauert bei mir etwas länger“, schilderte er. „Wenn die einen Tag brauchen, brauche ich vielleicht zwei. Der Unterschied ist also nicht so groß.“ Und eines war Pizarro, früher von Uli Hoeneß als „Schlawiner“ bezeichnet, noch wichtig: Dass er sich jetzt im fortgeschrittenen Alter auf der Massageliege durchkneten lasse, während die Teamkollegen noch feiern, wies er energisch zurück. „Beim Feiern bin ich immer dabei.“ Manche Dinge ändern sich eben nie.

NickNameless am 20.05.2019, 19:29
Hat eigentlich schon ein Spieler seinen Berater wechseln müssen, weil dieser in Rente ging?
Der Delgado wird ja auch nicht jünger. Bin gespannt, wer länger durchhält 😉
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alanya_fuchs am 20.05.2019, 22:17
Ich meine gelesen zu haben, dass Delgado und Pizarro in etwa gleich alt sind.
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Bubba am 20.05.2019, 19:42
Manche wissen eben nicht, wann es Zeit wird aufzuhoeren
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NickNameless am 20.05.2019, 19:50
Tja, was soll man dazu sagen? Spielerberater halt... können den Hals auch nicht voll kriegen!
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