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Ballköniginnen
08.02.2019
Roth verlässt Werder-Frauen

Abschied mit Beispielcharakter

© Imago


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Die Trainerin geht. Am vergangenen Wochenende vermeldete der SV Werder, dass Carmen Roth den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Sie zieht es zurück in ihren eigentlichen Beruf bei einer Münchner Versicherung. Die grün-weißen Fußballerinnen werden also mit einer anderen Führungskraft in die kommende Saison gehen. Vorher sind sie gefordert, damit auch diese Spielzeit in der 1. Bundesliga stattfinden kann. Die Bremerinnen befinden sich nämlich im Abstiegskampf, belegen derzeit nur den vorletzten Tabellenplatz.

Die zweite Saisonhälfte beginnt schon bald mit dem wichtigen Heimspiel gegen den MSV Duisburg. Abstiegskampf und Trainer-Abschied – Werder befindet sich also in einer schwierigen Situation. Es gibt eine ganze Menge zu tun für Birte Brüggemann, unter anderem muss sie jetzt Stellung beziehen. Die Abteilungsleiterin lässt sich auch nicht lange bitten. Sie sagt eine ganze Menge. Unter anderem Folgendes: „Natürlich wäre Kontinuität wünschenswert.“ Eine Feststellung mit Hintergrund. Seit Wiedereinführung der grün-weißen Frauenfußballabteilung 2007 versuchten sich sieben Trainer und Trainerinnen an der Mannschaft.

Nur eine arbeitete über mehrere Jahre mit dem Team, und das war Birte Brüggemann selbst. Alle anderen kamen allenfalls auf eine zweijährige Amtszeit. Dann war Schluss, mal unfreiwillig, mal freiwillig – wie jetzt bei Carmen Roth. Natürlich weiß Brüggemann, dass es nicht so gut aussieht, wenn man auf der Trainerposition immer wieder bei null beginnen muss. Aber sie weiß auch, dass eine mäßig lange Verweildauer keine Seltenheit ist, sondern eher die Regel – sowohl im Herren- als auch im Frauenfußball. „Es ist heute einfach nicht mehr so wie noch vor Jahren“, betont die Abteilungsleiterin. Aber sicher ist auch: Im Fall von Carmen Roth hatte sie sich das schon anders vorgestellt. Zwar war die 40-Jährige 2017 bereits mit der Option einer Rückkehr in den alten Beruf angetreten. „Aber klar war das nicht, es bestand immer die Hoffnung, dass sich das Zeitfenster noch ändert“, so Brüggemann.

Rückkehr in den alten Job

Nachdem Roth zur Jahreswende aber bei ihrem alten Arbeitgeber nachgefragt hatte, zerschlug sich die Hoffnung: Mehr als eine zweijährige Auszeit wollte man der Werder-Trainerin nicht einräumen. Deshalb musste jetzt Klarheit herrschen. „Ich habe mich also entschieden, wieder in meinen Job zurückzukehren“, erklärt Carmen Roth. Viel mehr möchte sie nicht sagen zu ihrem Abschied. Kein Wort darüber, ob sie lange überlegen musste, wie schwer ihr die Rückkehr fällt oder warum ihr die Aufgabe in Bremen offenbar keine verlässliche Perspektive bietet.

Bei Werder geht man indes davon aus, dass es der Trainerin nicht leichtgefallen ist. „Es war eine existenzielle Entscheidung, und in ihrer Lebenssituation hätte ich es auch so gemacht“, sagt Birte Brüggemann. Für sie ist der Abschied von Carmen Roth deshalb auch ein gutes Beispiel für die Probleme weiblicher Trainer im Frauenfußball: „Da muss man sich schon sehr gut überlegen, ob man auf dieses Karussell aufspringt.“ Denn anders als ihre männlichen Kollegen hätten die Trainerinnen deutlich weniger Möglichkeiten, auf professioneller Basis zu arbeiten – schon weil ihnen der Weg in den Herrenfußball weitgehend verbaut sei. „Es hat deshalb auch einen Grund, weshalb bei den zwölf Erstligisten nur zwei Frauen als Cheftrainer auf der Bank sitzen“, so Brüggemann.

„Ganz viele Bewerbungen und Anfragen“

Vielleicht spielt diese Erkenntnis ja eine Rolle bei der nun anstehenden Trainersuche. „In jedem Fall haben wir nun das erste Mal einen richtigen Vorlauf“, findet die Abteilungsleiterin. An potenziellen Kandidaten mangelt es offenbar nicht. Bereits in den Tagen nach der Bekanntgabe des Abschieds von Carmen Roth hätte sie schon „ganz viele Bewerbungen und Anfragen“ erhalten. Es gehe nun darum, was das Beste für Werder ist. Und das muss nicht unbedingt die Verpflichtung eines mehr oder weniger unbekannten Trainers sein. Brüggemann: „Wir prüfen extern und intern.“

Deshalb ist auch Alexander Kluge eine Option für die Roth-Nachfolge. Der 32-Jährige arbeitet bereits seit 2009 im Verein, mittlerweile längst auf hauptamtlicher Basis. Er trainierte die U15, die 2. Frauen, ist derzeit für die U17 zuständig und gilt als talentierter Coach. Wie groß die Chancen von Kluge tatsächlich sind, möchte Birte Brüggemann nicht verraten. Sie befände sich ja erst am Anfang des Entscheidungsprozesses. Sicher ist die Abteilungsleiterin dagegen in einem anderen Fall: Die Bekanntgabe des Abschieds von Carmen Roth wird die sportliche Leistung ihres Teams nicht beeinflussen. „Die Mannschaft ist professionell, sie spielt für sich und den Verein“, so Brüggemann. Im Übrigen sei es keineswegs ungewöhnlich, einen Wechsel auf der Trainerbank frühzeitig bekannt zu geben: „In Essen, Freiburg und München hat man dies bereits vor uns gemacht.“

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