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Rasenreport
08.12.2018
Rashica im Leistungsnachweis

Allein eine Sturmwarnung wert

© nordphoto


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Vor der Partie gegen Fortuna Düsseldorf schien das große Thema des Spiels klar: Niklas Moisander fehlt gesperrt, Milos Veljkovic fällt noch ein Weilchen verletzt aus – aber schaffen Marco Friedl und Sebastian Langkamp, die Abwehr dicht zu halten? Ein wenig ging dabei unter, dass das Duo in der Bundesliga schon einmal souverän zusammen gespielt hatte – am 12. Mai, auswärts in Mainz, als Werder 2:1 gewann. Die Ironie dieser Begebenheit: Genau an diesem Sonnabend im Frühling stand Milot Rashica zuletzt in Werders Startelf. Gegen die Fortuna feierte der Kosovare nun ein fulminantes Comeback.

Noch in der Vorwoche hatte Rashica zurückstecken müssen, als er gegen den FC Bayern schon eingewechselt werden sollte, nach der Verletzung Veljkovics aber doch wieder auf der Bank Platz nehmen musste. Bis dato war es nicht die Saison des Kosovaren, lediglich 115 Einsatzminuten nach 13 Spieltagen konnten nicht nach dem Geschmack Rashicas sein. Nach zwei Scorerpunkten in zwei Spielen zum Saisonstart war Rashica mitunter sogar aus dem Spieltagskader gerutscht. Ein Grund dafür: Defensivschwächen. Nun hatte Trainer Florian Kohfeldt dem Dribbler bescheinigt, er sei „sehr gut aus dieser Phase herausgekommen“ – und ließ Worten Taten folgen.

Gegen die Fortuna startete Rashica in ungewohnter Rolle: Noch bei seinem Ex-Klub Vitesse Arnheim hatte der Rechtsfuß vornehmlich auf der rechten Außenbahn gespielt. Am Freitagabend agierte Rashica plötzlich als linker Stürmer neben Claudio Pizarro und vor Spielmacher Max Kruse in einem Rautensystem. Direkt nach Anpfiff hatte Rashica seine erste gute Szene, als er den Düsseldorfer Innenverteidiger Robin Bormuth ausbeschleunigte und dieser sich nur noch mit einem taktischen Foul helfen konnte, für das es die Gelbe Karte gab.

Ohnehin war es Rashicas Tempo, das dem Werder-Spiel ein Element gab, das in den Wochen zuvor gefehlt hatte: Mit 33 Kilometern pro Stunde war der Angreifer mannschaftsübergreifend der schnellste Spieler auf dem Platz. In seinen 75 Minuten auf dem Feld zog Rashica starke 20 Sprints an. Aufgrund seiner Wendigkeit gelang es Rashica auch gegen einen tiefstehenden Gegner wie die Fortuna, sein Tempo zu seinem Vorteil zu nutzen: 18 Zweikämpfe bestritt der 22-Jährige, die meisten aller Bremer. Viele davon in der Offensive. Eine Erfolgsquote von 55,6 Prozent kann sich für einen Angreifer derweil sehen lassen.

 

Vor allem aber genoss Rashica aber die neuen Freiheiten seiner Rolle: Als Teil eines Zwei-Mann-Sturms musste Rashica diese nicht statisch interpretieren. Stattdessen ergänzte Werders Wirbelwind seine temporeichen Dribblings und Tiefenläufe über den Flügel mit Phasen, in denen er sich zentraler hielt und eine zusätzliche Anspielstation für die Achter oder Sechser Maximilian Eggestein bot. Oft bewegte sich Max Kruse dann etwas stärker in den linken Halbraum.

So entstand auch das Bremer 1:0: Einen Langkamp-Kopfball verarbeitete Rashica mit einer sauberen Ballannahme in zentraler Position im Mittelfeld, drehte sich blitzschnell um Fortunas Sechser Adam Bodzek, sprintete in den freien Raum und passte zu Max Kruse, der Kevin Möhwald den Ball auf Zuruf für dessen sehenswerten ersten Bundesliga-Treffer auflegte. Es ist Rashicas große Stärke, auf diese Weise für Tempo und Zug zum Tor zu sorgen – besonders in der ersten Hälfte war der schnelle Kosovare für die Fortuna fast allein eine Sturmwarnung wert.

Noch zeigte Rashica allerdings auch, dass seinem Spiel hier und da noch der Feinschliff fehlt: Eine Passquote von 91,3 Prozent überzeugt zwar, allerdings brachte Rashica keine seiner Flanken aus dem Spiel heraus an den Mann. Auch in der Wahl seiner Abschlüsse agiert Rashica mitunter überambitioniert: Alle seine drei Schüsse feuerte der Angreifer von außerhalb des Strafraums ab, für Gefahr sorgte keiner. In einer anderen Situation verhinderte ein starkes Tackling von Bodzek in letzter Sekunde, dass Rashica seine Leistung mit einem Tor krönen konnte.

Nach der Pause agierte Werders Tempodribbler noch dazu etwas weniger auffällig als zuvor, holte sich nach einer etwas frustriert wirkenden Doppel-Grätsche sogar eine verdiente Gelbe Karte ab. Grundsätzlich bot Rashica aber eine Leistung, die Hoffnung auf mehr macht: Kein anderer Werderaner kombiniert technische Fähigkeiten und enormes Tempo auf diesem Niveau. Möglich also, dass Rashica auch in den Wochen bis Weihnachten noch den einen oder anderen Einsatz erhält – vielleicht auch wieder von Anfang an.

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